Islamischer Staat?

Eine Sprachkritik Ist der selbsternannte Islamische Staat wirklich ein Staat? Eine Kritik an dem unüberlegten Gebrauch von Sprache
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Nachdem die Anhänger des Abu Bakr al-Baghdadi, die seit 2003 durch Terror in Syrien und Irak von sich Reden machen, im Jahr 2014 das Kalifat ausriefen und kundtaten, dass die von ihnen durch Terror und Völkermord eroberten Gebiete nun ein Staat seien, hat man in den westlichen Medien den Begriff "Islamischer Staat", kritiklos übernommen.

Nun mag sich dieses Gebilde durchaus dadurch auszeichnen, dass es eine Führung hat, mittlerweile über ein Volk verfügt und natürlich auch über Repressionsorgane. So weit so schlecht.

Sollten wir in unseren Medien deswegen diesen Namen "Islamischer Staat" kritiklos übernehmen und verwenden? Ich meine nein! Dadurch erfährt dieses Produkt des Terrors m.E. zum einen nämlich eine Aufwertung, die wir ihm nicht zukommen lassen sollten.

Zum zweiten gehen wir den Dschihadisten ein weiteres Mal auf den Leim: Durch Verwendung des Begriffs "Islamischer Staat" werden allzu schnell alle Anhänger des Islam unter diesen Namen subsumiert - und schon hat sich ein Feindbild in unseren Köpfen festgesetzt!

Obzwar das vielleicht nicht gerade eine der wichtigsten Fragen ist - oder vielleicht doch, geht es hier doch auch um das Denken der Menschen - sollten wir diesem sogenannten Staat einen passenderen und weniger irreführenden Namen geben! Zum Beispiel: Das Terrorkalifat. Oder: Das Dschihadistenkalifat. Damit wäre zumindest im Kampf um Meinungen und um die Köpfe der Menschen ein kleiner Sieg errungen, indem die Gefahr, dass der Islam und der terroristische Islamismus stets in einen Topf geworfen werden, ein wenig gebannt wäre.

Ein Thema das mich auch schon eine geraume Zeit umtreibt ist die ständige Verwendung des Begriffs "Hinrichtung", wenn wieder ein Mensch von einem Dschihadisten des Terrorkalifats umgebracht wurde. Meine Meinung dazu: Eine Hinrichtung setzt zunächst einmal eine - wie auch immer - funktionierende Justiz voraus, die ein Urteil gefällt hat. Damit haben wir es im Falle der Morde an Andersgläubigen durch die Terrormilizen in Syrien und im Irak nicht zu tun! Es handelt sich bei diesen Untaten immer und einzig um Mord - und das sollten wir auch nicht anders nennen! Also, liebe Medien: streicht das Wort Hinrichtung aus eurem Wortschatz, wenn ihr wieder mal über einen Mord an einem Menschen durch die Terrormilizen berichtet!

20:17 19.11.2015
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Geschrieben von

maxundmoritz

"Ich lebe, ich bin parteiisch." (Antonio Gramsci) Alter, linker Polit-Grantler mit Vorlieben für guten Espresso und schottischen Whisky.
maxundmoritz

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