Düstere Zukunft

Jemen Hinter den aktuellen Auseinandersetzungen im Jemen stehen verschiedene Konflikte, die sich auf unterschiedlichen Ebenen abspielen. Ein Überblick
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community
Düstere Zukunft
Eine baldige Beilegung der Auseinandersetzungen scheint aus heutiger Perspektive in weiter Ferne zu liegen

Foto:  Mohammed Huwais/AFP/Getty Images

In der internationalen Berichterstattung wird der seit 2004 schwelende Konflikt im Jemen, der in den letzten Wochen wieder massiv eskalierte und das Land an die Grenze der größten Hungersnot, die die Welt seit vielen Jahrzehnten gesehen hat, treibt, häufig übergangen.

Wird er, wie aktuell aufgrund der drastischen Warnungen von UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock am vergangenen Freitag, erwähnt, wird der Konflikt zumeist als ein Stellvertreterkrieg zwischen den vom Iran unterstützten Ansar Allah (dt. ‚Helfer Gottes‘), besser bekannt unter dem Namen Huthi-Rebellen, und einer von Saudi-Arabien angeführten Militärallianz bestehend aus derzeit 9 vorwiegend arabischen Staaten dargestellt. In dieser Lesart erscheint der Jemen, ähnlich wie Syrien und derzeit zunehmend auch der Libanon, als einer der aktuellen Schauplätze des Kampfes zwischen Saudi-Arabien und dem Iran um die Vorherrschaft im Nahen Osten. Aufgrund der Tatsache, dass das saudische Königshaus sich häufig als Schutzmacht der sunnitischen Muslime in der Region darstellt, während sich der Iran als schiitischer Gottesstaat begreift, wird dem Konflikt zudem meist ein religiöser Charakter zugeschrieben.

Diese Lesarten ignorieren wesentliche Faktoren, die zum Ausbruch der Konfrontationen geführt haben und greifen damit zu kurz, um die Komplexität der Auseinandersetzungen verstehen zu können. Daher werde ich im Folgenden insbesondere auf die innerstaatlichen Problematiken, sowie einige grundlegende Informationen zum Jemen eingehen, ohne deren Kenntnis die Eskalation der letzten Jahre nicht verstanden, geschweige denn bearbeitet, oder gelöst werden kann.

Der Jemen – Charakteristika eines fragilen Staates

Der Jemen liegt im Südwesten der Arabischen Halbinsel und grenzt an das Rote Meer und den Golf von Aden im Westen und Süden, Saudi-Arabien im Norden und Oman im Osten, sowie Djibouti, Eritrea und Somalia auf der westlichen Seite der als Bab al-Mandab (dt. Tor der Tränen) bekannten Meerenge im Süden des Roten Meeres.

Diese Lage erklärt die enorme geostrategische Bedeutung des Jemen, da von dort aus der für den Öl- und Gasexport strategisch wichtige Seeweg zwischen dem Persischen Golf und dem Zugang zum Mittelmeer (durch den Suez-Kanal) kontrolliert werden kann. Auf Grund der Befürchtung, dass die vom Iran unterstützend Huthi-Rebellen durch die Kontrolle der strategisch wichtigen Häfen von Aden, Mocha und al-Hudaida den uneingeschränkten internationalen Seehandel beeinträchtigen könnten unterstützen die Vereinigten Staaten von Amerika, Frankreich und Großbritannien die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition logistisch. Nach einem Raketenbeschuss auf die saudische Hauptstadt Riad in der vergangenen Woche blockiert die saudisch geführte Koalition neben den Land- nun auch die See- und Luftwege in den Jemen. Dies veranlasste die Vereinten Nationen (UN) zu den eingangserwähnten Warnungen vor einer dramatischen Hungersnot, da derzeit auch humanitäre Hilfe keinen Zugang zum Jemen mehr hat.

Mit einer Fläche von etwa 500.000 km² ist der Jemen etwa so groß wie Spanien. Im Westen ist seine Geografie von Bergen und im Osten von Wüsten geprägt. Seine etwa 27 Millionen Einwohner*innen, von denen laut Schätzungen der UN aus der letzten Woche etwa 20 Millionen aufgrund des aktuellen Konfliktes auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, während 7 Millionen akut vom Hungertod bedroht sind, leben vorwiegend im Westen des Landes und sind stark von Stammesstrukturen geprägt. Zudem ist der Jemen ein relativ junges Land, das 1990 aus dem Zusammenschluss der vormals unabhängigen Arabischen Republik Jemen und der Demokratischen Volksrepublik Jemen geschaffen wurde. Als erster und bis zu seinem Machtverlust im Jahr 2011 einziger Präsident lenkte Ali Abdullah Saleh, der zuvor seit 1978 die Arabische Republik Jemen regierte, die Staatsgeschäfte des jungen Staates über 20 Jahre lang.

Etwa 99 Prozent der jemenitischen Bevölkerung sind Muslime. 60 Prozent davon Sunniten, die überwiegend in den Küstenregionen leben, während die gut 40 Prozent Schiiten besonders in den bergigen Regionen im Norden des Landes beheimatet sind und als Zaiditen einen gesonderten Zweig der Schiiten mit eigener Rechtsschule innerhalb der islamischen Glaubensgemeinschaft darstellen. Seit dem 9. Jahrhundert sind die Zaiditen vor allem im Jemen verwurzelt, wo ihre Imame bis 1962 ein eigenständiges Fürstentum im äußersten Norden des Landes, innerhalb des an der Grenze zu Saudi-Arabien liegenden Gouvernements Saada regierten.

Die zugrundeliegenden innerstaatlichen Konfliktlinien

Von hier ausgehend organisierten sich die nach ihrem vormaligen Führer bekannten Huthi-Rebellen, die eine weitergehende Autonomie für ihre Provinz fordern und sich durch die wirtschaftliche Ignoranz ihnen gegenüber, sowie die daraus resultierende, anhaltende Unterentwickelung seit den frühen Tagen der Republik Jemen in den 1960er Jahren benachteiligt fühlen.

Im Jahr 2004 erhoben sich die Huthis gegen die Regierung von Präsident Saleh, der selbst ein schiitischer Zaidit ist. Diesen betrachten sie als Handlanger der USA nachdem er sich ab 2001 zu deren internationalem Krieg gegen den Terror bekannt hatte und die Invasion des Irak unterstützte. Während die jemenitische Regierung und ihre späteren Verbündeten behaupten, die Huthis verfolgten die Absicht, die Regierung zu stürzen und ein schiitisches Rechtssystem einzuführen, behaupten die Rebellen, sie verteidigten ihre Gemeinschaft gegen Diskriminierung und Regierungsaggressionen.

Nachdem sich die jemenitische Regierung 1991 gegen den US-geführten und u.a. von Saudi-Arabien unterstützten Krieg gegen den Irak aussprach, litt das Land aufgrund der folgenden Sanktionen unter einer schweren Wirtschaftskrise. Daraufhin kam es 1994 zu einem erneuten Abspaltungsversuch des Südens, der in einen Bürgerkrieg mündete, den die Regierung in Saana schließlich für sich entscheiden könnte, nachdem Saudi-Arabien zu ihrer Unterstützung in den Konflikt eingriff.

Nachdem es Anfang 2010 zu einem vorläufigen, aber brüchigen Waffenstillstand zwischen den Huthis und der jemenitischen Regierung kam, wurde das Land gut ein Jahr später im Laufe des sogenannten „Arabischen Frühlings“ im Januar 2011 durch erneute Proteste im Süden erschüttert. Diese verliehen den Sezessionsbestrebungen der „Südlichen Bewegung“ neuen Aufwind, die bereits seit 2006 wiederaufgelebt waren. Sie speisen sich vor allem aus den traumatischen Erfahrungen des Bürgerkriegs von 1994, in dem die jemenitische Regierung mit Hilfe Saudi-Arabiens erste Unabhänigkeitsbestrebungen des Südens brutal niederschlug. Der Wunsch nach einer erneuten Unabhängigkeit des Südens lässt sich vor allem dadurch erklären, dass es seit der Zusammenführung der Staaten ein Machtungleichgewichtig zwischen dem bevölkerungsstarken Westen (hier leben etwa 5/6 der Jemenit*innen) und dem bevölkerungsschwächeren Südens gibt.

Ab Februar 2011 griffen die Proteste auch auf die Hauptstadt Sanaa und weiteren Städte über. Hier kam es regelmäßig zu großen Demonstrationen, bei denen zehntausende, vor allem junge Menschen, eine politische Öffnung und eine Besserung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse verlangten. Am 18. März 2011 feuerten Scharfschützen auf die Demonstrierenden in Sanaa und töteten dabei mindestens 50 Menschen. Dies befeuerte die Protestbewegung weiter, die vorerst friedlich blieb und bis dahin unabhängig von etablierten politischen Akteuren war. Als sich ihr nach und nach Teile der Regierung und des Militärs anschlossen, kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, bei denen Präsident Saleh selbst verletzt wurde, woraufhin dieser im November desselben Jahres schließlich einem vom Golfkooperationsrat (GCC) verhandelten Übergangsprozess zustimmt.

Saleh wurde gezwungen die politische Macht an seinen Stellvertreter Abed Rabbo Mansour al-Hadi abzutreten, der bei den Wahlen im Februar 2012 als Übergangspräsident im Amt bestätigt wurde. Weil an der neu geschaffenen Übergangsregierung allerdings weder die Demonstrierenden, noch die Huthis, die sich ebenfalls in einer frühen Phase den Protesten angeschlossen hatten, beteiligt wurden, bekundeten die heterogene „Südliche Bewegung“ und die Huthis bereits sehr früh ihre Opposition gegen den vom GCC verhandelte Transitionsprozess, sowie den Plan der Neugliederung des Jemen als eine Föderation aus sechs Regionen.

Der internationale Schleier

Durch die Konzentration der Regierung auf den Konflikt im Süden entstand im Norden ein Machtvakuum, dass die Huthis dazu nutzen ihren Einfluss auszuweiten. Das erneute Eingreifen der saudischen Armee im Kampf gegen sie ab 2009 fügte dem Konflikt die heute bekannte und zumeist ausschließlich betrachtete internationale Dimension hinzu. Die Huthis sehen dabei die sunnistisch-wahhabitische Regierung Saudi-Arabiens als Unterstützerin salafistischer Extremisten, die ebenfalls seit 2010 in den nördlichen Gebieten des Jemen aktiv sind und dort gegen die Huthis kämpfen.

Nachdem die Huthis zunehmende Geländegewinne verzeichnen konnten und seit 2015 die de facto Machthaber in dem Land sind, kam es zu einer großangelegten Intervention einer von Saudi-Arabien angeführten Militärallianz, der neben Saudi-Arabien Ägypten, Bahrain, Katar (bis Juni 2017), Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate, Jordanien, Marokko, Sudan und der Senegal angehören.

Die Opposition gegenüber der seit jeher bestehenden Dominanz der jemenitischen Politik durch Saudi-Arabien und dessen Nähe zu den USA, sowie Israel erklärt die Flagge der Huthi-Rebellen, die von mehrere Versen geziert wird, die übersetzt so viel bedeuten wie

Gott ist groß - Tod den USA - Tod Israel - Verdammt seien die Juden - Sieg dem Islam

Das Eingreifen der Allianz um Saudi-Arabien überdeckt also den ursprünglich eher lokalen, nicht konfessionellen Stammeskonflikt im Norden, sowie den anhaltenden Konflikt um die Sezessionsbestrebungen im Süden des Landes. In beiden Fällen sind die Konflikte vor allem durch den Wunsch nach größerer politischer Autonomie und eine Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage motiviert.

Der Konflikt im Jemen spielt sich also sowohl auf einer zwischen-, als auch auf einer innerstaatlichen Ebene ab. Dabei unterscheiden sich die Konfliktcharakteristika auf nationaler, wie internationaler Ebene allerdings nur geringfügig. Hinzu kommt, dass djihadistische sunnitische Gruppen das jahrelange Chaos im Jemen ausnutzen um dort seit März 2015 Fuß zu fassen. So kontrolliert Al-Qaida (in the Arabian Peninsula, AQAP) oder auch Ansar al-Sharia bereits seit längerem große Teile der südlichen Küstenstreifen und besitzt damit eine operative Basis in der Region. Auch der mit Al-Qaida konkurrierende sogenannte Islamische Staat (IS) hat seine Aktionen im Jemen intensiviert, seitdem er in seinen ehemaligen Hochburgen in Syrien und dem Irak zunehmend unter Druck gerät.

Die (Un-)Möglichkeiten der Vermittlung

Zu Beginn des Konflikts im Jemen trat insbesondere der Golfkooperationsrat (GCC), dem die Staaten Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien und die Vereinigte Arabische Emirate angehören, in einer Vermittlerfunktion auf. Sie sicherten dem damaligen Präsident Saleh und seiner Familie lebenslange Immunität und Straffreiheit zu und bewegten ihn damit zu einem Einlenken und der friedlichen Machtübergabe an seinen Stellvertreter Hadi. Dieser Übergangsprozess wurde von den USA und den Vereinten Nationen begrüßt. Bezogen auf den innerstaatlichen Konflikt im Jemen konnte der GCC als Vermittlerin auftreten und zumindest potenziell zu einer Entspannung der Lage beitragen. Da es Hadi im Laufe seiner Präsidentschaft allerdings weder gelang den zunehmenden Terror von Seiten der sunnitischen al-Qaida und dem sogenannten Islamischer Staat (IS) Einhalt zu bieten, noch die verfeindeten Parteien im Land zusammenbringen und sich außerdem der Mangel an Rechtsstaatlichkeit, sowie die grassierende Korruption und die marode Wirtschaftslage weiter verschlechterten, kam es wie oben beschrieben zu einer weiteren Eskalation der Lage.

Mit dem militärischen Eingreifen der saudisch geführten Allianz auf Seiten des Präsidenten Hadi verlagerte sich der Konflikt wie eingangs beschrieben auf eine internationale Ebene. In diesem Kontext kann der GCC nicht länger als sinnvolles Vermittlungsgremium angesehen werden, da er als Reaktion auf die regionalen Unruhen im Zuge der Islamische Revolution im Iran und den Ersten Golfkrieg gegründet wurde und seit seiner Gründung unter der Dominanz Saudi-Arabiens steht. Somit muss er also im Kontext des Stellvertreterkriegs zwischen Saudi-Arabien und dem Iran als unzureichende Institution zur Konfliktbeilegung angesehen werden.

Seit der Verlagerung des Konfliktes auf die internationale Ebene fällt insbesondere der UN eine wesentliche Rolle für die Konfliktbeilegung im Jemen zu. Im April 2016 haben sich die Kriegsparteien auf einen von der UN vermittelten Waffenstillstand geeinigt, lieferten sich allerdings bis unmittelbar vor dessen Beginn weiterhin schwere Gefechte. Außerdem haben sie sich auf Friedensgesprächen unter der Schirmherrschaft der UN in Kuweit verständigt. Die Verhandlungen zogen sich über drei Monate und wurden von den Huthis als so zäh empfunden, dass diese sich schließlich dazu entschlossen, zu verkünden, der Jemen befinde sich fortan unter der Kontrolle eines Rates, in dem Hadi und seine Vertrauten nicht vorgesehen seien. Daraufhin wurden die Gespräche ausgesetzt und die arabische Koalition um Saudi-Arabien nahm die Luftangriffe gegen die Huthis wieder auf. Somit müssen auch diese Versuche vorerst als gescheitert angesehen werden.

Angesichts der erneuten Eskalation des Konflikts, sowie der Blockade sämtlicher Land-, Luft- und Seewege in den Jemen seit der vergangenen Woche und der deshalb drohenden humanitären Krise in dem Land reiste Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am vergangenen Freitag überraschend nach Riad um mit dem saudischen Kronprinzen über eine Lockerung der Blockade, die wieder humanitäre Hilfe in das Land lassen würde, sowie eine Beilegung des Konfliktes zu sprechen. Auch wenn der Iran Gespräche über den Beschuss der saudischen Hauptstadt mit einer iranischen Rakete am vergangenen Freitag durch die Huthis, die die Blockade seitens der saudischen Allianz ausgelöst hatte, bisher ablehnt, sollten alle beteiligten Akteure weiterhin auf Friedensverhandlungen unter dem Dach der UN hinwirken. Die Auseinandersetzungen der letzten Monate haben gezeigt, dass eine militärische Lösung des Konflikts weder wünschenswert noch realistisch ist. Anlässlich derartiger Friedensgespräche sollte auch die deutsche Bundesregierung ihre Praxis der Rüstungsexporte an Saudi-Arabien und seine Verbündeten überdenken.

Ein düsteres Szenario

Der Jemen befindet sich heute also in einer hochkomplexen politischen Lage, die zum einen durch einen Konflikt zwischen rivalisierenden Stammesgesellschaften und sozialen Bewegungen auf der einen Seite, sowie einem schwachen Staat auf der anderen bestimmt ist. Zudem ist der Konflikt durch die Präsenz djihadistischer Gruppen und der regionalen Rivalität zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, sowie zwischen Sunniten und Schiiten geprägt. Somit verlaufen im Jemen derzeit mehrere Konfliktlinien auf verschiedenen Ebenen und mit unterschiedlichen Konfliktgegenständen, die weit über die Grenzen des Landes hinausgehen.

Da mit der steigenden Komplexität eines Konflikts auch die Anforderungen an mögliche Regelungskapazitäten steigen und sich zudem anhand des massiven Einsatzes von direkter Gewalt ein hoher Intensitätsgrad des Konfliktaustrags feststellen lässt, erscheint eine baldige Beilegung der Auseinandersetzungen aus heutiger Perspektive in weiter Ferne zu liegen.

Insbesondere die nachträglich ausgesprochene Unterstützung der iranischen Führung für den Raketenangriff der Huthis gegen die saudische Hauptstadt Riad in der vergangenen Woche, den der saudische Kronprinz Mohammad bin Salman als einen „kriegerischen Akt“ des Iran gegen sein Land bezeichnete, sowie die uneingeschränkte Unterstützung der USA für das Vorgehen der von Saudi-Arabien geführten Militärallianz lassen ein düsteres Szenario für den Jemen erahnen. Dem Konflikt werden durch die drohende Hungersnot in den nächsten Wochen und Monaten vermutlich hunderttausende bis Millionen weiterer Zivilist*innen zum Opfer fallen.

Angesichts dieser eklatanten Lage werden sich Europas Staats- und Regierungschefs die Frage gefallen lassen müssen, ob sie nur deshalb so lange wegguckt haben, weil die vom jemenitischen Bürgerkrieg betroffenen Menschen keine Chance haben, an europäischen Küste angespült zu werden, sondern stattdessen fernab unserer Augen dem sicheren Hungertod ausgeliefert sind. Für die Menschen im Jemen endet die Flucht nicht erst entlang der militarisierten Außengrenzen Europas im Mittelmeer. Hier wurde die Grenze durch den Bau eines Zauns entlang weiter Teile der rund 9000 Kilometer langen Grenze zwischen Saudi-Arabien und dem Jemen, an dessen Bau auch europäische Unternehmen im großen Stil mitverdienen, bereits weit vorverlagert.

----------------------------

Quellen:

Acaps (2015): Yemen - Escalation of Conflict, https://www.acaps.org/sites/acaps/files/products/files/yemen_bn_april_2015.pdf (Aufgerufen 14.11.2017).

Acaps (2015): Yemen - Food Security and Nutrition, https://www.acaps.org/sites/acaps/files/products/files/20170327_acaps_briefing_note_yemen_famine.pdf (Aufgerufen 14.11.2017).

Aljazeera (2017): Saudi-Iran proxy wars: In pursuit of regional hegemony, http://www.aljazeera.com/news/2017/11/saudi-iran-proxy-wars-pursuit-regional-hegemony-171113110353492.html (Aufgerufen 14.11.2017).

Aljazeera (2017): No end in sight for Yemen war: Warring sides exchange accusations, http://www.aljazeera.com/news/2017/10/sight-yemen-war-warring-sides-exchange-accusations-171030083425234.html (Aufgerufen 14.11.2017).

Aljazeera (2017): Saudi coalition bombs Houthi defence ministry in Yemen, http://www.aljazeera.com/news/2017/11/saudi-coalition-bombs-houthi-defence-ministry-yemen-171111074444835.html (Aufgerufen 14.11.2017).

Aljazeera (2017): Iran rejects Macron's call for talks on missile issue, http://www.aljazeera.com/news/2017/11/iran-rejects-macron-call-talks-missile-issue-171112073725228.html (Aufgerufen 14.11.2017).

Aljazeera (2017): Will Lebanon become Saudi's next Yemen, http://www.aljazeera.com/indepth/opinion/lebanon-saudi-yemen-171112115648693.html (Aufgerufen 14.11.2017).

Aljazeera (2017): Why the United States will never leave Yemen, http://www.aljazeera.com/news/2017/11/united-states-leave-yemen-171112191346249.html (Aufgerufen 14.11.2017).

Aljazeera (2017): Saudi blockade of Yemen humanitarian access worries UN, http://www.aljazeera.com/news/2017/11/saudi-blockade-yemen-humanitarian-access-worries-171107124631291.html (Aufgerufen 14.11.2017).

BBCnews: Deadly blast strikes Yemen mosque, http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/7379929.stm (Aufgerufen 14.11.2017).

Brandt, M. (2014). Iqlim Sa‘da wa 1-Jawf Das problematische Erbe einer möglichen föderalen Provinz. Jemen—Report Jg. 45/2014, Heft 1/2. 32-39.

Carapico, S. (2011). No Exit: Yemen's Existential Crisis. Middle East Report Online, 1. http://www.merip.org/mero/mero0503_1_1-1?ip_login_no_cache=c067e68e6d4022f8df48099d29e9c1f3#_4_ (Aufgerufen 14.11.2017).

Dahlgren, S. (2010): The Snake with a Thousand Heads. Middle East Report 256, Vol. 40 (Fall 2010), http://www.merip.org/mer/mer256/snake-thousand-heads#_1%20_ (Aufgerufen 14.11.2017).

Day, S. W. (2012). Regionalism and rebellion in Yemen: A troubled national union (Vol. 37). Cambridge University Press.

Deutsche Welle (2017): Fast jedes Kind im Jemen braucht Hilfe, http://www.dw.com/de/fast-jedes-kind-im-jemen-braucht-hilfe/a-41080180 (Aufgerufen 14.11.2017).

Deutsche Welle (2017): Der in Vergessenheit geratene Bürgerkrieg, http://www.deutschlandfunk.de/jemen-der-in-vergessenheit-geratene-buergerkrieg.1766.de.html?dram:article_id=383543 (Aufgerufen 14.11.2017).

Deutsche Welle (2017): Krieg im Jemen - "Das sind wirklich Untergangsszenarien", http://www.deutschlandfunk.de/krieg-im-jemen-das-sind-wirklich-untergangsszenarien.694.de.html?dram:article_id=393330 (Aufgerufen 14.11.2017).

Deutsche Welle (2017): Stellvertreterkrieg am Persischen Golf, http://www.dw.com/de/stellvertreterkrieg-am-persischen-golf/a-41334852 (Aufgerufen 14.11.2017).

Deutsche Welle (2017): Neue Hoffnung für den Jemen, http://www.dw.com/de/neue-hoffnung-f%C3%BCr-den-jemen/a-19174995 (Aufgerufen 14.11.2017).

Deutsche Welle (2017): Jemen: Friedensgespräche verzögern sich, http://www.dw.com/de/jemen-friedensgespr%C3%A4che-verz%C3%B6gern-sich/a-19194728 (Aufgerufen 14.11.2017).

European Council on Foreign Relations (2017): Mapping the Yemen conflict, http://www.ecfr.eu/mena/yemen (Aufgerufen 14.11.2017).

Faz (2017): Huthi-Rebellen: Rakete auf Flughafen Riad abgefeuert, http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/huthi-rebellen-rakete-auf-flughafen-riad-abgefeuert-15278014.html (Aufgerufen 14.11.2017).

Faz (2017): UN warnen vor Millionen Hungertoten im Jemen, http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/jemen-un-warnen-vor-hungersnot-mit-millionen-toten-15284050.html (Aufgerufen 14.11.2017).

Faz (2017): Saudi-arabische Kampfflugzeuge bombardieren Sanaa, http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/saudi-arabische-flugzeuge-bombardieren-jemens-hauptstadt-15287428.html (Aufgerufen 14.11.2017).

Faz (2017): Hoffnung gibt es nur in Marib, http://plus.faz.net/politik/2017-11-11/hoffnung-gibt-es-nur-in-marib/78431.html (Aufgerufen 14.11.2017).

Gaston, E. (2014). Process lessons learned in Yemen’s National Dialogue. United States Institute of Peace (Special report, 342).

Granzow, T. (2015). Violent vs. Non-Violent Struggle: Investigating the Impact of Frames on Movement Strategies in Yemen. Civil Wars, 17(2), 161-180

Hamidi, A. (2009). Inscriptions of violence in Northern Yemen: Haunting histories, unstable moral spaces. Middle Eastern Studies, 45(2), 165-187.

Heibach, J. (2017): Saudi-Arabiens Krieg im Jemen: keine Ausstiegsstrategie, GIGA Focus Nahost (2), https://www.giga-hamburg.de/de/system/files/publications/gf_nahost_1702_0.pdf (Aufgerufen 14.11.2017).

International Crisis Group (2015):Yemen at War, https://www.crisisgroup.org/middle-east-north-africa/gulf-and-arabian-peninsula/yemen/yemen-war (Aufgerufen 14.11.2017).

International Crisis Group (2017): Yemen’s al-Qaeda: Expanding the Base, https://www.crisisgroup.org/middle-east-north-africa/gulf-and-arabian-peninsula/yemen/174-yemen-s-al-qaeda-expanding-base (Aufgerufen 14.11.2017).

International Crisis Group (2017): Yemen: A Humanitarian Catastrophe; A Failing State, https://www.crisisgroup.org/middle-east-north-africa/gulf-and-arabian-peninsula/yemen/yemen-humanitarian-catastrophe-failing-state (Aufgerufen 14.11.2017).

Koch, C. (2010): Der Golf-Kooperationsrat als regionale Sicherheitsorganisation, KAS Auslandsinformationen, http://www.kas.de/wf/doc/kas_21076-544-1-30.pdf?101110142723 (Aufgerufen 14.11.2017).

Laub, Z. (2016). Yemen in crisis. Council on Foreign Relations, https://www.cfr.org/backgrounder/yemen-crisis (Aufgerufen 14.11.2017).

Mark Lowcock – UN (2017): UN warns of 'world's largest famine in decades', https://www.youtube.com/watch?v=wgJiZt9NuY4 (Aufgerufen 14.11.2017).

NewYorkTimes (2017): Iran’s President Defends Yemeni Rebel Attack on Saudi Capital, https://www.nytimes.com/2017/11/08/world/middleeast/iran-saudi-arabia-hassan-rouhani.html (Aufgerufen 14.11.2017).

Phillips, S. (2011a): Yemen: Developmental Dysfunction and Division in a Crisis State, Research Paper 14, Developmental Leadership Program, http://publications.dlprog.org/Yemen,%20Developmental%20Dysfunction%20and%20Division%20in%20a%20Crisis%20State.pdf (Aufgerufen 14.11.2017)

Phillips, S. (2011b): Yemen and the Politics of Permanent Crisis, Adelphi Books, http://www.iiss.org/en/publications/adelphi/by%20year/2011-2c64/yemen-and-the-politics-of-permanent-crisis-fc0f (Aufgerufen 14.11.2017).

tagesschau.de: Jemen - Konflikt ohne Ende? http://www.tagesschau.de/ausland/jemen-493.html (Aufgerufen 14.11.2017).

Taz (2017): Kommentar Krise im Jemen - Kurz vor der Katastrophe, http://www.taz.de/Kommentar-Krise-im-Jemen/!5459011/ (Aufgerufen 14.11.2017).

Toensing, C. (2014). From the Editor. Middle East Report 273, http://www.merip.org/mer/mer273 (Aufgerufen 14.11.2017).

Spiegel (2016): Jemen-Friedensverhandlungen - Die Kriegsmüden treffen sich, http://www.spiegel.de/politik/ausland/jemen-krieg-friedensverhandlungen-in-kuwait-sollen-konflikt-loesen-a-1087771.html (Aufgerufen 14.11.2017).

Stiftung Wissenschaft und Politik (2017): Sanaa Jemen - „Staatsstreich“ oder „Revolution“ in der jemenitischen Hauptstadt, https://projekt.swp-berlin.org/urbaneraeume/wp-content/uploads/2017S17_gdh.pdf#page=65 (Aufgerufen 14.11.2017).

Stockholm International Peace Research Institute (2017): Armed conflict and instability in the Middle East and North Africa. In: SIPRI Yearbook 2017, https://www.sipri.org/node/4282 (Aufgerufen 14.11.2017).

Vom Bruck, G. (2014): The Houthi Advance on Yemen’s Capital. http://www.counterpunch.org/2014/10/31/the-houthi-advance-on-yemens-capital/print/ (Aufgerufen 14.11.2017).

Welt (2017): Wie EADS vom Mauerbau in Saudi-Arabien profitiert, https://www.welt.de/wirtschaft/article10080765/Wie-EADS-vom-Mauerbau-in-Saudi-Arabien-profitiert.html (Aufgerufen 14.11.2017).

Willis, J.M. (2015). Operation Decisive Storm and the Expanding Counter-Revolution, http://merip.org/operation-decisive-storm-expanding;counter-revolution (Aufgerufen 14.11.2017).

Yadav, S. P. & Carapico, S. (2014). The breakdown of the GCC Initiative. Middle East Report 273, http://www.merip.org/mer/mer273/breakdown-gcc-initiative (Aufgerufen 14.11.2017).

15:58 14.11.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Max Jansen

Max Jansen hat Soziologie, Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaften in Köln, Budapest und Beer Sheva studiert. Derzeit lebt er in Frankfurt.
Max Jansen

Kommentare 2