Maxi Leinkauf
10.08.2012 | 14:05 36

„Ich schämte mich, aus Marzahn zu sein“

Porträt Anja Görnitz über soziale Aufstiegschancen. Aufgewachsen in Berlin-Marzahn, gehört sie zur sogenannten "Dritten Generation Ost"

„Ich schämte mich, aus Marzahn zu sein“

Anja Görnitz ist in der DDR geboren und im proletarischen Stadtteil Marzahn in Berlin aufgewachsen. Sie spricht über sozialen Aufstieg und seine Schattenseiten

Foto: Daniel Seiffert für der Freitag

Es ist einer der sonnigen Nachmittage in Berlin. Anja Görnitz hat die „Weinerei“ für das Treffen vorgeschlagen, ein Café, in dem abends jeder für den Wein so viel bezahlen möchte, wie er will. Man begegnet hier Touristen, Einheimischen, Zugereisten. Anja Görnitz sucht sich einen Himalaya-Tee aus, der soll beruhigend sein. Eigentlich fühle sie sich im Moment wie im Urlaub, erzählt die 29-Jährige, auch ein bisschen leer. Vor Kurzem hat sie ihre Doktorarbeit über globale Gerechtigkeit abgegeben. Während sie redet, sucht sie immer wieder nach der genaueren Formulierung.

Der Freitag: Sie werden bald promoviert sein, haben zuvor in Pittsburgh und Bordeaux studiert. Groß geworden sind Sie in einem Plattenbau in Ostberlin.

Anja Görnitz: In der ersten Zeit meiner Ausbildung habe ich gar nicht erwähnt, dass ich aus Marzahn stamme. Ich sagte meistens, ich komme aus Berlin.

Sie wollten sich nicht den Getto-Stempel aufdrücken lassen?

Ja, ich wollte nicht als Verlierer stigmatisiert werden. Selbst früher in der Schule in Ost-Berlin war es uncool, wenn man aus Marzahn kam. Ich habe mich geschämt. Als ich 17 war, sind wir dann nach Lichtenberg gezogen. Das habe ich als Aufstieg wahrgenommen. Näher an der Stadt, schöne große Altbauwohnung, eigenes Zimmer. Mein erster Freund konnte mich dort besuchen.

Schämen Sie sich heute noch?

Erst seit ich etwas erreicht habe, gehe ich offensiv mit meiner Herkunft um. Jetzt könnte ich damit kokettieren, dass ich promoviert habe, obwohl ich aus Marzahn komme.

Im Osten wohnten doch verschiedene Schichten in der Platte. Milieus vermischten sich – Verkäuferin und Betriebsdirektor.

Verschiedene Schichten ja, aber nicht unbedingt Milieus. Ich hatte Mitschüler, die stammten aus großen Altbauwohnungen in Prenzlauer Berg, im Kollwitzkiez, bei denen standen die Bücher bis zur Decke. So etwas kannte ich aus meiner Platte nicht. Im Grunde wollte ich schon ganz früh nicht mehr ostdeutsch sein – sondern so, wie ich damals glaubte, dass Westdeutsche seien: weltgewandt, unprovinziell, selbstbewusst, zielstrebig.

Wie waren Ihre Eltern?

Ich selbst habe ganz Marzahn eher proletarisch wahrgenommen, meine Eltern würden aber wohl darauf bestehen, dass sie zur Intelligenzja gehörten. Meine Mutter hat Bauingenieurwesen studiert und in einer Ingenieursfirma gearbeitet. Mein Vater war Gefängniswärter.

Als die Mauer fiel, waren Sie sechs Jahre alt ...

… und alles geriet in Bewegung. Nehmen wir Urlaube: Manche stiegen ins Auto nach Südfrankreich, uns zog es erst einmal nach Bulgarien.

Wie sind Ihre Eltern denn mit dem Umbruch klargekommen?

Sie waren traurig, ein bisschen versteinert. Meine Eltern konnten die Wende nicht so recht verkraften. Aber es fiel ihnen schwer, in Worte zu fassen, woraus ihr Unwohlsein sich speiste.

Hatten sie den Job verloren?

Ja, aber beide haben schnell neue Jobs gefunden. Meine Mutter arbeitet seither in einer Immobilienfirma. Sie ist ganz zufrieden, hat Fortbildungen nebenher gemacht. Mein Vater war lange Zeit Busfahrer. Da hat man ganz gut verdient, aber es war stressig. Darum ging er von der BVG ins Sicherheitsgewerbe, was auch irre anstrengend ist. Aber er hält sich ganz tapfer. Das passierte alles parallel zu meiner Entwicklung: Abitur, Studium, Doktorarbeit.

Wenn man als Kind erfolg-reicher wird als die Eltern, hat man dann Schuldgefühle?

Ja, mir fällt das gar nicht so leicht, diese beiden Welten zusammenzubringen. Mein Vater tut mir oft leid, er muss seine Nachtschichten abreißen, ist im Kalten, und ich fahr mal schön für eine Konferenz nach New Orleans. Ich habe auch darunter gelitten, dass sie meine neue Welt nicht teilten. Als ich aus Pittsburgh kam, war ich so voller Ideen, aber meine Eltern konnten es nicht ertragen, mir zuzuhören.

Es hat sie bestimmt verunsichert.

Ja, sie dachten, es bringt mich weg von ihnen. Ich habe meinem Vater aus dem Urlaub mal ein Geschenk von Alcatraz, der Gefängnisinsel bei San Francisco, mitgebracht. Aber er konnte es kaum annehmen. Er würde vielleicht selbst gern mal hinfahren. Je weiter meine Schritte gingen, umso weniger konnten meine Eltern damit anfangen.

Hat Ihre ostdeutsche Herkunft Sie behindert?

Ich hatte oft das Gefühl, bestimmte Codes nicht zu kennen.

Welche Codes?

Ich meine soziale Kompetenz, die Art, wie man sich in bestimmten Kreisen verhält.

Welche Umgangsformen haben Sie sich neu angeeignet?

In schicken Restaurants zum Beispiel, da hat man dann sein Buttermesser und sein Brotschälchen, verschiedene Wein- oder Wassergläser – ich kannte das alles nicht. Da ist man dann so unlocker. Ich habe mich auch nicht getraut, zu fragen. Heute würde ich das tun.

Was änderte sich noch an Ihrem Habitus?

Früher war ich unheimlich frech und laut, habe Witze über mich selbst gemacht. In Berlin auf der Sportschule war das auch eher ein bodenständiges Milieu, nicht so schöngeistig. Ich benutzte das entsprechende Vokabular. Es gab zum Beispiel das Wort „schwul“ für lahm oder blöd. Im Studium in Magdeburg änderte sich vieles. Im 3. Semester bin ich das erste Mal nach New York geflogen. Das Sich-über-sich-selbst-lustig-machen in Gesprächen, das ging schnell weg.

Fingen Sie an, Networking zu betreiben?

Was ich nicht leiden kann – das mache ich auch nie –, ist mit jemandem reden ohne Grund. Ich gehe nicht nach einer Veranstaltung zu dem Professor, denke mir einen Anlass aus, um dann wahrgenommen zu werden. Nur wenn ich wirklich eine Frage habe. Mich muss ein inhaltliches Interesse treiben, was dann auch oft zu guten Gesprächen führt.

Nur 7,5 Prozent der Ostdeutschen sind in Spitzenpositionen. Der Soziologe Raj Kollmorgen erklärt das unter anderem mit der Selbstreproduktion westdeutscher Eliten, die niemanden von außen reinlassen.

Wir haben Merkel, Gauck ...

Und nur westdeutsche Minister.

Das stimmt. Dieser bestimmte Kreis, der Führungspositionen inne hat, lässt nur Leute rein, die so sind wie sie selbst. Aber man kann so werden wie sie. Wenn man das denn will. Es gibt jedoch auch ein zeitliches Problem: Man braucht eine bestimmte Ausbildung, beispielsweise als DAX-Vorstand: Die Wende ist 20 Jahre her, erst langsam kommen nun Ostdeutsche mit diesen Ausbildungen und Berufserfahrungen auf den Markt. Die passenden Studiengänge gab es in der DDR ja nicht. Die Grenze verläuft jedoch eher zwischen Männern und Frauen als zwischen Ost und West.

Das erleben Sie konkret?

In einem Colloquium beispielsweise muss man sich melden, um auf die Rednerliste zu kommen – die Männer machen das so lange, bis sie gesehen werden. Als Frau hebt man mal seinen Kugelschreiber. Mir wird meine Herkunft weniger im Wege stehen als mein Frausein.

Weil es so wenige weibliche Professorinnen gibt?

In meinem Bereich, Politische Theorie, sind nur 20 Prozent aller Professuren weiblich besetzt. Selbst wenn ich mich auf den Weg mache: Werde ich eine von ihnen? Ist doch unwahrscheinlich. Und wie kann ich das später mit einer Familie verbinden?

„Wenn ich die Wahl habe, bin ich heute für den Kapitalismus“, schreiben Sie in Ihrem Beitrag für den Sammelband Die 3. Generation Ost. Gleichzeitig würden Sie sich bei diesem Dafürsein schlecht fühlen.

Diese Auseinandersetzung ist für mich existenziell und persönlich. Jeder macht sich Gedanken, was Gerechtigkeit bedeuten könnte. Aber ich saß schon mit zehn Jahren in der Küche meiner Eltern, um zu diskutieren, welche Gesellschaftsform die gerechtere ist.

Was ist besser am Kapitalismus?

Wenn man ein Kind ist und sich diese Frage stellt, kommt man zu dem Schluss: Kommunismus heißt, nicht sagen zu dürfen, was man denkt, nicht dahin reisen zu dürfen, wohin man will und erschossen zu werden, wenn man „rüber“ will. Bei aller Kritik am heutigen System: Wie soll man den Kommunismus da attraktiv finden?

Sie schreiben auch: Man dürfe niemanden zum Sozial-Sein zwingen.

In letzter Zeit werde ich deswegen öfter mal in Diskussionen in die neoliberale Ecke gestellt. Das ist mir unangenehm, weil es so negativ besetzt ist und am Argument vorbeigeht. Früher wäre ich auf der Seite derer gewesen, die sagen: Wir müssen solidarisch sein, die Welt ist so ungerecht.

Und jetzt?

Ich glaube mittlerweile, dass überstiegene Anforderungen an Solidarität diese auch verhindern können. Dass man gar nichts mehr macht, weil man so hohe Anforderungen ohnehin nicht erfüllen kann. Es ist so wichtig, dass man auch auf sich achtet, es einem erst mal selbst gut geht. Nur dann kann man wirklich für andere da sein.

Adam Smith: Das Private bedingt das Gemeinwohl. Umgekehrt muss jeder mit seinem Scheitern allein fertig werden?

Es gibt ein individuelles Scheitern, wenn man im Casino sein ganzes Geld verspielt – und ein gesellschaftliches, wenn etwa Bildungschancen ungleich verteilt sind. Für das letztere tragen wir alle Verantwortung, für das erstere nur bedingt. Ich finde es zutiefst berührend, wenn jemand es schafft, ohne Bedingungen für jemand anderen da zu sein. Doch ein Staat sollte den Menschen Raum geben, nach dem eigenen Glück zu suchen. Man sollte nicht jedes Mal ein schlechtes Gewissen haben, wenn man an sich denkt.

Wann sind Sie freiwillig sozial?

Ich nehme zum Beispiel mein berufliches Engagement als soziales wahr. Schließlich widme ich mich 40 Stunden die Woche der Frage: Wie müsste eine gerechte Welt aussehen?

Wie denn?

Ich denke, es gibt moralische Mindestanforderungen, die man schlichtweg nicht abstreiten kann: Wir können beispielsweise nicht einfach ein Abkommen beschließen, dessen Kosten ausgerechnet arme Länder tragen, das TRIPS-Abkommen ist dafür ein Beispiel. Auf solche basalen Argumente sollten wir zunächst Bezug nehmen, damit kommen wir, glaube ich, weiter als mit bloßer Empörung. Weiterreichende Solidarität ist wundervoll, aber sie zu erzwingen widersinnig. Die Menschen sollten die Freiheit haben, solidarisch zu handeln.

Bildungsaufstieg kann heute auch gleich wieder Abstieg sein. In prekäre Jobs.

Wer sich von Stipendium zu Stipendium hangelt, hat Grund zur Klage, aber auch Vorteile. Ich hatte jetzt drei Jahre Zeit, um zu forschen, kreativ zu sein, selbstbestimmt zu arbeiten. Jetzt, nach dem Doktor, hätte ich noch ein, zwei Jahre Zeit, dann müsste ich wieder in eine andere Stadt, ins Ausland gehen, dann noch mal in eine andere Stadt. Man lebt prekär – nicht unbedingt finanziell, sondern was die Planung seines Lebens angeht.

Verbindet Sie noch etwas mit Marzahn?

Überhaupt nichts, und auch aus meiner Sportschule in Prenzlauer Berg haben viele einen anderen Weg genommen. Einige wenige kenne ich noch. Es ging rau zu, die Jungs sind zur Bundeswehr gegangen, Offiziere geworden. Bei denen habe ich mich nie heimisch gefühlt ... Wenn ich denen heute sage, ich mache mir Sorgen um meine Zukunft, wundern sie sich. Oder sie machen sich lustig: Schon öfter gehört, dass Leute mit Doktor keine Arbeit finden.

Es fehlen Schnittpunkte.

Ja. Sie sind beruflich fürs Erste bereits stärker verankert. Manche haben schon Kinder, ein Haus. Ich habe meinen Platz noch nicht gefunden. Aber ich habe vor ein paar Wochen geheiratet!

Kommt Ihr Mann aus dem Osten?

Ja, aus Dresden. Ich dachte, es sei Zufall, aber man ist sich einfach ähnlicher, wenn man dieselben Wurzeln hat. Das spielt eine Rolle bei der Partnerwahl. Wenn man in Westdeutschland groß geworden ist, und Eltern hat, die Professoren sind, findet man sich auch zusammen.

In der Liebe sucht man eher das Ähnliche?

Mein Mann kommt zwar aus dem Osten, aber er stammt aus einer kirchlich geprägten Familie, war bei der Jungen Gemeinde. Er ging früh in die USA, hat Klavier gespielt. Er ist ganz anders groß geworden als ich. Trotzdem: Wir teilen viele Erfahrungen.

Eine Stimme der selbsternannten „Dritten Generation Ost“

 

Anja Görnitz, geb. 1982, geht als eine von über 30 AutorInnen im eben erschienenen Buch Dritte Generation Ost. Wer wir sind, was wir wollen der Frage nach, welchen Einfluss ihre Herkunft bis heute hat. Es geht um Eltern, um Kindheit, um die Frage, in welcher Gesellschaft man leben möchte, um Abwanderung oder Karriereträume.

Entstanden ist dieser Sammelband aus vielen Gesprächen, Begegnungen und Erfahrungen zwischen Ost-und Westdeutschen. Die „Dritte Generation Ost“ wurde 2009 aus dem Ärger heraus ins Leben gerufen, dass nur ältere Männer wie Wolfgang Thierse oder Gregor Gysi den Osten und seine Geschichte repräsentieren – und dass der Blick oft zurückgeht, nicht nach vorn. Wo sind die jüngeren Gesichter? Wo die Stimme der zwischen 1979 und 1985 in der DDR Geborenen? Adriana Lettrari, geboren in Neustrelitz und aufgewachsen in Rostock, wollte sie zusammenbringen. Im Juni 2010 fand ein erstes Treffen statt – von da an debattierten sie regelmäßig, Ost-und Westdeutsche gemeinsam, und veranstalteten im Juli 2011 im Collegium Hungaricum in Berlin eine Konferenz. Mittlerweile hat sich ein Netzwerk aus mehr als 1.000 Menschen, Vereinen und Institutionen gebildet.

Bei diesem Projekt soll es nicht um die eine große Sache gehen, sondern um einzelne spezifische Themen wie etwa um Ostdeutsche, die sich mit der Frage konfrontiert sehen, ob sie sich eine berufliche und private Zukunft in Ostdeutschland vorstellen können. Um Fach- und Führungskräftemangel, demografischen Wandel, um das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern, vor allem was die verschiedenen Lebenswege der Generationen vor und nach der Wende betrifft, und um Biografiearbeit. Eine Übersicht aller Projekte und Lesetour-Termine gibt es auf dritte-generation-ost.de.

ML

 

In der Freitag-Serie „Herkunft: Bestimmt“ erscheinen Beiträge über die Gründe und Folgen der abnehmenden sozialen Mobilität in Deutschland – und was man dagegen tun kann. Zu den weiteren Beiträgen der Serie

Kommentare (36)

Peter B. 11.08.2012 | 09:50

Einem Westler der gleichen Generation offenbart dieses Interview die vermeintlich wahren Brüche zwischen Ost umd West. Die Unterscheidung zwischen persönlichem und gesellschaftlichem Scheitern ist für mich schlichtweg mittelalterlich. In einer globalökonomisierten Welt solche Unterschiede zum Gegenstand sozialstaatlicher Diskussion zu machen, der Drogenabhängige oder Spielsüchtige ist selbst schuld, wir Bürgerlich-Christlichen, die Stets-Bemühten, aber nicht, das ist schon verwirrend - für mich. Da fügt sich das, natürlich nur aus meiner ganz privaten Sicht, naive Weltbild, der Staat müsse Freiheit gewähren um Solidarität zu fördern, sehr gut hinzu. "Der Staat", dieses fremde Wesen - hinaus mit ihm. Wir machen das schon? Wir organisieren das in unseren steril-bürgerlich Vorstadtclubs, in unseren Kirchengemeinden und Lions-Vereinen. Als relativ gut verdienender Akademiker in diesem Land fühle ich mich jedenfalls nicht überfordert mit der Forderung nach mher Solidarität! Sicher ein verkürztes Interview - aber es macht auch nicht viel Lust auf mehr.

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Ehemaliger Nutzer 11.08.2012 | 11:22

Dieses Interview ist, wie alle, rein subjektiv! Also mitnichten überzubewerten. Zumale die "Dame" ja schon in der DDR zu der "oberen" Schicht gehörte!

"Meine Mutter hat Bauingenieurwesen studiert und in einer Ingenieursfirma gearbeitet. Mein Vater war Gefängniswärter."

Diese Leute waren zu DDR-Zeiten bestens priveligiert und hatten ganz andere Voraussetzungen als Arbeiter in einer Fabrik, die besseren sozialen Kontakte. Meißt auch, weil sie gute Parteigenossen waren. Denn ohne diese Zugehörigkeit konnten auch nur wenige Kinder aus solchen Familien studieren.

Ich hatte mal als Jugendlicher zu DDR-Zeiten einen Freund, der aus der studierten Schicht kam. Ich selber war ein Arbeiterkind und nicht priveligiert. Mich hat es damals sehr "beeindruckt" wie solche Kinder (Elternhäuser) doch viel besser materiell bevorteilt waren. Sie hatten mehr Zugang zu bestimmten Gütern! Das war sozial betrachtet ein Untershcied zwischen Tag und Nacht. Auch war ich in dieser bürgerlichen Familie nicht erwünscht. Man bleibt eben gerne unter sich.

Das der Kapitalismus unbedingt besser als die DDR ist, sehe ich etwas anders. Da diese Frau nicht objektiv beurteilt, sondern eben subjektiv, da Vorteile mit der Wende genossen. Sie gehört eben nicht zu den Verlieren. Die Strukturen nach der Wende wurden nie wirklich zerschlagen! Gauck ist das beste Beispiel!! Nur Wendehälse, Heuchler, gute soziale Kontakte zur BRD, schafften den Aufstieg nach der Wende. Es gibt sehr viele Verlierer, die eben keine Privelegien zu DDR Zeiten genossen.

Im Kapitalismus hat auch nur der Aufstiegschanchen, wie übrigens in jeder Gesellschaft, die aus Hierarchien besteht, wenn man gute soziale Kontakte (Vitamin B) hat bzw aus einer gehobeneren Schicht kommt! Auch in der DDR hatten Kinder, die aus einem studiertem Elternhaus kamen, mehr Vorteile als Arbeiterkinder.

Und auch der Mann war in der DDR durch die Kirche priveligiert.

denkii 11.08.2012 | 17:56

Erstaunlich zu sehen wie diese Frau sich scheinbar für ihre Wurzeln schämt und sich einer gewissen Arroganz hingibt. Als müsste sie allen beweisen, dass sie trotz Marzahn "etwas werden" könne. Dabei war es doch selbst in der DDR so, dass Marzahn kein Ort für die Intellektuellen war, wo sie sich selbst gerne gesehen hätte. Aber das für sie nun nur Aufstieg zählt und DAX Vorstände das Maß der Dinge sind finde ich traurig.

Es ist sehr interessant, wie ein Teil dieser Generation aus Ost-Deutschland sich bedingungslos der Leistungsgesellschaft angeschlossen hat und ein einfaches Weltbild verinnertlicht um sein Ego zu maximieren.

Ich würde sie gern einmal fragen. wie es denn um die heutigen Marzahn-Bewohner steht: Wer interessiert sich dafür was sie sagen? Und wohin können sie reisen?

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Ehemaliger Nutzer 12.08.2012 | 11:13

@DENKII,

"

Das sehe ich auch so! Warum schämt sich diese Frau, einstmal in einem sogenannten Arbeitermillieu gewohnt zu haben?! Will sich diese Frau nur interessant machen und profilieren?! Und überhaupt...jeder der Geld verdienen will, schreibt heute seine Biografie. Muß wohl Mode sein. Ich könnte auch mal eine schreiben. Mit meinen vielen Erfahrungen aus der DDR-Zeit und jetzt in der BRD. Nur wer würde denn mein Leben verlegen?? Wohl keiner...

Für mich hat diese Frau ein Problem. Es ist nicht schlimm sich seiner Herkunft zu schämen. Denn schliesslich können Kinder nichts dafür, wenn sie arm geboren werden. Schlimm ist aber sich seiner Wurzeln zu entledigen, sie zu verleugnen! Nur weil man anscheinend damit zu den "oberen Zehntausend" gehören will. Zumal diese Frau auf grund ihres Alters ja gar nicht die DDR so wirklich miterlebt hatte.

Diese Frau ist eher angepasst als selbstbewusst. Und vertritt eine neoliberale Denkweise!! Da ist mir die Biografie von Marion Brasch schon viel sympathischer. Man kann nur aufsteigen, wenn man die entsprechenden sozialen Kontakte hat bzw. einen Gönner. Das war so und wird auch immer so bleiben. Dafür gibt alleine unter den Schriftstellern schon sehr viele Beispiele. Die ohne Gönner (finanz. Unterstützung) wohl nie etwas geworden wären. Und zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, sprich Glück zu haben, gehört auch mit zum Leben.

Ach ja...ich will weder das eine, die DDR, noch dieses System haben. Man hätte mit der Wiedervereinigung eine wirkliche humanistische Gesellschaft gründen können. Das alleine war schon 1949 im GG geregelt worden. Wir hätten nämlich eine neue Verfassung, vom deutschen Volk gewählt, in Kraft setzen können. Wobei wir eine der besten GG überhaupt haben! Dies wäre nur in gewissen Punkten zu ergänzen gewesen. Das aber ist in dieser Hierarchie aus dem Mittelalter nicht wirklich gewollt!! Da gäbe es zuviel Macht-und Privelegien Verlust der Oberschicht, des Kapitals.

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Ehemaliger Nutzer 12.08.2012 | 11:24

Frau Görnitz sollte sich mal mit den Systemen und der Realität, wie sie umgesetzt werden, auseinander setzen!

Kommunismus/Sozialismus wurde nie wirklich gelebt! Die hierarchischen System wurden nur so benannt. Damit die herrschende Klasse ihre Ideologie verbreiten konnte. Der Kapitalismus ist jetzt wieder pervertiert. Da er ja keinen "Klassenfeind" mehr hat.

Ich empfehle der Frau mal Eric Hobsbawm zu lesen! Und auch den amerikanischen Ökonom Professor Richard D. Wolff.

http://www.scharf-links.de/133.0.html?&tx_ttnews[swords]=die%20wurzeln%20der%20krise&tx_ttnews[tt_news]=26970&tx_ttnews[backPid]=65&cHash=daaf5c8693

Diese Frau hat eben nicht verstanden wie die Welt, der Mensch, der Kapitalismus funktioniert!!

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Ehemaliger Nutzer 12.08.2012 | 11:42

Und noch etwas....Solidarität entsteht eigentlich von ganz alleine. Der Mensch ist schliesslich ein soziales Wesen (Naturvölker). Seid der neoliberalen Ideologie wird ganz gezielt mittels Hass schüren die Solidarität unterdrückt!! Und wir haben bereits einen soften Faschismus, wie der Soziologe Krysmanski dies auch gut beschreibt. Hartz 4 und 1 Euro Job / prekäre Arbeitsverhältnisse, ist nichts weiter als verdeckte Zwangsarbeit. Hatten wir ja bereits alles schon mal in der Geschichte.

Ich bin enttäuscht, dass man so einer Frau, die anscheinend nur mit ihrer Biografie Geld verdienen will, Aufmerksamkeit braucht, hier eine Plattform bietet! Ihre Aussagen sind nichts weiter als Polemik!

Wie hat Krysmanski durch seine empirischen Studien festgestellt....Medien haben einen Auftrag. Sind Journalisten wirklich schon so ideologische "Gehirn gewaschen", dasss sie nicht mehr eigenständig denken können???!!!

Man lese auch zum Journalismus in diesem Link.

http://www.diss-duisburg.de/2011/11/diss-neuerscheinung-im-griff-der-medien/

Hier noch einen Artikel von E. Hobsbawm! Damit diese Frau sich mal ein reales Bild von der Welt machen kann! Auch wenn er ev. nicht mit allem "recht" hat.

http://www.stern.de/wirtschaft/news/maerkte/eric-hobsbawm-es-wird-blut-fliessen-viel-blut-700669.html

oder dies hier zum Kapitalismus. Systeme scheitern immer an einzelnen Menschen!! Es ist der Mensch, der sich selber vernichtet!

http://lupocattivoblog.com/2010/03/25/die-privatisierung-des-weltgeldsystems/

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Ehemaliger Nutzer 12.08.2012 | 11:54

Und noch eine letzte Bemerkung:

Wie finanziert sich eigentlich Frau Görnitz ihren Lebensunterhalt?! Ich meine so ohne Arbeit seinen Doktor machen, wie geht das denn? Und dann auch noch im Ausland studieren! Durch Bücher schreiben? Oder doch eher durch Unterstützung seitens der besser gestellten Eltern? Sie waren ja keine Verlierer der Wende und hatten bald wieder gute, finanzielle Jobs.

Diese Frau ist für mich genauso eine Heuchlerin wie die meißten SED-Genossen damals in der DDR!!

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Ehemaliger Nutzer 12.08.2012 | 12:05

Übrigens ist es schon interessant wie sich Menschen aus reiner "Überlebensstrategie" selbst (neu) erfinden. Und wenn ich die jüngeren Generationen so sehe, wird mir manchmal echt übel. Wir, der Kapitalismus, haben nämlich leider zuviele Selbstdarsteller und Narzissten produziert!

Solidarität ist bei dieser Generation Geschichte! Kein Wunder bei diesem egoistischen System in dem wir leben!! Das übrigens haben die Soziologen, Psychologen u. a. Wissenschaftler schon Anfang 2000 im Zuge der Globalisierung schon längst erkannt!! Es gab dazu nämlich eine sehr gute internationale Studie über mehrere Jahre hinweg. Und vor dieser narzistischen Generation hatten die Wissenschaftler eindeutig gewarnt!

Popkontext 12.08.2012 | 12:06

@Katrin L Ihre Anmerkungen zu den vermeintlichen "Priviligierungen" in der DDR sind so nicht richtig. In der DDR wurden gezielt Arbeiterkinder gefördert, nicht Intellektuelle oder Kirchenanhänger. Natürlich hatten die ggf. ihre eigenen Netzwerke, speziell die Kirchenleute, eben WEIL sie in der Gesellschaft sonst stigmatisiert waren und nur Nachteile hatten.

Ich bin z.B. auch in kleinbürgerlichen Verhältnissen bei einer Mutter aufgewachsen, die Lehrerin war. Die brauchte ihr Leben lang keine Netzwerke, weil sie ihren Job hatte, den sie nicht verlieren konnte. So habe ich a) Null von ihren Netzwerken profitiert, weil es eben keine gab, und habe b) auch erst selber mit über 30 gelernt, wie sowas funktioniert. Das einzige Privileg, das ich hatte, war, dass ich zum Lesen angeregt wurde, und mich zu bilden. Das hat aber auch nur geholfen, bis ich ein Teenager war. Da ging es mir genauso wie der Frau, die hier interviewt wurde: Ich guckte über den Tellerrand meiner Ursprungsfamilie hinaus und das wurde auch nicht wirklich goutiert - da wurde sie eher zum Hemmschuh, weil es zu Ablehnung führte, dass ich mehr verstand und eine andere Weltsicht bekam, als sie mir anerzogen wurde.

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Ehemaliger Nutzer 12.08.2012 | 15:20

@Popkontext,

ja da haben Sie natürlich auch recht. Ich muß das differenzieren. Natürlich wurden Arbeiterkinder mehr befördert. Aber auch nur, wenn die Eltern Systemtreu, heißt SED treu waren.

Ich kenne aber viele aus sogenannten Intellektuellen Familien, deren Kinder trotz Zugehörigkeit zur Oberschicht studieren konnten. Es kam auch auf die Position der Eltern drauf an. Ob die Statistik in der DDR immer so stimmte, bezweifle ich. Da ich selber mal in der Verwaltung gearbeitet hatte. Statistiken wurden immer schon durch die Menschen verfälscht. Gelogen wird in jedem System. In der DDR wurde auch viel nach oben gelogen wie jetzt in der BRD.

Popkontext 12.08.2012 | 17:32

Ohne Frage war da vieles endlos scheinheilig, das war ja das Problem. Und wer in SED-Seilschaften war - gut. Aber es waren nicht alle, die studiert hatten, in SED-Seilschaften, auch wenn es gern gesehen wurde, das Studierende dort eintreten. Meine Mutter war nicht in der Partei, sie war weder systemkritisch, noch Feuer und Flamme dafür, sondern eher pragmatisch, dass sie eben in dem Sytem lebt und damit klar kommen muss. So wurde ich auch erzogen, und SED und Stasi wurden mir nur durch Zufälle erspart. So hatte ich keine Privilegien, aber auch keine ernsten Probleme.

Ich finde, Sie tun der Frau da durch Pauschalurteile sehr unrecht. Sie vergessen z.B. auch, dass nach der Wende ja auch wenn die Eltern Ersparnisse und danach auch wieder Arbeit hatten, sie trotzdem unter die ökonomische Schicht vergleichbarer westdeutscher Familien standen, weil sie weniger Ersparnisse hatten, die dann auch noch halbiert wurden, und zudem weniger verdienten. Wie Görnitz sagt, hat sie sich offenbar zumeist über Stipendien finanziert.

Und was die "Codes" betrifft hat natürlich jemand aus der Arbeiterklasse Schwierigkeiten - zumeist ein Leben lang - sich an die der Mittel- und Oberschicht bzw. der intellekturellen Elite anzupassen, was den Aufstieg massiv behindert. Aber auch wenn man aus der unteren Mittelklasse kommt, sind die "Codes" der intellektuellen Elite noch ziemlich anders und ganz entscheidend sind die Unterschiede in den "Codes" auch zwischen Ost und West.

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Ehemaliger Nutzer 12.08.2012 | 18:02

Ja das mit der Parteizugehörigkeit stimmt. Mich wollte man auch immerzu in der Partei haben. Es ging aber nur um die Quote! Ich hatte mich immer verweigert. Ich bin kein Ja-Sager und Anpasser wie die meißten. Zu einer Gruppe dazu zu gehören bedeutet nichts weiter als sich zu unterwerfen. Das ist reine Psychologie (Gruppenzwang).

Ich finde aber nicht das ich dieser Frau Unrecht tue, da Frau Görnitz oberflächlich in ihrer Argumentation ist. Sie pauschalisiert ebenso wie Sie es mir "unterstellt" haben.

Warum muß ich gewisse Codes kennen, nur um gesellschaftlich anerkannt zu werden und aufzusteigen?! Haben Sie kein Selbstbewusstsein und stellen sich gegen diese Hierarchie?

Ich kann gut und gerne auf Codes verzichten. Denn die Oberschicht, die Elite ist mitnichten intelligenter als andere Menschen. Die tun nur meißtens so um sich gezielt von anderen abzugrenzen und damit ihre Stärke und Macht zu demonstrieren!

Das ist nämlich das generelle Problem der Gesellschaft BRD. Mehr Schein als Sein!! Die Menschen in der DDR waren doch ehrlicher, vorallem authentischer. Mit Ehrlichkeit kommt heutzutage kaum wirklich einer weiter!! Man verbiegt sich und heuchelt nur um des eigenen Vorteils wegen. Das ist für mich widerlicher Natur. Und Frau Görnitz reiht sich da voll mit ein, weil eben durch die BRD gebrägt. Diese Frau kann doch gar nicht die DDR wirklich beurteilen!! Sie war doch mit der Wende erst 7 Jahre alt! Also hat sie dieses System DDR doch nie wirklich kennen gelernt! Ich dagegen schon. Ich bin Jahrgang 59 und habe somit eine weitaus bessere Einschätzung als Frau Görnitz.

Und wie bereits gesagt...es ist alles subjektiv. In der DDR hatten nämlich auch nur am meißten die Menschen gemeckert, die sowieso schon alles hatten. Ausser den Konsum ala BRD und das Reisen ins Ausland.

Fakt ist und das bestätigen heute auch viele meiner Mitmenschen...das soziale war in der DDR um ein vielfaches besser!! Dort gab es wahre Solidarität. Heute ist die Gesellschaft kalt und unsolidarisch. HIER ZÄHLEN NUR NOCH MATERIELLE DINGE UND DER MENSCH IST ZUTIEFST EINSAM. Was für ein Paradoxum trotz der Vielfälltigen Kommunikationsmöglichkeiten.

Selbst die Reichen sind einsam, weil der Mensch sich entfremdet hat.

Ich empfehle auch dazu Erich Fromm und die Zeitschrift Psychologie heute.

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Ehemaliger Nutzer 12.08.2012 | 18:26

Schon interessant wie sich angeblich Frau Görtz schon als Kind für ihre Herkunft schämte.

"Sie wollten sich nicht den Getto-Stempel aufdrücken lassen?

Ja, ich wollte nicht als Verlierer stigmatisiert werden. Selbst früher in der Schule in Ost-Berlin war es uncool, wenn man aus Marzahn kam. Ich habe mich geschämt. Als ich 17 war, sind wir dann nach Lichtenberg gezogen. Das habe ich als Aufstieg wahrgenommen. Näher an der Stadt, schöne große Altbauwohnung, eigenes Zimmer. Mein erster Freund konnte mich dort besuchen."

Schon alleine das Wort Gettho ist eine Frecheit der Autorin des Artikels!! Es gab keine Getthos in der DDR!!! Oder muß ich erst der Autorin erklären was Gettho überhaupt bedeutet?!

http://de.wikipedia.org/wiki/Ghetto

Die Autorin des Artikels sollte mal in sich gehen und ihre (rechten) Einstellungen überprüfen!!

Nach Adam Riese und Geburtsjahr 1982 von Frau Görtz, war sie mit der Wende 7 jahre alt und wohl gerade mal eingeschult bzw. 1 Jahr in der Schule. Zu DDR-Zeiten hatte sich keiner geschämt, wenn er in einer Platte wohnte. Das war ein völliger Normalzustand. Ich kenne jedenfalls keinen! Ich selber war befreundet mit einer Mitschülerin, deren Eltern priveligiert waren. Sie hatten ein Haus, bekamen "Westpakete", also immer schicke Sachen an. Sie wohnte in einer zu DDR-Zeiten noblen Gegend. Vergleichbar mit Berlin-Dahlem/Zehlendorf heute. Keiner meiner Mitschüler hatte jemals Schwierigkeiten mit Menschen aus solchen soz. Schichten! Und da gab es meinerseits noch mehr dieser Kontakte. Da war kein Neid so wie heute.

Ich glaube Frau Görnitz kein Wort. Wie bereits gesagt...erfinden sich die Leute andauernd neu um sich zu profilieren. Irgendwas muß diese Frau ja auch schreiben damit sie ihr Buch verkaufen kann.

Und der Autorin ihre Einstellung, ihr Interview, gibt mir sehr zu denken! Wie hatten die Psychologen festgestellt...narzisstische Selbstdarsteller, die der Gesellschaft die Solidarität absprechen! Recht haben Sie!!

Das ist ein völlig neoliberaler Artikel!!!! Einfach NUR NOCH Widerlich!

Seriöse darstellungen sehen anders aus!!

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Ehemaliger Nutzer 12.08.2012 | 18:34

Und noch etwas...es kotzt mich nur noch an, wenn die DDR von solchen unfähigen Egomanen nieder geschrieben wird!

Die DDR war zweifellos eine Diktatur. Nur ist diese BRD auch nicht besser. Sie hat alles nur besser verpackt. Und Geschichte schreibt immer die herrschende Klasse. Also wird sie immer verfälscht!

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Ehemaliger Nutzer 12.08.2012 | 18:39

Wissen sie, werte Autorin wer so eine Schreibweise hat?! diese Trennung der Wörter...wie dieses hier...erfolg-reicher

"Wenn man als Kind erfolg-reicher wird als die Eltern, hat man dann Schuldgefühle?"

Ich sags Ihnen...die Neue Rechte!!! Der Freitag sollte sich schämen so etwas hier zu zu lassen!! Die Rechten haben mittlerweile schon die gesamte Gesellschaft erobert!

Der Duden gibt jedenfalls so etwas NICHT vor!!

http://www.duden.de/suchen/dudenonline/erfolgreich

Popkontext 12.08.2012 | 18:41

"Codes" haben nichts mit Selbstbewußtsein oder Angepassteheit zu tun – sie zu beherrschen sind einfach essentiell für den Aufstieg, oder auch nur das Fortkommen, wenn man irgendeine Karriere machen will. Wer die richtigen Codes nicht beherrscht (oder auch bewusst ablehnt), wird weniger Unterstützung finden von Leuten, die sofort, oft auch ohne es zu reflektieren, merken, dass man nicht aus dem entsprechenden Milieu kommt. Zu den „feinen Unterschieden“ mehr beim Klassiker mit dem gleichen Titel Pierre Bourdieu.

Ohne Frage ist Frau Görnitz mehr vom Westen und auch ihrer Generation geprägt, ich sehe da auch einiges anders, aber oberflächlich und pauschal finde ich sie erstmal nicht.

„In der DDR hatten nämlich auch nur am meißten die Menschen gemeckert, die sowieso schon alles hatten.“ Ja, kann mich lebhaft erinnern bei einer Monatgsdemo in Leipzig, als ich und ein paar andere Studierende eingekreist waren und beschimpft wurden, weil wir diesen Anschlusswahn irrsinnig fanden, und eine reformierte DDR forderten, mit dem Besten beider Systeme (heute wieder hoch im Kurs). Da war auch eine kreischende Frau im Pelzmantel und Schickimicki bei den Lautesten dabei, neben einem älteren desillusionierten ehemaligen FDJ-Sekretär, den ich aus seiner Perspektive verstehen konnte..

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Ehemaliger Nutzer 12.08.2012 | 18:41

Schlechtester Freitagsartikel aller Zeiten.

Quintessenz:

Die "Dame" hat eine Promotionsschrift in Politikwissenschaft verfasst, obwohl sie bis zum 17ten Lebensjahr mit Ihrer Ingenieursmutter im Arbeiterviertel gelebt hat.

Ich sehe da weder den "sozialen Aufstieg", noch die "proletarischen" Wurzeln. Beim nächsten mal die Sozialromatikstories irgendwo lektorieren lassen, danke!

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Ehemaliger Nutzer 12.08.2012 | 20:27

An die Verfasserin des Interviews!

Zu DDR-Zeiten waren eigentlich die Menschen, die im Neubau (Marzahn) wohnten, priveligiert!! Da diese Neubauwohnungen bestens Komfort hatten! Zentralheizung und warmes Wasser aus der Wand. Auch wenn das jetzt komisch klingt. Nur hatten die alten Mietshäuser in Berlin Prenzelberg oder anderswo noch Ofenheizungen! Da hieß es Kohlen schleppen bis teilweise in den 6.Stock!!

Selbst in Eigenheimen gab es vermehrt bis zur Wende noch Ofenheizungen und sogar Toiletten eine Etage tiefer. Die man sich auch noch teilen mußte. Und wer das Glück oder Priveleg hatte, eine Zentralheizung in seinem Eigenheim einzubauen, war meißtens von der SED bevorzugt worden! Meine Schwester ist verh mit einem Offizier, deren Eltern komischerweise "Westkontakte" hatte. Während ich mal von der Stasi zwecks Arbeitsaufnahme überprüft wurde und nur wegen einer Verwandschaft in der BRD abgelehnt wurde. Dagegen dieser Offizier regelmäßig über Genix, so hieß damals die Firma, wo man mit D-Mark einkaufen konnte, Güter für sein Eigenheim, ja sogar ein Auto, beziehen konnte. Trotz Zentralheizung in seinem Eigenheim mußte er noch mit Kohle heizen und hatte somit einen erheblichen Mehraufwand was warme Stuben betrifft als Arbeiter in der DDR!

Dieses Lügen von angeblichen armen Menschen aus der DDR ist einfach nur noch widerlich! und zum kotzen! Frau Görnitz ist schon deswegen privelegiert gewesen, da sie eben diesen Vorteil des Wohnkomforts in Kauf nehmen konnte. Auf Neubauwohnungen mußte man in der DDR auch lange warten!!

Der Artikel ist nicht rein zufällig erfunden??

Magda 13.08.2012 | 14:02

"Ich würde sie gern einmal fragen. wie es denn um die heutigen Marzahn-Bewohner steht: Wer interessiert sich dafür was sie sagen? Und wohin können sie reisen?"

Marzahn ist noch immer eine ziemlich gemischte Gegend. Ich habe einige Bekannte, die dort noch wohnen, weil es in bestimmten Ecken ganz gemütlich ist. Marzahn ist ja auch der Ort der "Gärten der Welt", es gibt kulturelle Einrichtungen und - eben auch Unterprivilegierte. Und viele Rentner. Ich habe da mal einige Veranstaltungen angeboten.

Aber, wenn eine Cindy aus Marzahn natürlich als so ein Klischee rumläuft, dann ist das schon eine eindeutige Festlegung.

Wolkenlos 13.08.2012 | 14:47

@KarinL: Ihr intensive Beschäftigung mit Interview ist interessant zu lesen. Irgendetwas daran scheint sie berührt zu haben. Schade nur, dass sie nicht versuchen, einen zwangsläufig verkürzten Versuch, eine persönliche Gegenwart mit der eigenen Herkunft in Beziehung zu bringen, zu nachzuvollziehen. Sie müssen sie ja nicht teilen.

Die Überschrift sagt "schämte". Sie schämte sich in den 90ern aus Marzahn zu kommen, weil es eine abrupte (mediale) Abwertung dieses Viertels gegeben hat. Dieses Erlebnis finden sie übrigens von vielen erzählt, besonders vor dem Hintergrund, dass sie in den 70ern und 80ern dahin gezogen sind, weil es ein Schritt war zur Verbesserung der Lebensqualität.

Und wenn man sich zeitlebens mit seinen Eltern über politische Systeme streitet, dann ist das eine andere Geschichte als mal analytisch über den Kapitalismus und den Kommunismus nachzudenken. Ersteres hat Frau Görnitz hier gemacht und ihre Antwort gegen, die aus den Gesprächen mit den Eltern entstanden ist. Wenn sie sich mit ihr hinsetzen und über Grundlagen verschiedener Systeme sprechen, würden sie wohl eine schon stilistisch aber auch inhaltlich differenzierte Antwort erhalten.

Regen sie sich ab und sehen sie nicht gleich hinter jedem Satz den Weltuntergang!

Peter Nowak 14.08.2012 | 11:37

Anja Görnitz ist ein Beispiel dafür, dass jemand verblödet sein kann, mit noch so viel Ausbildung. Allein ihre Kommunismusdefinition aus dem Lehrbuch des Dr. Knabe ist ein Armutszeugnis für eine Politikstudentin. Weder hat sie registriert, dass es in der DDR nie Kommunismus gab, dass man an vielen Plätzen des realen Kapitalismus nicht reisen darf, noch hat sie die aktuelle Kommunismus-Marxismusdebatte wahrgenommen. Das würde ihr ja auch die Karrierechancen im realen Kapitalismus schmälern. Ihr neoliberales Mantra, dass sie vor sich herdrängt, gibt Marx mal wieder recht. Das Sein bestimmt das Bewusstein und das Sein besteht für eine Anja Görnitz im Rattenrennen und den Posten.

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Ehemaliger Nutzer 17.08.2012 | 10:36

Ich verweise auf den User unter Ihrem Kommentar :-))

Sie sind genauso ideologisch verblödet und haben nichts verstanden, was ich beschrieben hatte!!

und noch mal extra FÜR SIE!!

FRAU GÖRNITZ KANN GAR NICHT DIE DDR BEURTEILEN, DA SIE NUR BIS ZU EINEM ALTER VON 7 JAHREN IN DER DDR GELEBT HATTE!! UND KOMMUNISMUS, SOZIALISMUS GAB ES AUCH NOCH NIE!!!!!!!

geht das in Ihren Kopf nicht rein?!....Ohh Herr lass Hirn vom Himmel regnen...

Und ja, ich rege mich auf, dass diese verlogene BRD die DDR-Geschichte ständig falsch wieder gibt!!! ES SIND MEINE WURZELN, DERER ICH MICH NICHT ZU SCHÄMEN BRAUCHE!!!! UND FAKT IST AUCH, DASS DIE MENSCHEN IN DER DDR WESENTLICH SOLIDARISCHER; AUTHENTISCHER; SOZIALE AGIERTEN!!!

Die DDR wurde erst mit Beginn der Kapitalismus Krise in den 70 igern materiell immer schlechter. Zumal die Menschen in der DDR viel mehr geleistet hatten als die Westdeutschen in der BRD!!! Wir hatten unsere Reparationen an den Russen bezahlt. Währen die BRD nur mit materiellen Gütern von den USA voll gepumpt wurde. Wer hat hier gearbeitet????!!!

Die BRD ist für mich eine verlogene, oberfläschliche Gesellschaft in der der Mensch noch nie tewas zählte!! Und die soziale Marktwirtschaft war auch nur pure IDEOLOGIE, da der Klassenfeind "Sozialismus" ja noch im Ostblock existierte. Alles gezielte Strategie!

Lesen Sie Krysmanski ...

http://www.uni-muenster.de/PeaCon/ELITENundGMK-16-6-09.pdf

oder dies

http://www.heise.de/tp/artikel/36/36539/1.html

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Ehemaliger Nutzer 17.08.2012 | 10:44

Und noch etwas...ich hatte auch immer im Elternhaus mich politisch mit dem System DDR auseinander gesetzt. da gab es auch mit meinem Vater sehr negative Erfahrungen. Es ist eben immer allles subjektiv.

Frau Görnitz schämte sich ihrer Wurzeln, weil sie ihren Aufstieg hinter her heuchelte. Anstatt sich dem zu stellen und dagegen aufzutreten!!

Das schlimmste ist aber doch, dass Frau Görnitz den Kapitalismus als das bessere System anprangert. Wobei diese Frau ja gar nicht die DDR wirklich kennen gelernt hatte. Frau Görnitz betriebt diesbezüglich ganz klar eine "Probaganda" im Sinne der Eliten!! Nur um ihren eigenen Vorteil. Und mit Sicherheit würtde sie genauso nach unten treten!

Eigentlich kann einem Frau Görnitz nur leid tun...da sie sich ständig verbiegen muß um Anerkennung zu bekommen. Und ja, Frau Görnitz ist auch nur "systemrelevant". Während ich mir und meinen Ansichten, Idealen immer treu geblieben bin!! Das nennt man auch Charakter! Wobei ich gerne auch andere Meinungen akzeptieren und meine Ansichten revidieren kann. Verbiegen lasse ich mich aber nicht. Weder in der DDR, geschweige in der BRD!!!

Kleiner Merk 18.08.2012 | 11:13

@ Anja Görnitz, @ Maxi Leinkauf

Kein Mensch muß sich für seine Herkunft oder seine Wohnanschrift in unserer Welt schämen. Ganz gleich ob er aus einem Stadtteil in Berlin, Dortmund, Duisburg, Schwerin, München oder anderswo herkommt.

Kein Mensch muß das Benehmen für eine passende Fassade annehmen.

Kein Mensch braucht einen Akademiker, einen Politiker oder einen Journalisten, der ihm vorschreibt, was eine gerechte Gesellschaft, was sozial und was solidarisch ist. Das können die Menschen allein und garantiert besser. Es kommt aus ihren Herzen.

Eltern wollen für Ihre Kinder stets das Beste. Sie freuen sich, wenn es ihren Kindern gut geht und wenn sie erfolgreich sind. Neid und Mißgunst sind einer Familie fremd. Neid und Mißgunst sind noch aus einer anderen Welt. Neid und Mißgunst, Gier, Eigennutz und Überheblichkeit werden vor allem von den Medien mit ihren Mitarbeitern gepflegt.

Maxi Leinkauf 21.08.2012 | 10:36

Liebe Karin L., ich sehe das Thema beschäftigt sie sehr und ich interessiere mich auch für Ihre Ansichten/Ihre Wahrnehmung... selbst wenn mir der Umgangston an einigen Stellen missfällt ( wenn Sie zum Beispiel von "Frechheit" sprechen).

Was den Begriff Getto angeht, so lässt sich aus meiner Sicht aus der Frage und den Antworten herauslesen, dass es da eher um den Blick der anderen, um Vorurteile, geht - denen man sich nicht aussetzen will, als um eine Meinung oder Haltung der Autorin.

Ich finde das Gespräch ehrlich, denn die Interviewte ist sich ja auch ihren eigenen Schubladen/Widersprüchen bewusst.

Und noch eine neugierige Frage: Warum lesen Sie Gespräche? Suchen Sie da eigentlich nur die Bestätigung Ihrer eigenen Haltung?

Beste Grüße,

Maxi Leinkauf

Kleiner Merk 21.08.2012 | 16:27

Ihr Zitat im Interview: "Sie wollten sich nicht den Getto-Stempel aufdrücken lassen?"

Es gibt Menschen, die benutzen das sogenannte landläufige Gerede und Zitate um dies auch kundzutun.

Herr Blome z.B. ist darin besonders geübt. Er zitiert Leute mit herben Aussagen und betont gleichzeitig, daß er es doch nicht gesagt hat. Er sagt es aber trotzdem, und das natürlich vollkommen bewußt.

Was ist das denn? Das ist die Pflege von solchen Aussagen im Interesse der Meinungsbildung. Für Bildung hätte es auch ein treffenderes Wort sein können.

Das Wort "Getto" kommt nicht gut an. Es ist vollkommen unpassend, wenn nicht mehr.

Die paar Zeilen eines Artikels hat man schnell gelesen. Und genauso schnell bilden sich katastrophale Assoziationen, die von vornherein vermeidbar wären.

Liebe Grüße.

Maxi Leinkauf 22.08.2012 | 12:22

Danke für den Kommentar - die Antwort auf die Frage beweist ja, dass es hier darum geht, nicht in eine Schublade gedrängt zu werden, und Marzahn, sorry, galt nunmal in Ostberlin als eine Art Getto, als Betonwüste, als Randgebiet - man war in gewisser Weise abgeschottet, wenn natürlich auch nicht im Sinn anderer globaler Citys. Ich denke wenn jemand selbst es so empfindet, sollte man es auch so stehen lassen und ernst nehmen...

Grüße

ML

Die Unsichtbaren Deutschen 25.08.2012 | 00:35

Kein Mensch muss sich für seine Herkunft schämen. Recht haben Sie. Aber in der Informationsgesellschaft muss man vorsichtiger sein; Personaler durchstöbern inzwischen Facebook und andere Soziale Netzwerke, um Bewerbungen zu filtern.

Gesetzlich ist das untersagt, aber beweisen Sie das einmal vor Gericht. Personaler sind vor Vorurteilen nicht gewappnet. Gatekeeper nehmen sich gern heraus auch geeignete Bewerber aus den Out-Groups auszugrenzen, wenn sie meinen, dass es dem Betriebsklima der In-Group ungestört läßt.

Fräuleinchen 25.08.2012 | 17:24

"Erst seit ich etwas erreicht habe, gehe ich offensiv mit meiner Herkunft um."

Watt haste denn erreicht? Offensichtlich, Dich genauso kritiklos anzupassen, wie Deine Eltern. Aber mit 'nem Dr. vor Muttis Namen werden sich hoffentlich spätere Kinderlein nicht mehr Deiner (Herkunft) schämen...

Eine Doktorarbeit über "globale Gerechtikeit" von Einer, die sich ihrer Herkunft schämt.

Sorry, aber das finde ich beschämend.

Fräuleinchen

Ein Arbeiterkind aus dem Ost-Berlin, das nichts "erreicht" hat...