Am besten barfuß

Werbekritik Geschmacklos: Adidas erweckt in einem neuen Spot die Illusion, dass ein Kind der Misshandlung durch den Vater entfliehen kann, wenn es nur einen Luxus-Sportschuh bekommt

So wie dieser Clip fängt auch der Film Das Schweigen der Lämmer an, nur joggt hier nicht FBI-Agentin Starling durchs Laub, sondern ein Junge. Barfuß.

Zu Hause lauert sein Vater, mit fiesem Blick und Ledergürtel, wenig später hat der Junge ein blaues Auge. Seine Mutter sieht es, schweigt, packt etwas in eine Kiste. Der Junge flüchtet, rennt sich im Wald seine Füße blutig und findet ein Paar Turnschuhe. Mit ihnen sprintet er weiter, er wird immer schneller. Der Vater versoffener, die Musik im Spot dramatischer, die Turnschuhe löchriger. Dann steht der Junge mit seiner Mutter vor einem Plakat, auf dem der Wettkampf für eine Olympia-Teilnahme ausgeschrieben ist. Last exit. Er senkt den Kopf: mit den kaputten Schuhen? Natürlich ist der Traum noch nicht aus. Adidas ist keine Marke für Verlierer. Beckham hat für sie geworben, Run DMC, Kahn und Zidane. Helden. Und so wacht auch der Junge eines Morgens auf und findet die Kiste mit einem Zettel: From Mom. Die neuen farbigen Sportschuhe passen perfekt. Sekunden vor dem Start auf der Tartan-Bahn hält er kurz inne, denkt an den Jungen damals im Wald.

Celebrate Adidas, mit der simplen Botschaft endet der Film. Zu simpel. Der Spot setzt auf Emotionen, das geht immer. Aber er ist geschmacklos naiv, weil suggeriert wird, dass man abhauen kann, wenn man misshandelt wird. Aber nur, wenn man Adidas hat. Den Luxus-Sportschuh. Mama besorgt diese Waffe, wenn sie schon die Hauerei nicht verhindern kann. So verharmlosend, da möchte man selber wegrennen. Am besten barfuß.

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Geschrieben von

Maxi Leinkauf

Redakteurin „Kultur“

Maxi Leinkauf studierte Politikwissenschaften in Berlin und Paris. Sie absolvierte ein Volontariat beim Tagesspiegel. Anschließend schrieb sie als freie Autorin u.a. für Süddeutsche Zeitung, Tagesspiegel und Das Magazin. 2010 kam sie als Redakteurin zum Freitag und war dort im Gesellschaftsressort Alltag tätig. Sie hat dort regelmäßig Persönlichkeiten aus Kultur und Zeitgeschichte interviewt und porträtiert. Seit 2020 ist sie Redakteurin in der Kultur. Sie beschäftigt sich mit ostdeutschen Biografien sowie mit italienischer Kultur und Gesellschaft.

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