"Wo war sie gefangen?"

Eventkritik Ingrid Betancourt inszeniert sich in Berlin als ewige Ex-Geisel, Iris Berben liest aus ihrem Buch über die Zeit im Dschungel. Die Botschaft heißt: Kämpfen
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Was im Urwald geschah, soll im Urwald bleiben, hatte sie 2008 verkündet. Doch das ist lange her. Nun präsentiert Ingrid Betancourt in Berlin ihr Buch über die Zeit als Gefangene. Es ist ein sonniger Sonntagvormittag, an dem sich etwa 200 Menschen im Foyer des Berliner Ensemble drängen. Erst kommt das Fressen, dann die Moral, steht auf den T-Shirts, die am Stand verkauft werden. Brechts Parole, sie passt irgendwie auch auf die Geschichte der berühmtesten Ex-Geisel der Welt.

„Wo war sie gleich gefangen, in Afrika?“, fragt ein junger Mann. Die gepflegten Damen mittleren Alters schauen irritiert. Der Einlass verzögert sich. „Die werden doch jetzt nicht etwa ein Dschungelcamp aufbauen“, sagt eine Frau. Sechs Jahre lang war Betancourt in der