So viele Held*innen!

Zyniker OHNE AHNUNG Sie reden vor HELDENMYTHOS, kritisieren dies und das, und haben doch von WILLKOMMENS-Kultur wenig mitbekommen
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Wie immer, wenn etwas überraschend Positives im Mainstream auftaucht, eine überraschende Hoffnung auf Besserung, ist der Zyniker schon da. Er weiß, dass es Quatsch ist,sich zu freuen, dass sowieso alles schlecht ausgeht. Weil also alles sowieso keinen Sinn hat.
So auch in den Tagen, als die Kapitänin der Seawatch3 nach Tagen des Wartens und Ignoriertwerdens dann den Mut aufbrachte, trotz Verbots den Hafen von Lampedusa an zu laufen, in Kauf nehmend, dass sie die Rettung der 40 Flüchtlinge mit Freiheitsentzug bezahlen könnte.
Was nun geschah, konnte niemand voraussehen. Es wird noch lange dauern, bis aus dem Rückblick erklärbar wird, wieso in 48 Stunden 1,5 Mio.€ für ein neues Seenotrettungsschiff ( die Seawatch3 wurde wie viele Sie vorher beschlagnahmt) und die Kosten der Verfolgung der mutigen Kapitänin gesammelt werden konnten.
Und wenige Tage später nach der nächsten Überraschung, dem mutigen Freispruch einer italienischen Richterin, die dritte Überraschung geschah: in fast hundert Orten des Landes versammelten sich zehntausende um gegen das unmenschliche Ertrinken- lassen, dem schon mehr als 35.000 Flüchtende zum Opfer fielen, zu protestieren.
Das ist ja für unseren Zyniker nun wirklich zu viel des GUTEN.
Nun wird angeschrieben gegen den "Hype", gegen den "HELDENMYTHOS" um Carola Rackete. Es wird gefordert, dass doch auch für andere Zwecke Spenden nötig seien, dass nur die Kapitänin, nicht aber die Geflüchteten im Fokus stünden. Und vor allem wird gewarnt vor der Überhöhung einzelner. Wäre sie männlich, oder schwarz, nie hätte sie eine solche Aufmerksamkeit erhalten.
Nun gab es Zyniker und Pessimisten zu allen Zeiten. Und es wird sie wohl noch lange geben.
Es sollte nur erlaubt sein, darauf hinzu weisen, dass diesen Miesepetern eben nicht nur Empathie sondern auch jede Kenntnis der Willkommensbewegung fehlt.
Denn Carola Rackete ist ja nur die Spitze eine Eisberges von Heldinnen und Helden, die spätestens seit dem Spätsommer 2015 - und auch damals völlig unvorhersehbar - im Stillen und viel zu selten im Rampenlicht der Medien ihr Solidaritätsarbeit leisten. Nicht nur am Münchner Hauptbahnhof. Man muss nur die Menschen fragen, die auf der Balkanroute flüchteten, vor den Küsten der griechischen Inseln, AUF den Inseln, Wäsche waschen und trocken, ärztliche Erstversorgung leisten, am Bahnhof von Budapest und an vielen anderen Stellen halfen, Essen und Kleider wie Medikamente verteilten oder in ihrem PKWs Traumatisierte über die Grenze schmuggelten. Es sind Freiwillige aus aller Herren Länder, die seit nunmehr 4 Jahren ihren Jahresurlaub oder gar unbezahlten Urlaub nehmen, um das zu tun, was- und so haben mir so viele auf die Frage "WARUM" geantwortet -"was einfach getan werden muss ". Heldinnen und Helden von Kant's Kategorischem Imperativ!
Und schon zwei Jahre vorher lernte ich die Held*innen von Wandlitz kennen, u.a. den "Engel von Biesenthal" (übrigens am vergangenen Samstag wohl einer der kleinsten Orte, wo ebenfalls 40 Menschen zusammen kamen, um #sichereHäfen zu fordern). Sie alle fürchten nicht dass Gerede der Nachbarn und nicht tatsächlich im Alltag auftretende Probleme UND FASSTEN MIT AN.

Natürlich gab es auch die anderen, die warnten "wir können doch nicht alle aufnehmen!" (als ob jemals zur Debatte stand, alle 70 Millionen Flüchtlinge nach Deutschland zu holen...).
Sie heissen Nahles, Wagenknecht oder auch der Nachbar von nebenan.
Helden machen kein Tamtam. Sie tun, "was getan werden muss".
Zyniker wissen dass nicht. Vielleicht wollten sie es auch nicht wahrnehmen.
Dann müssten sie ja ihren Zynismus begraben.....

12:20 08.07.2019
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Geschrieben von

MathisOberhof

Autor des Buches : REFUGEES WELCOME - Geschichte einer gelungenen Integration - So können Sie Flüchtlingen helfen - Ein Mutmachbuch", verh., 3 Söhne,
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MathisOberhof

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