Für bezahlbare Mieten

Mietenmove Tausende gehen auf die Straße
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Für bezahlbare Mieten auf die Straße gehen. Am Samstag, den 2. Juni ist es soweit. Hamburg demonstriert für bezahlbaren Wohnraum und eine sozialere Wohnraumpolitik.

Bereits Anfang der Woche versammelten sich Mitglieder verschiedener Initiativen zur gemeinsamen Aktion gegen Mietwucher und Abzocke. Unter dem Motto: "Betongold gegen Mietwucher" stapelten die Aktivist*innen Kisten aus Dekopapier meterhoch und versperrten damit den Eingang zur Augustenpassage, ein Gebäudekomplex im Besitz der schwedischen Akelius-Gruppe, die in Hamburg seit Jahren ganze Straßenzüge aufkauft und in zentralen Lagen Mieten in Höhe von bis zu 30 Euro pro Quadratmeter verlangt.

Betongold gegen Mietwucher

Die von der Bundesregierung 2015 beschlossene "Mietpreisbremse" enthalte zu viele Lücken und sei wirkungslos. Man brauche wirksamere Instrumente, damit das Wohnen in der Stadt nicht zum Privileg für Menschen mit hohem Einkommen wird" erklärt eine Sprecherin der Initiative "Pro Wohnen Ottensen".

Andere fordern, den Ausverkauf der Stadt zu beenden. Grundstücke und Immobilien dürften nur noch in Erbpacht vergeben und Spekulation mit Flächen müssten unterbunden werden.

Marco Alexander Hosemann, aktiv beim City-Hof e.V., sagt dazu:

"Mit der Privatisierung der letzten öffentlichen Liegenschaften verkauft der Senat die zukünftige Handlungsfähigkeit der Stadt und mit ihrer Vergabe an profitorientierte Investoren fördert er die Verdrängung der Bewohner*innen. Der Ausverkauf unserer Stadt muss beendet, Grundstücke und Immobilien nur noch in Erbpacht vergeben und die Spekulation mit Flächen unterbunden werden."

Marc Meyer, Rechtsanwalt und aktiv bei "Mieter helfen Mietern" fordert zudem, den §5 des Wirtschaftsstrafgesetzes zu "reparieren", wie er es nennt.

Mietpreisbremse wirksamer machen

Dies würde all zu horende Mietpreiserhöhungen bei Neuvermietungen eindämmen, weil dann auch in die Berechnung der ortsüblichen Vergleichsmieten für den Mietenspiegel auch diejenigen Mieten mit einfließen, die sich NICHT erhöht wurden. Zudem dürften Modernisierungskosten nicht länger vollständig auf die Miete umgelegt werden, so der Anwalt im Gespräch während der Aktion vor dem Akelius-Gebäude.

https://www.sat1regional.de/mietenmove-hamburger-initiativen-rufen-zur-teilnahme-am-2-juni-auf/

Krake Akelius

Beispiel Akelius - und exemplarisch für horrende Mietpreissteigerungen bei Neuvermietungen in Altbauten ist eine Wohnung in der Wohlwillstraße auf St. Pauli. Laut Anzeige bei ImmobilienScout 24 kostete diese Wohnung vor zwei Jahren, im März 2015, noch 11,40 Euro pro Quadratmeter. Nun wird die 62 Qua­dratmeter große Wohnung für eine Nettokaltmiete von 1210 Euro angeboten. "19,52 Euro pro Quadratmeter für eine Dreizimmerwohnung auf St. Pauli – das schlägt dem Fass den Boden aus", sagt Eve Raatschen vom Verein "Mieter helfen Mietern". Für Nebenkosten fallen weitere 150 Euro im Monat an. In der Wohnung in der Wohlwillstraße (Baujahr 1900) gibt es nach der Modernisierung eine neue Einbauküche. Ein Balkon sei "in Planung", heißt es.

+++ Unternehmen Akelius "ist wie eine Krake" +++

Vermieter ist das schwedische Immobilienunternehmen Akelius, das in Hamburg rund 4000 Wohnungen besitzen soll. "Wir beobachten das Treiben von Akelius schon seit ungefähr zehn Jahren, und es wird von Jahr zu Jahr schlimmer", sagt Eve Raatschen. "Die sind wie eine Krake, die sich über die Stadt ausbreitet. Sie kaufen Altbauten auf St. Pauli und in St. Georg, im Schanzenviertel, in Eimsbüttel und in Barmbek-Süd."

"Diese Wohnungen würden saniert", fügt die Juristin hinzu. "Und bei den Neuvermietungen sind dann Quadratmeter-Mieten von 17, 18 Euro nichts Ungewöhnliches." Auf eine Abendblatt-Anfrage reagierte das Unternehmen Akelius nicht. "Wir haben auch immer mehr Bestandsmieter, die sich über den Vermieter aus Schweden beklagen", sagt Raatschen. Ein Beispiel sei ein Mieter am Hans-Albers-Platz, der nach einem Wasserrohrbruch seit zwei Wochen auf eine Reaktion von Akelius wartet. "In der Beckstraße hat ein Mieter ein halbes Jahr lang die Toilette seines Nachbarn mitbenutzen müssen, weil Akelius den Schaden nicht repariert hat."

https://www.abendblatt.de/hamburg/article210764715/Hamburgs-Mieter-muessen-noch-besser-geschuetzt-werden.html

\\\ Aufruf 2. Juni ///

Mehr als 100 Initiativen sozialer Zentren und Organisationen wollen die dramatische Entwicklung im Wohnungsmarkt nicht länger hinnehmen und mobilisieren für Samstag, den 2. Juni zur Teilnahme am MIETENMOVE, eine Demonstration für eine solidarische und soziale Wohnraumpolitik.

Ab 13 Uhr gehts los. Treffpunkt ist am Spielbudenplatz. Über Jungfernstieg und Hauptbahnhof ziehen die Teilnehmer der Demo dann bis vor die Cityhof-Hochhäuser am Klosterwall, wo eine Abschlusskundgebung mit zahlreichen Rede- und Musikbeiträgen zu erwarten ist.

Kamera und Bericht: Max Bryan | www.maxbryandiary.com

Route: Reeperbahn (Höhe Spielbudenplatz 13 Uhr) - Millerntorplatz - Budapester Str. - Arrivati Park - Neuer Kamp - Feldstr. - Sievekingplatz - Johannes Brahms Platz - Dragonerstall - Valentinskamp - Gänsemarkt - Jungfernstieg - Rathausmarkt - Mönckebergstr. - Steintorwall - Klosterwall - Abschluss am City Hof (Klosterwall 6) ca. 16.30 bis 17.30 Uhr) - je nach Ankunft.

--- 2. Juni 2018 / 13 Uhr / Spielbudenplatz ---

Demonstration für eine solidarische und soziale Wohnraumpolitik

www.mietenmove.org

Auch unsere kleine Bürgerinitiative ist mit dabei und als Gastredner halte ich eine kleine Rede zum Thema "Wohnungsmelder", Obdachlose und "Sommernotprogramm". Kommt alle hin, Flagge zeigen für eine solidarische Wohnraumpolitik.

http://mietenmove.org/unterzeichnerinnen/

Max Bryan für www.hamburger-obdachlose.de

Freunde einladen: https://www.facebook.com/events/217989232306193/

10:39 02.06.2018
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Geschrieben von

Max Bryan

Blogger & Bürgerreporter | Gesellschaft & Soziales
Max Bryan

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