Ein Platz An Der Sonne

Musik Mit ihrem Kollaboprojekt BSMG bringen Megaloh, Musa und Ghanaian Stallion eine oft vernachlässigte Perspektive in die deutsche Musikwelt ein: „A Black German Narrative“
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Die deutschen Rapper Megaloh, Musa und Ghanaian Stallion haben heute als BSMG ihr Kollaboalbum „Platz an der Sonne“ veröffentlicht. Mit Joy Denalane, Chima Ede, Amewu, Fonz und dem ugandische Sänger Maro liefern sie 18 heiße Tracks, die kulturelles Erbe, identitäre Suche, Diaspora-Erfahrungen und das Thema Heimat vereinen. Auch der Alltagsrassismus in Deutschland wird thematisiert und systemisch aufgezeigt, wo er herkommt und wie die ausbeuterischen Strukturen der Kolonialgeschichte noch heute das Weltgeschehen beeinflussen.

Was die drei bewegt hat, die Platte in diesem Stil aufzunehmen, legen sie in ihrem Video „A Black German Narrative“ ausführlich dar: So geht ihnen zum Teil um persönliche Erfahrungen, zum Teil aber auch um eine geschichtliche Aufarbeitung. Sie wollen ein Stück weit ein Bewusstsein für eine Perspektive schaffen, die oft vergessen wird – von Menschen, die hier aufgewachsen sind und die hier leben. So schaffen sie zeitgemäße Musik, die zudem etwas zu bieten hat, was im Musikgeschäft heute leider viel zu selten gefunden werden kann: Eine Message.

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In Ihrem Track „Jesse Owens“ nehmen die drei Bezug auf den US-amerikanischen Leichtathlet James Cleveland „Jesse“ Owens, der während seiner aktiven Sportler-Laufbahn mehrere Weltrekorde errang. International bekannt wurde er durch seine erfolgreiche Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 1936 in Nazi-Deutschland. Mit vier Goldmedaillen (Erstplatzierung bei drei Sprintdisziplinen und beim Weitsprung) war er deren erfolgreichster Athlet und führte die Nazis damit international vor. Nachdem Hitler den Spielen erst ablehnend gegenüberstand, entschied er sich nach starkem Zureden sie als große Propagandashow zu inszenieren um der ganzen Welt die Übermacht des „arischen Deutschen“ vorzuführen.

Die bis dahin vergleichsweise bescheiden ausgetragenen Olympischen Sommerspiele wurden zu einem Großereignis stilisiert für das erstmals pompöse Austragungsorte errichtet wurden. Während die staatliche Diskriminierung von Juden und Andersdenkenden in Deutschland ihren ersten Höhepunkt erreichte und institutionell verankert wurde, wurden zur „Säuberung“ Berlins vor der Austragung der Spiele erstmals Konzentrationslager (zu Beginn vorwiegend für Sinti und Roma aus dem Stadtgebiet) eingeführt. Zeitgleich sollte die Welt herzlich in Nazi-Deutschland willkommen geheißen werden. Das Olympische Komitee war begeistert von den gigantischen Bauten und der erstmal pompösen Austragung der Spiele durch die Nazis. Die damit einhergehende und bis heute anhaltende politische Vereinnahmung wurde gerne in Kauf genommen.

Boykottbewegungen in aller Welt wurden ignoriert oder als vermeintlich jüdisch-kommunistische Verschwörung sogar bekämpft. So blieb es den einzelnen Sportler*innen überlassen, nach ihrem Gewissen zu entscheiden, ob sie bereit sind an Wettkämpfen in Sportanlagen teilzunehmen, an denen bis zum Beginn der Spiele ein Schild mit der Aufschrift „Hunde und Juden nicht erwünscht“ stand, das gleich nach den Spielen wieder angebracht wurde.

In diesem Klima der Ausgrenzung und politischen Vereinnahmung gelang es dem in den USA ebenfalls zutiefst rassistisch diskriminierten Jesse Owens den Medaillentraum des arischenÜbermenschen der Nazis zumindest auf der Laufbahn vor den Augen der ganzen Welt platzen zu lassen. In einem Stadium in dem zur Eröffnung der Spiele ein Meer zum Hitlergruß ausgestreckter Hände in die Luft gingen,wurde Owens mit vier Goldmedaillen (Erstplatzierung bei drei Sprintdisziplinen und beim Weitsprung) zum erfolgreichsten Athlet der Sommerspiele.

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Abzuwarten bleibt, ob BSMG dem selbstgewählten Vergleich standhält. Zu wünschen wäre es.

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Alle Infos unter www.bsmg.africa

09:25 22.09.2017
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Geschrieben von

Max Jansen

Max Jansen hat Soziologie, Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaften in Köln, Budapest und Beer Sheva studiert. Derzeit lebt er in Frankfurt.
Max Jansen

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