"What the fuck!"

Kirche Viele fiebern dem Papstbesuch entgegen. Doch es formiert sich auch Widerstand gegen Benedikt XVI. Die Stationen seiner Reise sind Stationen antiklerikalen Protests

Wenn Papst Benedikt XVI. in zwei Wochen Deutschland besucht, werden ihm nicht nur die „Benedeto“-Rufe seiner Anhängerschaft entgegenbranden, sondern auch Schmähungen und Protest. In Freiburg, Erfurt und Berlin – die Stationen der päpstlichen Deutschlandreise – haben sich Bündnisse formiert, um gegen den Besuch des Kirchenoberhaupts zu opponieren.

Sie heißen ganz nüchtern: "Der Papst kommt". Andere, wie die linksradikalen Allianzen von "not welcome" über "what the fuck", tragen ihre Botschaft an den Papst gleich im Titel. Gemeinsam ist den drei Berliner Bündnissen die Programmatik. Sie richten sich gegen die "Diskriminierung" homosexueller Menschen und Frauen sowie die restriktive Haltung des Papstes bei Kondomen und Abtreibungen. Im größten der Bündnisse Der Papst kommt versammeln sich über 60 Organisationen, neben Lesben- und Schwulenverbänden sind auch Organisationen wie die Aidshilfe, Gewerkschaften und Parteien mit dabei. Der Aufruf des Aktionsbündnisses steht sinnbildlich für den Protest gegen den Papst:

„Papst gegen Menschenrechte“

„Wir wenden uns gegen den Papst als einen der Hauptverantwortlichen für die Unterdrückung der Lesben, Schwulen und Transgender der Welt. Auf internationaler Ebene kämpft der Vatikanstaat Seite an Seite mit brutalen Diktaturen gegen“ deren Menschenrechte. Und weiter: „Wir kritisieren die Missachtung der Rechte von Frauen“ Sowie: „Wir verurteilen die Sexual- und Kondom-Politik des Papstes. Sie behindert in vielen Ländern massiv wirksame HIV-Prävention, stürzt Menschen in schwere Gewissenskonflikte, verdammt sie zu Krankheit und nimmt ihren Tod damit billigend in Kauf.“

Im Mittelpunkt der Berliner Proteste soll die „Karawane zum Bundestag“ stehen. Zu tausenden wollen die Kritiker dann am Brandenburger Tor demonstrieren. Außerhalb der um das Reichstagsgebäude gezogenen Bannmeile, aber in Sicht und Hörweite des Papstes, der als Staatsoberhaupt des Vatikans eine Rede im Parlament halten wird.

Ob die vom queer-feministischen Bündnis „what the fuck“ ausgerufene Gegenpäpstin Rosa I. und ihre Anhängerschaft tatsächlich am Brandenburger Tor werden demonstrieren können, bleibt indes fraglich. Die Berliner Versammlungsbehörden wollen die geplante Demo „aus Sicherheitsgründen“ verbieten. Jörg Steinert, Sprecher des "Lesben- und Schwulenverbands Berlin-Brandenburg" rechnet mit einem Verbot. „Nicht genug Platz“, hieß es in Gesprächen mit den Behörden. Steinert kann die Argumentation nicht verstehen. „Beim Christopher Street Day feiern jedes Jahr hunderttausende Menschen vor dem Brandenburger Tor“, sagt er und fügt an: „Wir werden höchstens 20.000 Demonstranten sein – und da wollen sie die Demo aus Platzgründen verbieten.“ Das Bündnis werde gegen das Verbot rechtlich vorgehen.

„Heidenspaß“ auch in Erfurt und Freiburg

Auch in Erfurt erwarten den Pontifex Proteste. In der Innenstadt soll eine religionsfreie Zone eingerichtet werden. Am Tag davor ist eine Demo geplant. Das linke Bündnis "Heidenspaß statt Höllenangst" organisiert den Protest. Es kritisiert unter anderem, dass gerade einmal acht Prozent Katholiken in Thüringen leben und der Papstbesuch dennoch als gesamtgesellschaftliches Großereignis inszeniert würde.

Und auch in Freiburg, der letzten Station des dritten Deutschlandbesuchs des Pontifex, formiert sich Protest, wenn auch etwas gediegener. Mit Infoständen, Diskussionsrunden leisten die Papstgegner im Bündnis "Freiburg ohne Papst" Widerstand. Im Vorfeld organisiert das Bündnis eine Unterschriftenaktion, in der es fordert, die Stadt solle Benedikt den Eintrag in das Goldene Buch verweigern. Auch Stadträte sich den bisher beinahe 3.000 Unterzeichnern angeschlossen. Kurz vor dem Papstbesuch möchte man die Unterschriften dann der Stadt Freiburg übergeben.

Die katholische Kirche sieht den Protesten gelassen entgegen. Sie erwarte einen fairen Umgang mit dem Papst. Gewaltfreie Demonstrationen seien im Grundrecht auf Meinungsäußerung verbrieft.

Die wichtigsten Stationen des Papstbesuchs:


22. September Ankunft in Berlin Tegel. Treffen mit Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Nachmittags Rede im Bundestag. Später Messe im Olympiastadion vor 64 Tsd. Gläubigen.

23. September Flug nach Erfurt. Besuch des Doms und der Wallfahrtskapelle in Etzelsbach.

24. September Messe auf dem Erfurter Domplatz. Anschließend Weiterreise nach Freiburg. Treffen mit Helmut Kohl und anderen Persönlichkeiten.

25. September Messe auf dem City Airport in Freiburg. Anschließend Abschiedszeremonie und Rückflug nach Rom.

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Geschrieben von

Lukas Ondreka

Praktikant beim Freitag

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