Pfeif drauf

Werbekritik Ein seltsamer Mann im Kostüm eines Kochs steht neuerdings in der Nähe der Friedrichstraße vor einem Restaurant. Statt sanft neue Gäste zu werben, bellt er die Leute an

Er musste sich verirrt haben, dieser Mann wirkte an diesem Ort wie ein ausgesetzter Clown: Eines Tages stand er in der Nähe der Friedrichstraße in Berlin. Über seinem prallen Bauch spannte eine rote Schürze, auf dem Kopf trug er eine Kochmütze, um den Hals ein Tuch, das so aussah wie die ­Decken auf dem Tisch, der hinter ihm aufgebaut war. So pittoresk er anmutete, so seltsam waren die Ge­räusche, die er von sich gab, wenn man vorbeilief.

Tags darauf stand er wieder vor dem Eingang des Ristorante, in der gleichen Kluft. Auf dem Tisch thronten Pasta­dosen, ein Keramik-Engel, Weintrauben aus Plastik und eine (echte) Lachspizza.

Was hatte der Narr damit zu tun? War er etwa strafversetzt? Er musste dazu gehören. Ein Cousin des Chefs, der noch einen Job brauchte? Man kennt solche professionellen Anwerber aus dem Quartier Latin beispielsweise, dort belagern sie (Spanier, Kroaten, Araber) einen und rufen: „S’il vous plaît Madame, entrez!“ Engagierte Lockvögel. Auf griechischen Inseln sehen sie nicht nur aus wie einheimische Bauern, sie sind es: schauen in die Sonne, paffen Pfeife – und das Lokal ist voll.

Im kalten Berlin bräuchte man samtige dolce-vita-Stimmung, doch der so ­eigenartig nationslose Anwerber bellt: ein knappes Ciao, Ja, kommen rein, oder: Yes, yes. Den ganzen Tag über. Er verwirbelt seine Wortfetzen so rasant wie Quasimodo in Der Glöckner von Notre Dame, der um Esmeralda buhlt. Für den Ernstfall hat Quasimodo von der Friedrichstraße aber noch einen Plan B: die Trillerpfeife.

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14:45 24.11.2011
Geschrieben von

Maxi Leinkauf

Redakteurin Alltag
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Maxi Leinkauf

Ausgabe 42/2021

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