75 Jahre Kriegsende

Ein friedvolles Europa Das Ende des Zweiten Weltkrieges und der Weg zu einem neuen Deutschland
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Am 8. Mai jährt sich das Gedenken zum Ende des Zweiten Weltkrieges. 75 Jahre sind inzwischen vergangen. Noch gibt es Zeitzeugen, die den Schrecken eines nie da gewesenen Infernos menschlicher Gewalt und Zerstörungswut überlebten. Der Zweite Weltkrieg war ein ungeahntes Vernichtungsszenario, bei dem es rund 65 Millionen Opfer zu beklagen gab. Allein die sowjetische Seite musste mit 27 Millionen toten Soldaten und Zivilisten einen riesengroßen Blutzoll zahlen. Die Grauen des Krieges gingen einher mit unvorstellbaren Verbrechen gegen die Menschlichkeit, ethnischen Säuberungen und einem Völkermord an den europäischen Juden, durch den Rassenwahn des nationalsozialistischen Regimes.

Entfachen der Apokalypse

Am 1. September 1939 begann Adolf Hitler den Eroberungsfeldzug gegen Polen, welcher den Zweiten Weltkrieg auslöste. Eine Aggression, welche sich bereits zuvor angekündigt hatte und durch das phlegmatische Handeln der europäischen Mächte Großbritannien und Frankreich bei der Annektierung des Sudetenlandes durch Nazi-Deutschland noch ermutigt wurde. Durch den zuvor geschlossenen Nichtangriffspakt Hitlers mit dem Sowjetführer Stalin und der totalen militärischen Übermacht, war Polen völlig chancenlos. Auf deutscher Seite wurden die gefürchteten Sturzkampfbomber eingesetzt, welche die nachrückenden Truppen- und Panzerverbände unterstützten. Ganze Ortschaften wurden so mit großen Opferzahlen unter der Zivilbevölkerung dem Erdboden gleich gemacht. Die Taktik des Blitzkrieges war geboren und spielte in der Folgezeit beim Eroberungskrieg im Westen eine wesentliche Rolle.

Von Beginn an wurde der Eroberungskrieg mit voller Härte geführt. Deutsche Truppen besetzten bereits im Jahr 1940 große Teile Nord- und Westeuropas. Das mit Hitler verbündete Japan verfolgte seine eigenen Zielsetzungen im südostasiatischen Raum. Das ebenfalls zu den Achsenmächten gehörende Italien hatte zwischenzeitlich versucht, in Nordafrika Fuß zu fassen, sodass sich der Kriegsschauplatz auch hier ausweitete. Der sowjetisch-deutsche Nichtangriffspakt war die Tinte nicht wert, mit welcher er geschrieben wurde. Bereits am 22. Juni 1941 brach Hitler alle Verträge und marschierte im Rahmen des Unternehmens „Barbarossa" in die Sowjetunion ein, welche sich fortan in der blutigsten Auseinandersetzung der Menschheitsgeschichte, dem „Großen Vaterländischen Krieg“ befand. Neben der Nazi-Doktrin besonders im Osten neuen Lebensraum zu schaffen, begann die akribische und systematische Massenvernichtung an den europäischen Juden. Über 6 Millionen von ihnen kamen beim Holocaust ums Leben.

Wende und Neubeginn

Im Jahr 1943 wendete sich das Kriegsgeschehen und Nazi-Deutschland verlor das Heft des Handelns. Bereits im November 1942 war die 6. Arme im Kessel von Stalingrad eingeschlossen worden und verloren. Eine folgenschwere Niederlage. Mit dem verstärkten Kriegsengagement der USA in Europa und der Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944, war das Ende des Deutschen Reiches quasi besiegelt.

Das enorme Bombardement der US-Luftwaffe und der englischen Air-Force zerstörte nahezu alle deutschen Städte und Industrieanlagen. Am 25. April 1945 trafen bei Torgau an der Elbe erstmals sowjetische und amerikanische Truppenverbände zusammen. Rund zehn Tage zuvor hatte die Schlacht um Berlin begonnen. Nach dem Tod Hitlers und der bedingungslosen Kapitulation der gesamten deutschen Streitkräfte durch Generaloberst Jodl im französischen Reims, unterzeichnete Wilhelm Keitel, Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, in Berlin Karlshorst einen Tag später die Kapitulation gegenüber der Sowjetunion. Der Krieg in Europa war vorüber. Das japanische Kaiserreich kapitulierte erst Anfang September, nach dem Abwurf der ersten beiden Atombomben über die Großstädte Nagasaki und Hiroshima.

Eingebetteter Medieninhalt

Die Folgen des Zweiten Weltkrieges wirkten lange nach. Erst mit festen Bündnissen, wirtschaftlichen Aufschwung und einer engen europäischen Zusammenarbeit gelang es, einen dauerhaften Frieden zu etablieren. Dieser musste sich in den Zeiten des Kalten Krieges und der nuklearen Aufrüstung beweisen. Mit den Umbrüchen in der Sowjetunion und Mittelosteuropas, der darauf resultierenden Deutschen Einheit und der Integration des europäischen Gemeinschaftsgefüges gelang dieser schwierige, bewahrende Prozess. Zum 75. Jahrestag des Kriegsendes waren ursprünglich viele Veranstaltungen geplant, die nun allerdings meist der aktuellen Situation durch die Folgen der Corona-Pandemie zum Opfer fielen. Dennoch sind in den Medien etliche interessante Dokumentationen mit Zeitzeugenberichten zu sehen. Empfehlenswert ist auch ein Besuch an historischer Stätte, beispielsweise dem Deutsch-Russischen Museum in Berlin-Karlshorst, dem authentischen Ort der Kapitulation.

18:49 08.05.2020
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Geschrieben von

Matthias Berg

Student der Geschichtswissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Matthias Berg

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