Mal übers Denken lesen....

Gehirn: Neben neurobiologischem Kram findet hier so manches Interessantes statt. Abseits der Naturwissenschaft beschäftigt sich auch die Philosophie mit Gedankenstrukturen.
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Philosophie kann euch helfen, das Leben in einer chaotischen Welt besser einzuordnen . Was zunächst so trocken klingt, ist eigentlich ganz einfach. Eure Gedanken sind wertvoll und bedürfen möglicherweise einer Kategorisierung – dieser Artikel soll euch helfen, eine grobe Idee von sechs bekannten Philosophen zu bekommen.

Wir denken. Das ist unbestritten. Seit ca. 2800 v. Chr. beschäftigt den Menschen die Frage, warum wir denken, wie wir denken und was wir denken. Die Frage nach unserem Ursprung und dem Sinn unserer Existenz beschäftigt die Philosophen seit Geburt dieser Disziplin. Da die Philosophie aber aus unterschiedlichen Teilgebieten besteht, beschränkt sich dieser Artikel auf die Frage des gelingenden Lebens, also der Ethik.
Die antike Ethik liefert uns Antworten über die existenziellen Fragen des gelingenden Lebens. Im Mittelalter spielen Religionsphilosophen eine große Rolle. In der Neuzeit kommt es eher auf das Leben inmitten der Gesellschaft an. Dabei können die Theorien der großen Denker für die praktische Philosophie im Alltag eine große Rolle spielen. Einige davon vermögen den Denkenden sogar zu trösten.
Aber warum betreibt der Mensch Ethik? Im Grunde genommen gibt es vielfältige Motive: Unzufriedenheit, Neugierde, Gerechtigkeitssinn, Notlagen oder der Spaß am Spielen mit Gedanken.
Alle diese Gründe sind ein Teil des Menschen, der uns menschlich macht. Wir haben ein Bewusstsein und die Fähigkeit zu denken. Wir definieren uns nicht durch Instinkte, sondern nennen uns selbst „homo sapiens“, also einen einsichtsfähigen bzw. weisen Menschen.
Die Gedanken beziehen sich auf eine Art kleinsten gemeinsamen Nenner:
Der Mensch lebt in einer für ihn scheinbar existenten Wirklichkeit. Sozusagen in einer für ihn subjektiven Realität. Diese Realität wird – da subjektiv – von jedem Menschen anders wahrgenommen. Wenn der Mensch Überlegungen über das Leben anstellt, bezieht er sich zuerst auf die Wirklichkeit. Ethik beinhaltet Überlegungen, die eine Wirklichkeit betreffen, die auch immer anders sein kann.

Eine gute Basis um jegliches ethisches Konzept zu verstehen, bieten die drei berühmten griechischen Philosophen Sokrates, Platon und Aristoteles. Grundsätzlich sind die drei antiken Philosophen auf der Suche nach dem höchsten Gut, das dem Menschen erreichbar ist.

Sokrates war im Begriff dem Guten im Dialog näher zu kommen, indem er eine These im Dialog mit Anderen prüfen und gegebenenfalls durch eine Bessere ersetzt. Dieser Ansatz hängt sehr eng mit rhetorischen Theorien zusammen. Für Sokrates liegt das Gute im Ergebnis, das zwei Menschen zusammen entwickeln – eine noch heute sehr praktikable Möglichkeit, sei es in Projektgruppen, der Beziehung oder der WG.

Platon, Sokrates Schüler erdenkt Jahre später das Höhlengleichnis. Grob erklärt, verlangt Platon vom Menschen sich unter Zuhilfenahme seiner naturgegebenen Vernunft, höhere Erkenntnisstufen zu erlangen. Nach Platon ist die höchste Stufe der Erkenntnis, die der Ideen, der Gedanken und der Vernunft. Also ist nach Platon das Gute, was der Mensch in der höchsten Stufe der Erkenntnis als das Beste erkennen kann. Daher, lieber Leser, denkt so viel ihr könnt. Es wird nicht schaden.

Aristoteles, ein Schüler Platons, geht von einer Aktivitätenkette aus. Er stellt die Frage, nach dem Ziel, das wir mit einer Aktivität verfolgen. Am Ende der Kette steht nach Aristoteles ein Ziel, das wir um seiner selbst anstreben. Also ein Ziel, das nicht als Mittel für das Erreichen eines höheren Ziels gedacht werden kann. Wenn Sie diese Theorie auf Ihr eigenes Leben anwenden, werden Sie feststellen, dass alle Aktivitäten, die Sie unternehmen, sich auf das Ziel eines glücklichen Lebens zubewegen. Das gilt auch für unangenehme Dinge, wie Versicherungsverträge oder der Reifenwechsel. Letzten Endes werden Sie diese Dinge tun, um glücklich zu sein.
Die Philosophie der Antike wirkt sehr reduziert. Aber genau diese scheinbare Verallgemeinerung vermag alle später folgenden Philosophien als Hilfstheorie zu unterstützen.

Nach der dunklen Zeit des Mittelalters, die von Despoten, der Kirche und Seuchen beherrscht wurde, beginnt in der Renaissance eine Rückbesinnung auf die alten Werte der Antike. Die ursprüngliche Wortbedeutung Wiedergeburt kommt der gesellschaftlichen Entwicklung der nächsten Jahrhunderte sehr nahe. Wissenschaftler und Denker beziehen sich wieder auf antike Ideen und beginnen eine Revolution, die zuerst in den Köpfen der Menschen stattfinden sollte.
Historisch betrachtet gipfeln diese Ideen erst in der Aufklärung, die Immanuel Kant sehr schön, mit folgenden Worten beschreibt: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“.
Der Mensch hat sich selbst in die geistige Sklaverei gestürzt. Ideen um den neugewonnenen Mut zur Besinnung auf die Stärke des Geistes Platz zu schaffen sind gefragt. Im nächsten Jahrhundert, befindet sich die europäische Philosophie auf einem Höhepunkt. Große Denker wie Hegel, Nietzsche und Kant beherrschen den philosophischen Diskurs und bieten noch heute interessante Ideen.

Immanuel Kant, ein revolutionärer Philosoph, dessen große Idee war, dem Menschen in der Theorie ein friedliches Leben in einer Gesellschaft zu ermöglichen. Der größte Clou daran: Der Mensch bewahrt dabei die Freiheit! Diese Idee, so formulierte sie Kant als Kategorischer Imperativ, verlangt vom Menschen eine Handlung nur nach derjenigen Maxime, durch die er zugleich wollen kann, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.
Allerdings schränkt Kant, in Bezug auf die antike Philosophie, für die vernunftbegabten Wesen ein, sprich für den Menschen. Ob er allerdings für alle Menschen gelten kann, steht auf einem anderen Blatt – aber leider nicht in diesem Heft!

Nietzsche, ein radikaler Denker zweifelsohne. Der an Syphilis erkrankte Philosoph, sah das Leben als Last. Die Last aber als Herausforderung, zu wachsen. Im großen Werk „Also sprach Zarathustra“ behauptet er, nach dem Erleiden eines Unglücks, solle man sich besser dafür bedanken. Warum? Da nur das Leid für die Entwicklung des Menschen förderlich sei. Das Gute ist also das Vermögen, die oft schmerzliche Wirklichkeit, also Steigerung des eigenen Lebens interpretieren zu können.
Eigentlich eine sehr aufmunternde Theorie. Was uns nicht umbringt, macht uns nur stärker. In diesem Sinne: Kopf hoch!

Was passiert, wenn die Moral selbst kritisiert wird? Hegel, zuerst ein glühender Anhänger der französischen Revolution, wird von deren Ausgehen schwer enttäuscht. Die zuerst hehren Ziele des Volkes entwickeln sich zu einem ideologischen Gemetzel, das viele Menschen das Leben kostet.
Für Hegel, übrigens ein Stuttgarter Philosoph (Marginalie Hegelhaus), lässt die absolute Sicherheit, moralisch positiver Entwicklungen schnell ins Böse umkehren. Das eigentlich Böse ist die absolute Trennung von Gut und Böse.
Hegel formuliert hiermit eine Mahnung für alle kommenden Generationen, auf die man besser hören sollte. Mehr differenziert betrachten und weniger Ideologie – egal welche!

Philosophie muss nicht allgemeingültig sein. Das verlangt sie auch gar nicht. Wäre sie allgemeingültig, würde die Hegelsche Kritik sogar die Philosophie an sich kritisieren.
Die sechs nur in aller Kürze vorgestellten Denker widersprechen sich mitunter sehr. Keine Theorie hat den Anspruch der absoluten Wahrheit, nicht einmal die beinah allgemeingültigen antiken Denker. Selbst diese Ideen mögen irren. Die Ideen sollen nicht immer stimmen. Philosophie ist keine Ideologie, sondern vereint alle Möglichkeiten, uns mithilfe unseres Gehirns im Leben zurechtzufinden. Aber selbst unsere Vernunft bringt uns nicht immer weiter. Nichts ist absolut wahr. Nicht nur die Wirklichkeit kann anders sein, sondern auch immer die Wahrheit, die ihr innewohnt!

Dieser Artikel ist in der Winterausgabe der Studentenzeitschrift "zustaende" der Hochschule der Medien erschienen.

Hier gehts zum Blog: https://blog.hdm-stuttgart.de/zustaende/

07:31 13.02.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Maxomatify

Nach meiner Zeit bei der einundzwanzig studiere ich jetzt Mediapublishing und arbeite an der Hochschulzeitschrift als Texter und im Layout.
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