Die überhörte Drohung

Türkei/Deutschland Dass Sevim Dağdelen (die Linke) ein großes Mitteilungsbedürfnis hat, ist geläufig. Nun gibt eine angebliche Aussage des türkischen Innenministers Soylu Rätsel auf.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Eingebetteter MedieninhaltNachdem Angela Merkel (CDU) auf einer Plenarsitzung des Bundestags am 9.3 mit ihrer Regierungserklärung zum Europäisch-Türkischen Verhältnis und dem damit verbundenen Rundumschlag gegen Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan fertig war, trat Sevim Dağdelen (die Linke) ans Rednerpult. Für ihre Rüge gegen die Bundeskanzlerin wurde sie seitens der Linken gefeiert. Eine angebliche Äußerung des türkischen Innenministers Süleyman Soylu, welche augenscheinlich von allen Anwesenden überhört wurde, wirft Fragen auf.


Mit ungewöhnlich scharfen Worten wurde die Kanzlerin von der Abgeordneten Dağdelen dazu aufgefordert, der Opposition Gehör zu schenken, anstatt sich aus dem Plenarsaal zu entfernen.

"Verehrter Herr Präsident! Frau Bundeskanzlerin! Ich sehe: Wenn die Opposition spricht, geht Frau Kanzlerin. Sie könnten der Opposition hier ruhig zuhören, Frau Kanzlerin. Werte Kolleginnen und Kollegen, wenn die Koalition schon so viel Redezeit hat und die Opposition so wenig, dann ist das ja wohl nicht zu viel verlangt."

Nachdem Sevim Dağdelen ihre Rüge gegen die Bundeskanzlerin beendet hatte, setzte diese sich widerwillig in die hintere Reihe der CDU/CSU Fraktion und lauschte der Parlamentarierin.

Was die Abgeordnete Dağdelen im weiteren Verlauf ihrer Rede zu berichten hatte, klang schier unglaublich.

"Meine Damen und Herren, wir stehen vor einer neuen Runde der Eskalation durch den türkischen Staatspräsidenten Erdogan und seine Helfershelfer. Gestern hat der türkische Innenminister Süleyman Soylu auf einer Kundgebung politische Morde an Andersdenkenden in Deutschland angekündigt; ja, er hat sie sogar als Wahlversprechen abgegeben. Wenn es auch nicht jedem in diesem Hause klar ist: Damit werden auch deutsche Abgeordnete zur Zielscheibe der Mordansagen aus Ankara. Die Gewaltpolitik aus Ankara muss in Deutschland endlich ernst genommen werden."

Woher die Beauftragte der Fraktion für Migration und Integration ihre Informationen bezog, blieb offen. Nach einer Anfrage an das Berliner Büro der Linken Politikerin, kann deren Büroleiter Uwe Stegemann die Aussagen der Abgeordneten "weder bestätigen, noch dementieren.“


Angesichts der Schwere der Vorwürfe bleibt die Frage, warum sich niemand innerhalb der Regierung für die Behauptung Dağdelen's zu interessieren scheint.

Legt man kein Gewicht in das Wort der Politikerin, da diese ein offenkundiges Faible dafür hat, nichts unkommentiert zu lassen und Tatsachen mitunter zu überspitzen, oder nimmt man sie per se nicht ernst?

16:02 23.03.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare 5

Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Der Kommentar wurde versteckt