mbert

Ukraine - ihre Kultur, Geschichte und Politik
mbert
RE: Der Kampf geht weiter | 12.09.2020 | 14:17

Gerade da mal reingeschaut - das ist ja fürchterlich. Hab das Tab schnell wieder geschlossen...

RE: Der Kampf geht weiter | 08.09.2020 | 09:14

So wie es aussieht, war Kolesnikovas Festnahme wohl Teil einer zwangsweisen Ausweisung. Nicht doof. Hätte man ihre Leiche irgendwo im Wald gefunden, wäre die öffentliche Wirkung immens gewesen. So schiebt man sie ab und ist sie ebenso los. Derartiges werden wir wohl in den nächsten Wochen noch häufiger zu sehen bekommen.

RE: Gemeinsam für eine bessere Zukunft kämpfen | 05.09.2020 | 22:11

Ich glaube nicht, dass wir da einen Dissens haben. Meine Aussweitung des beschriebenen Sachverhalts war ja nicht auf das Thema "Feindbilder" fokussiert, es ging vielmehr um das Phänomen ideologischer Cluster (die eben besonders anfällig für populistische Vereinfachung sind) - und die sind nun einmal ein Problem, das sich in unserer Gesellschaft längst nicht nur in der Linken ausbreitet.

Was das "klassische Feindbild" der Linken betrifft, teile ich das nicht. Ich glaube, dass das Streben nach nachhaltiger gesellschaftlicher Veränderung nicht auf Feindbildern aufbauen sollte. Aber das hat aber mit dem obigen Artikel schon nichts mehr zu tun.

RE: Gemeinsam für eine bessere Zukunft kämpfen | 05.09.2020 | 15:19

Sowohl die Diagnose als auch eine etwaige Therapie ist wohl nicht auf die Linke allein beschränkt, sondern lässt sich auch in anderen Bereichen des Spektrums finden. Gerade die Clusterbildung, wo Menschen ihre Identität auf der ideologischen oder physischen Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen aufsetzen, scheint mir allgemein ein Merkmal unserer Zeit zu sein.

Sie haben dabei ganz richtig auf die Partei "die Grünen" hingewiesen, bei denen traditionell die legendäre (aber eh schon schwächer gewordene) Konfliktfreude plötzlich verstummt, wenn es um Themen "grüner DNA" geht, die in Frage zu stellen sich heute eigentlich keiner mehr traut.

Aber um es einmal aus dem linken Spektrum heraus zu tragen: ist es nicht eigentlich im Kern das Muster der "einfachen Antworten", die zu diesen Verhaltensweisen führen? Ich denke, die im Text genannten Beispiele könnten diese These stützen - wenn sich die Analyse eines Problems auf grobe Vereinfachungen reduziert, wie etwa „die Männer“, „die Weißen“, „die Alten“, „die Heteros" oder „CIS-Männer“, „die Deutschen“ (ohne Migrationshintergrund) oder kombiniert „die alten weißen Männer“, dann ist das eigentlich kein linkes Phänomen mehr, sondern geht über in eine Mischung von Populismus und Denkfaulheit, und die treffen wir so ziemlich in jeder (politischen) Ecke an.

Ich bin geneigt, den Text auch Zeitgenossen in die Hand zu drücken, für die "links" einfach nur "der Feind" ist und sie zu fragen, welche Muster ihnen ins Auge springen.

Orthogonal zum Kampf zwischen verschiedenen gesellschaftlichen und politischen Weltsichten gibt es (OK, sollte es geben) auch den gegen das Große Vereinfachen, bei denen man auch vor ungewöhnlichen Bündnissen keine Angst haben sollte.

RE: Musik aus der Ukraine - Teil 6 | 26.08.2020 | 18:23

Danke. Macht Spaß (auch wenn's eher aus der "klassischen" Jazz-Ecke kommt)!

RE: Musik aus der Ukraine - Teil 6 | 26.08.2020 | 17:05

Den kenne ich leider gar nicht. Hörtips?

RE: Das Imperium schlägt zurück | 26.08.2020 | 15:10

<OT>

Ich selber benutze ja auf dem Desktop am allermeisten Vivaldi. Den gibt es seit kurze auch für Android, vielleicht einen Versuch wert - auf Chromium basierend, aber ohne die google-Datenkrake, schnell, und konfigurierbarer als der ist kein anderer..

</OT>

RE: Kampf gegen das Väterchen | 26.08.2020 | 12:17

»Politik wird noch lange ein Kampf konservativ gegen neoliberal sein, die Linke noch lange darin marginal, nur sehe ich keine Veranlassung, darum auf linke Positionen zu verzichten und sich einer der anderen Seiten zuzuordnen.«

Ich finde diese Analyse nachvollziehbar und zumindest in einer westlichen Demokratie einigermaßen passend. Sie widerspricht aber der gesellschaftlich/politischen Realität im postsowjetischen Raum, da die durch die dort erlebte Geschichte anders geprägt ist und somit anders gewichtete Kategorien entwickelt hat. Nach der Erfahrung der Menschen dort war Sozialismus nicht links, sondern zutiefst konservativ, und das prägt die Wahrnehmung noch heute. Entsprechend sammeln sich emanzipatorische und progressive Bewegungen eher in anderen Lagern, etwa dem anarchistischen, bürgerlichen und mitunter auch dem nationalistischen, was zu den für deutsche Linke geradezu grotesk anmutenden gesellschaftlichen Bündnissen führt, die, immer wenn es mal wieder eine Revolution oder Massenproteste gibt, für die ost-fernen Betrachter hier plötzlich sichtbar werden.

Meine bescheidene Analyse, die vor allem auf meinen Erfahrungen in der Ukraine basiert, geht eher in die Richtung, dass sich eine moderne Linke in solchen Ländern erst wieder neu etablieren muss und noch lange brauchen wird, bis sie im politischen Spektrum die Rolle und Relevanz erlangt, die einem linken Selbstanspruch genügt (das entspricht natürlich Ihrem "marginal", aber eben auf eine ganz andere Art als im "Westen"). Daher ist Politik in Gesellschaften wie der ukrainischen derzeit eben nicht in erster Linie ein Kampf zwischen wenigen Lagern, die sich mit "konservativ", "neoliberal" und "links" erfassen lassen. Die einzelnen Kräfte überschreiten eigentlich ständig alle möglichen weltanschaulichen Grenzen, die nach hiesigem Verständnis eigentlich unüberwindlich sein müssten.

RE: Kampf gegen das Väterchen | 26.08.2020 | 09:17

»Osteuropäischen Nationalbewegungen legen nahe, daß es sich um reaktionäre Entwicklungen handelt, die Polen haben sich des Sozialismus entledigt, um in den Schoß des frömmelndsten Katholizismus zurückzukriechen, und was ist aus dem Gulaschkommunismus geworden?«

So enttäuscht ich selber über die Entwicklung in Polen der letzten Jahre bin, greift Ihre Beurteilung aus meiner Sicht zu kurz. Demokratie bringt man nicht zum Funktionieren, indem man ein Volk erst einmal zu "Demokraten" oder gar "Demokratiewürdigen" erzieht, damit sie dann beim Wählen keine Fehler machen. Die Fehler muss jedes Volk selber machen dürfen. Eine Voraussetzung dazu ist, dass es überhaupt wählen kann. Damit beginnt ein Weg, auf dem u.U. eine ganze Reihe von Sackgassen und Enttäuschungen warten. Aber kann ein Volk denn anders überhaupt sein Schicksal selber bestimmen?

Was das Beispiel Polen betrifft, möchte ich noch anmerken, dass das Elektorat sich ungefähr 50:50 in den frömmelnden Katholizismus auf der einen und verschiedene einigermaßen weltoffene Weltsichten auf der anderen Seite aufteilt (wo man über die PIS-Regierung anhaltend erschüttert ist). Die größte Gefahr, die dem Land aktuell droht, ist nicht die Demokratie, sondern, dass es der Regierung gelingt, sie zu beseitigen (durch Abschaffung von Gewaltenteilung, Gleichschaltung von Presse etc.). Der Abschluss einer solchen Entwicklung könnte dann strukturell durchaus einem System wie in Belarus ähneln.

Ich empfinde es als unpassend, darüber zu sinnieren, ob Demokratie für andere Völker das richtige sei - wir gehen mit der derzeitigen Tendenz zu Populismus, Querfront, Verschwörungstheorien etc. derzeit selber nicht mit dem besten Beispiel voran. Sozialismus bedarf wie jede andere Gesellschaftsform auch einer Legitimierung durch die Gesellschaft.

RE: Kampf gegen das Väterchen | 26.08.2020 | 08:34

Gerade gefunden: Wer hier noch nicht genug diskutiert hat, kann das bei Wilfrieds Teil 2 fortsetzen: Das Imperium schlägt zurück :)