Vom #aufschrei, der Stopp sagt & von der LUST

#aufschrei nachLiebe Lasst uns im Eintreten gegen die LUSTMOLCHE nicht die Lust mit dem Bade ausschütten. Der Text erschien zuerst bei www.oberhof.blog.de .
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community
Ein erster kleiner und vorsichtiger Anfang eine ultrakomplexen Debatte.
Wie kann sie geführt werden - so dass Tausende Frauen wieder ein Stück Mut und Würde zurückfinden, lernen immer dann einen #aufschrei zu schreien, wenn wieder einmal Grenzen überschritten und Macht, Drohung, Entwürdigung an die Stelle von Respekt treten?

Aber auch, wie kann diese Debatte helfen, Männer wieder zu wirklich männlicher Würde zurück zu geleiten, sie nicht immer mehr in ihrem Mannsein verunsichern - seit 1945 durch unsere zu Mördern gewordenen aus dem Krieg heimkehrenden Ur- und Gross-und Väter sich uns das NaziMännerbild als zerbrochene oder verdrängte FRATZE zeigte UND seit 1968 der neue Mann gefordert aber so diffus, so widersprüchlich, so defensiv und für Millionen von Männern de- potenzierend ( ent-kräftigend) wirkte.
Nun haben wir alle -Männer und Frauen - den Salat: in einer Gegenwart vollster Verunsicherung, wo der einzige ethische Wert, der Markt-Wert ist, schwanken wir Männer hin und her zwischen Macho und Softi und behandeln in unserer Sehnsucht nach körperlicher Verbindung in Zeiten der Einsamkeit weibliche Menschen, von welche mann glaubt, sie seien UNTER-Gebene genauso wie Arbeitgeber ihre Leiharbeitnehmer, die Eineurojober, die Illegalen zu Ausbeuterlöhnen: ohne Respekt und Würde. Ohne Distanz und Wertschätzung.
Hannes Wader hat dem jungen Soldaten des ersten Weltkrieges in der Champagne ein Denkmal gesetzt, als er schrieb:
Hast Du, toter Soldat, mal ein Mädchen geliebt?
Sicher nicht, denn nur dort, wo es Frieden gibt
können Zärtlichkeit und Vertrauen gedeihn.
Warst Soldat, um zu sterben, nicht um jung zu sein.
Vielleicht dachtest Du dir: Ich falle schon bald,
nehme mir mein Vergnügen, wie es kommt, mit Gewalt.
Dazu warst Du entschlossen, hast Dich aber dann
vor Dir selber geschämt, und es doch nie getan.

Viele haben es aber doch getan. In der Champagne, vor Stalingrad, im Kosovo und wohl auch noch in Afghanistan.
Und ihre Söhne und Enkel und Urenkel wissen auch heute noch nicht die Grenze. Und dass ich Liebe ( auch in der auf Sex reduzierten Form) NIE mit Gewalt bekomme, nie mit Macht, mit Druck oder irgendwelcher Form der Erniedrigung.
#aufschrei ist auch nötig gegenüber der Fast-Food-Instantisierung dieses großartigen Geschenks namens Erotik und Sexualität! Was geht uns verloren, wenn wir es unter Leistungsdruck( "ich muss es ihr bringen!") und Orgamuszwang ("ich spiel ihn ihm vor, damit er sich bestätigt fühlt") und der jahrhunderteschweren Verklemmtheit verklemmen. Ja ich grabsche ( nein streichle) höchst gern den Busen meiner Liebsten und sie zeigt mir, dass sie es geniesst. ( und wir machen und tun noch ganz andere Sachen, die uns beide Freude machen, weil wir uns beide autonom dafür entscheiden!) Aber es ist unsere intime Beziehung, die auf gleicher Augenhöhe besteht. Wir machen Liebe so viel und so oft sich irgendwie die Gelegenheit gibt, mit # aufschrei-en der anderen, der lebensfüllenden, die Autenthizität kräftigenden Art.

Es wird zu wenig gestreichelt, zu wenig in intimer geschützter Umgebung Begierde ausgelebt, geschaut, gegrabscht und dirty getalkt von Menschen, die sich darauf einigen, das und was ihnen Lust bringt.
Schlafzimmer in Not! Der Bestseller "Ehe, Sex und Liebesmüh" (www.bit.ly/Liebesmueh) weiss neben vielen Sonnenseiten, auch über die Schatten dokumentarisch zu berichten: die Sprachlosigkeit, die Traurigkeit, Angst und Frustration, dort wo Lust und Lebenskraft sein könnte.

Ich sehe keine zeitliche oder thematische Priorität, zwischen der aktuellen #aufschrei- Kampagne und den von mir genannten Gedanken einer im Neoliberalismus ebenso wie in einer verklemmten realsozialistischen Gesellschaft verschütteten BEFREITEN Sexualität. Aber beides gehört - so meine und hoffe ich - zusammen gedacht!
17:40 26.01.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

MathisOberhof

Autor des Buches : REFUGEES WELCOME - Geschichte einer gelungenen Integration - So können Sie Flüchtlingen helfen - Ein Mutmachbuch", verh., 3 Söhne,
Schreiber 0 Leser 4
MathisOberhof

Kommentare