RE: Die Nacht im Hamburger Schanzenviertel | 12.07.2017 | 12:15

Hallo Leute,

verzeiht, dass ich nicht jedem hier einzeln Antworte, sind etwas viele Kommentare geworden. Und ich nehm mir auch einfach mal das Recht raus, dann auf freitag.de zu gehen, wenn ich Lust habe, und nicht wenn hier der Zirkus abgeht - auch wenn das hier schon kritisiert wurde ;)

Naja, was soll ich sagen? Es ist halt ein Erfahrungsbericht. Ihr könnt euch daran aufhängen, ihr könnt meine Ansichten auch diskreditieren (was ja gar nicht alle tun) aber so leid es mir tut: ihr könnt meine gemachte Erfahrung in Hamburg nicht rückgängig machen.

Was ja genau das Problem ist. Friedliche Demonstranten die gepfeffert werden lernen etwas. Die einen werden einen Teil ihres Vertrauens in die Polizei verlieren, vielleicht sogar in den Rechtsstaat. Einige werden sich radikalsieren, einige werden "noch friedliche" und konformer.

Wie auch immer. Ich wollte und will mit dem Artikel einen Blickwinkel in das Geschehen rund um die G20-Proteste einbringen und der muss auch niemanden gefallen. Aber ich werde mich auch nicht dafür entschuldigen. Ich war vor Ort, ich habe bestimmte Szenen erlebt und meine Schlüsse daraus gezogen.

Im Gegensatz zu vielen anderen hier, by the way.

Also nichts für ungut, wenn ich die immer gleiche, nur jeweils anderes interpretierte dpa-Basisinformation (denn nur noch wenige Medien waren in dieser Nacht tatsächlich vor Ort - was auch daran liegen mag, dass man den nervigsten und aufsässigsten Journalisten mal fix das Pressemandat entzog) als für mich weniger Relevant einstufe als das Pfefferspray im Gesicht oder der Tritt in die Kniekehle.

Und klar: Von solchen Protestepisoden geht keine produktive, postkapitalistische Idee aus. Dafür gab es aber z.B. Mi und Do in Hamburg den Gegengipfel, an dem wir 48 Stunden nichts anderes gemacht haben, als Konzepte, Ideen und Möglichkeiten der Systemveränderung, Überwindung oder Verbesserung diskutiert haben - und viele Leute die dort waren haben danach auch sehr unschöne Zusammenstöße mit der Polizei gehabt und nicht mit dem Schwarzen Block.

Ich bleibe dabei, für mich würde es sich unsolidarisch anfühlen mich von den Leuten zu distanzieren, die sich als einzige (keine anderen Polizisten, keine Juristen, keine Presse, keine Palentarischen Beobachter - die ohnehin nur die Linke geschickt hatte, und dass in mit einem rot-grünen Senat) vor mich gestellt haben.

Aber solche Erfahrungen macht man halt auch nur, wenn man auf die verdammte Demo fährt!