"Willkommen bei den Hartmanns" ein Glücksfall

Flüchtling aufnehmen „Die Flüchtlingskrise als Komödie? Ja, das geht. Der erfolgreichste deutsche KinoFilm aus 2016 hatte bisher 2,8 Mio. Besucher
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„Die Flüchtlingskrise als Komödie? Ja, das geht." So formulierte es die Berliner Morgenpost.

Es geht um den Film von Simon Verhoeven: "Willkommen bei den Hartmanns!" Für mich der wichtigste politische Film der letzten Jahre.

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Und auch viele andere Zeitungen sind voll des Lobes, wie man dem am Schluss des Textes stehenden Presseecho entnehmen kann.

Mit 2,8 Millionen Besuchern (in nur zwei Monaten!) ist dieser Film - obwohl er erst Kinostart am 1. November des Jahres hatte, der erfolgreichste deutsche Kinofilm des Jahres 2016 überhaupt.

Ich war gespannt wie ein Flitzebogen auf den Film, der ein Thema aufgreift, dass für die Auseinandersetzung um die Frage “schaffen wir das?“, "Sind die Flüchtlinge eine Bedrohung oder eine Bereicherung?" von eminente Bedeutung ist: der Aufnahme eines Flüchtlings in der eigenen Familie.

Noch gibt es keine Statistiken, noch gibt es keine einheitlichen Standards und vor allem, was fehlt ist staatlich subventioniertes Coaching für die zehntausenden von Familien, die spontan so gehandelt haben wie die Familie Hartmann.

Für diesen Film gilt das Goethe Wort: „wer sich nicht selbst zum besten halten kann, gehört gewiss nicht zu den besten!“

Es darf gelacht werden. Alle Gruppen bekommen ihr Fett ab: die empathische ehemalige Schuldirektorin Frau Hartmann (Senta Berger) wie auch ihre Happy Freundin (dargestellt durch Ulrike Kriener). Pegida Demonstranten werden veralbert, genauso wie die sogenannte „Antifa“, die Antiterroreinheit des Verfassungsschutzes ebenso wie die Lehrer von Frau Hartmanns Enkel 12-jährigem Basti.

https://mathisoberhof.files.wordpress.com/2017/01/transpi.jpg?w=1496Überhaupt Basti. Er ist der einzige in der Familie, der den Nigerianer Diallo auf gleicher Augenhöhe ernst nimmt. Und so gehört die Erzählung von Diallos Fluchtgeschichte, seine Erlebnisse mit der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram zu den ernstesten Momenten des ganzen Films.

Es gibt eigentlich nur zwei Protagonisten, die in dem Film nicht oder kaum satirisch verfremdet werden: das ist der Leiter der Flüchtlingsunterkunft, Herr Bader und Diallo selbst.https://mathisoberhof.files.wordpress.com/2017/01/diallo.jpg?w=1496

Für mich war die Botschaft des Films, so subtil sie auch transportiert worden sein mag: Diallo bringt die verfeindeten Gruppen der deutschen Familie wieder zusammen.

Oberarzt Dr. Hartmann kann sich aus seiner Arbeitssucht befreien, Manager Sohn Philipp steigt aus dem Hamsterrad des Global Players aus und kümmert sich um seinen 12-jährigen Sohn und Tochte rSophie findet in Dr. Tarek (dargestellt durch Elyas M'Barek, Sohn eines tunesischen Vaters) endlich fürs Leben.

Ein Film zum Lachen, dass das Zwerchfell weh tut. Und dennoch ein Film voller Ernsthaftigkeit und Empathie, der sachlich das für und Wider der Grenzöffnung und der Willkommenskultur erörtert. Dass ausgerechnet dieser Film der mit Abstand erfolgreichste deutsche Kinofilm des Jahres 2016 wurde, macht der große Hoffnung.

Denn auch dieser Zuspruch zeigt mir erneut: nicht diejenigen, die hetzen und hassen, die Flüchtlingsheime anzünden und Gewalt predigen, sondern jene die mit all ihren Macken und Verrücktheiten ihr Herz öffnen, sie sind die Mehrheit in diesem Land.

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Der Film erhielt von Kritikern positive, aber auch kritische Bewertungen. Er erreichte am ersten Wochenende im November den (bis dahin) „besten Start“ einer deutschen Kinoproduktion im Jahr 2016. Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete den Film als „charmant und lustig.“ Die Komödie funktioniere, weil sie eine „Typenkomödie im besten Sinne“ sei, „eine, die jeden ihrer Typen liebevoll aufs Korn nimmt. Die Pegida-Paranoiker, die vor der Villa mit Mini-Fackeln ‚Si-cher-heit!‘ skandieren, genauso wie die Alt-68erin, deren enthemmte Willkommensparty für Diallo die Polizei anrücken lässt... "

Der Focus meinte: „Mit Willkommen bei den Hartmanns ist Simon Verhoeven und seinem Team eine deutsche Komödie gelungen, die ein brandaktuelles Thema aufgreift. Eine Art Pflichtfilm zum aktuellen Stand der deutschen Gesellschaft. Und wer jetzt das Gesicht verzieht, dem sei auch das versprochen: Garantiert lange nicht mehr so im Kino gelacht!!

Die Filmwebsite Cinema fand, dass Willkommen bei den Hartmanns ein wichtiger Film sei, der genau zur richtigen Zeit komme: „In angespannter Lage sorgt dieser wunderbar geschriebene Film für ein befreiendes Lachen.“

Antje Wessels schrieb auf der Filmwebsite Filmstarts.de: „(...) so ist Willkommen bei den Hartmanns weder ein naives ‚Refugees Welcome‘-Märchen noch eine ängsteschürende Polemik, sondern eine kritische Bestandsaufnahme voller Humor und Mitgefühl. (...) Fazit: Regisseur Simon Verhoeven beleuchtet das schwierige Thema Flüchtlingskrise in seiner Tragikomödie (...) auf facettenreiche und verständnisfördernde Weise: ein Film zum Lachen, Weinen und Nachdenken.“

Deutschlandradio Kultur erklärte ihn „zum besten deutschen Kino [des] Jahres“ und lobte besonders die Regiearbeit: „Simon Verhoeven, Sohn von Senta Berger und Regisseur Michael Verhoeven, hat einen klugen, amüsanten und kitschfreien Film gedreht mit einem Gespür für starke Pointen, hat die Balance zwischen Überzeichnung und Betroffenheit punktgenau hinbekommen – mit einem hervorragenden Ensemble.“

Die Berliner Morgenpost schrieb am 2. November 2016: „Die Flüchtlingskrise als Komödie? Ja, das geht. Simon Verhoeven beweist es mit seinem neuen Film. Und seine Stars spielen mit Lust mit.“ und fügte hinzu: „Willkommen bei den Hartmanns ist so etwas wie der Film zur Lage der Nation und kommt genau zur richtigen Zeit.“

Die Münchner Abendzeitung erklärte in ihrer Kritik zum Film: „Selten hat man so witzige Dialoge in einem deutschen Film gehört. Dabei werden alle Seiten aufs Korn genommen: Helfer, Nazis, Flüchtlinge. Verhoevens Film verzichtet weitgehend auf moralische Wertungen und setzt auf eine Leichtigkeit, die in weiten Teilen der politischen Auseinandersetzung schon lange verloren gegangen ist.“ Zusammenfassend erklärt sie den Film als „temporeiche und bis in die Nebenrollen fantastisch besetzte Komödie.“[13] In einem früheren Artikel vom 31. Oktober 2016 sagt die Zeitung, der Film sei „die beste deutsche Komödie des Jahres“

Und der Trailer: und viele Filmausschnitte: https://www.youtube.com/watch?v=Epskje-Nkdo

17:02 01.01.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

MathisOberhof

Autor des Buches : REFUGEES WELCOME - Geschichte einer gelungenen Integration - So können Sie Flüchtlingen helfen - Ein Mutmachbuch", verh., 3 Söhne,
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MathisOberhof

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