Eine Billion Dollar - eine Buchbesprechung

Bücherregal: Eine wohlwollende Buchbesprechung zu Andreas Eschbachs Roman "Eine Billion Dollar". Ein tolles Buch: Es ist angenehm zu lesen und lässt trotzdem keine Tiefe vermissen.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Stell dir vor, du erbst eine Menge Geld. Damit meine ich nicht die Größenordnung eines mittleren Sparbuches. Es geht um richtig viel Geld. Soviel, dass selbst die reichsten Männer der Welt zusammen nicht so viel besitzen wie du. Ich nehme an, wir würden alle zuerst einen Sportwagen, dann die Villa kaufen und zum Schluss des guten Willens wegen ein wenig spenden. Aber was passiert danach?

New York Mitte der neunziger Jahre: Der mittellose Pizzabote John Salvatore Fontanelli bekommt Besuch von einer Gruppe von Anwälten, die ihn in das Geheimnis eines seltsamen Erbes einweihen. Vor 500 Jahren wurde eine überschaubare Menge Geld angelegt. Nun wird ihm offenbart, dass er laut Testament der rechtmäßige Erbe sei. Durch Zins und Zinseszins wuchs das Vermögen auf mittlerweile eine Billion Dollar, deren Besitzer nun John sein soll. Jedoch ist an den letzten Willen des Verstorbenen eine kryptische Bedingung geknüpft: Der Erbe soll der Menschheit ihre verlorene Zukunft zurückgeben.

Für einen schlichten Pizzaboten, dessen größtes Problem in der Regel das Bezahlen seiner Miete ist, kann diese Bedingung unmöglich erfüllbar sein. Was soll er, John Salvatore Fontanelli, dazu beitragen?

Er begibt sich in die Zusammenarbeit mit einem genialen, aber schwer durchschaubaren Wirtschaftsberater, der ihm scheinbar dabei helfen will die Prophezeiung zu erfüllen.

In kürzester Zeit wird ein Unternehmen gegründet, es werden Konkurrenten geschluckt, Politiker werden beeinflusst, um möglichst schnell über wirtschaftlichen Einfluss zu verfügen. Das Ziel lautet: Über Einfluss die Welt gestalten.

Erst im Laufe der Zeit bemerkt John hinter jenem noblen Ziel die unmoralische Arbeit seines Kollegen. Der Verzweiflung nahe, beginnt er, über seine Rolle nachzudenken und kommt zu einer überraschenden, aber niederschmetternden Erkenntnis.

Andreas Eschbach erklärt in wunderbar verständlicher Sprache beinahe nebenher die globalen Finanzmärkte. Natürlich ist das Buch ein Roman und soll keine wissenschaftliche Arbeit darstellen. Trotzdem schafft es der Autor, enorm viele Fakten und wirtschaftliche Zusammenhänge in der Handlung des Buches zu vermitteln.

Eine Billion Dollar stellt aber durchaus mehr als einen Wirtschaftsroman dar. Der Autor erschafft einige sehr wohl differenzierte Protagonisten, die von verschiedenen Motiven geplagt werden. Dadurch lässt er das eine oder andere Mal den Leser in jene tiefen menschlichen Abgründe blicken, die wir als etwas Böses in der Welt zu sehen glauben.

Das Buch ist ein Werk für alle Gelegenheiten. Es ist einfach, aber gut geschrieben. Trotz leicht verständlicher Sprache entbehrt es aber keinesfalls dem guten Niveau, denn der Inhalt vermag einiges zu bieten. Auch die Handlung kann überzeugen, denn durch viele überlegt platzierte Überraschungsmomente entsteht keine langweilige Geradlinigkeit.

Insgesamt ist es möglich, dieses Buch ohne Fragen zu lesen, aber es lohnt sich, sich nach dem Lesen über die Bedeutung des Geldes bewusst zu werden.

erschienen ist der Text in der Winterausgabe der Studentenzeitschrift "zUSTAende" der Hochschule der Medien in Stuttgart
13:17 08.12.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Maxomatify

Nach meiner Zeit bei der einundzwanzig studiere ich jetzt Mediapublishing und arbeite an der Hochschulzeitschrift als Texter und im Layout.
Schreiber 0 Leser 0
Avatar

Kommentare 2

Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community