Leben im Bullshit

Interview Mathilde Ramadier will keine Welt, die aus Coworking Spaces besteht. Die Freiheit der Start-ups ist für sie eine neoliberale Lüge
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 03/2019

Ein Hinterhof in Berlin-Kreuzberg, geräumige Wohnküche, Büro und Kinderzimmer. Im Flur hängt eine historische Frankreich-Karte und das Bild einer Nackten, die auf einem Pferd reitet. Sie habe es vom Pariser Flohmarkt, sagt Mathilde Ramadier sanft. Im Gespräch klingt sie dann resoluter.

der Freitag: Frau Ramadier, Sie waren in zwölf Berliner Start-ups tätig. Wie kamen Sie in diese Sphäre?

Mathilde Ramadier: Ich kam 2011 von Paris nach Berlin und suchte einen Job, denn von meiner Arbeit als Autorin konnte ich noch nicht leben. Die Stellenanzeigen der Start-ups klangen sexy, nach einer Welt des befreiten Arbeitens.

War das naiv?

Ja, ich merkte schon nach ein paar Tagen, dass die Leute unter Druck stehen und Angst herrscht. Ich hatte zwar schon in Paris als

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