Zu Lutz Herden: Oligarch und Oberpatriot

Meerenge von Kertsch Das Recht auf freie Durchfahrt durch die Meerenge von Kertsch gemäß dem Kooperationsvertrag von 2003 wird in dem Artikel gar nicht erwähnt.
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Ich habe in der Vergangenheit immer wieder gerne Artikel von Lutz Herden gelesen und den Eindruck gewonnen, dass er kenntnisreich und unverkrampft zu Geschehnissen und Problemen Stellung nahm. Für mich hatte ich immer wieder den Eindruck, dass die Lektüre gewinnbringend und erhellend war und dass wichtige Aspekte des Geschehens beleuchtet wurden.

Umso mehr war ich nun enttäuscht, als ich den Artikel "Oligarch und Oberpatriot" las. Herr Herden stellt die Situation so dar, als sei die Ukraine hier Provokateur, die "einen Kurswechsel einleitet".

Dabei scheint die Situation für den unvoreingenommenen Beobachter so zu sein, dass Russland eine Eskalation eingeleitet hat. Die Ukraine ist auf die Durchfahrt durch die Meerenge angewiesen, um die Schiffahrtswege zu den an das asowsche Meer angrenzenden Landesteilen aufrecht erhalten zu können. Es gibt einen Kooperationsvertrag zwischen Russland und der Ukraine von 2003, in dem beide Seiten die freie Durchfahrt der Schiffe durch die Meerenge vereinbart haben. Es ist nicht zu erkennen, wieso die Ukraine nun ein Interesse daran haben sollte, diese vertragliche Regelung durch ihr Agieren in Frage zu stellen.

Ohne diese Situation näher zu beleuchten nimmt Herr Herden in einer Weise Stellung, die den Eindruck erweckt, dass er sich zum Sprecher der Machtinteressen Russlands macht. Er geht auf den Kooperationsvertrag mit keinem Wort ein.

Dass Petro Poroschenko möglicherweise eigene Interessen hat, den Konflikt hochzukochen ändert nichts daran, dass es nun die Russen waren, die den ukrainischen Schiffen vertragswidrig offenbar die Durchfahrt durch die Meerenge verweigerten. Herr Herden liefert auch keinerlei Hinweise, dass es berechtigte Gründe für Russland gegeben haben könnte, das Durchfahrtrecht nicht zu respektieren.

Es bleibt für mich der Eindruck hängen, dass Herr Herden offenbar keine unvoreingenommene Haltung gegenüber Russland einnimmt, sodass ich seine Bewertungen in Zukunft mit Skepsis zur Kenntnis nehmen werde.

20:54 02.12.2018
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