RE: Vom kurzen Leben eines Chatbots | 27.03.2016 | 22:09

Ich musste zunächst sehr lachen, als ich diese Story las (Danke!).

Allerdings fragte ich mich dann jedoch auch, was wohl passiert, wenn eine bewaffnete, autonome Kampfdrohne durchdreht. Oder die Fahrzeugflotte eines Herstellers selbstfahrender Autos. Oder ein weitesgehend von neuronalen Netzen gesteuertes Atomkraftwerk. Oder einfach nur der vernetzte Kühlschrank daheim zum Monster mutiert. Besonders unangenehm werden solche Fantasien im Weiteren auch, wenn man sich vorstellt, dass KI - etwa durch einen Bug im Code - lernt, wie sie ihr Abschalten durch Menschen in solchen Fällen wirksam verhindert.

(Ich glaube ja auch, dass KI eigentlich frei von Moral oder Ironie ist. Bislang jedenfalls. Wenn solche Anwendungen allerdings von Leuten programmiert, designed und verantwortet werden, denen der Kapitalismus und dessen Kultur als das alternativlose, einleuchtende Ende der Geschichte erscheint, dann ist das freilich gar nicht mehr lustig.)

So. Und jetzt schaue ich mir die "Matrix"-Trilogie noch mal an. ;-)

MfG - mcmac

RE: Fatale Eskalation | 26.03.2016 | 23:04

Sie und viele Nutzer hier erwarten eine Antwort?Ach was. Wo denken Sie hin?

MfG - mcmac

RE: Das Design bestimmt das Bewusstsein | 26.03.2016 | 23:02

"Das Design bestimmt das Bewusstsein"

Wenn das Design als Surrogat für das Sein also herhalten muss, dann ist das wohl alles so, wie Sie beschreiben.

Fragt sich nur, ob solches Bewusstsein dann nicht doch eher eine Art Bewusstlosigkeit ist.

MfG - mcmac

RE: Fatale Eskalation | 24.03.2016 | 00:15

Lieber Jakob Augstein,

der Untertitel Ihres 2013 erschienen Buches "Sabotage" lautete: "Warum wir uns zwischen Demokratie und Kapitalismus entscheiden müssen".

Warum wir uns zwischen Demokratie und Kapitalismus entscheiden müssen, liegt derzeit offensichtlicher denn je auf der Hand.

Wer das Morden beenden will, muss mit dem Morden zunächst selbst aufhören. Aber das Morden ist einfach ein zu gutes Geschäft.

Die Idioten beiderseits, die einen Religionskrieg, einen "Kampf der Kulturen" halluzinieren, haben sich für den Kapitalismus entschieden; sie stehen - ob sie es wollen oder nicht - auf der abschüssigen Seite der Geschichte; sie haben sich für einen Kapitalismus entschieden, gegen welchen die unbeschreiblichen Auswüchse und Verbrechen des deutschen Faschismus von 33-45 künftig vermutlich wie ein Klacks erscheinen werden.

*Wir* müssen uns entscheiden, keine Frage. Zunächst konsequent für Demokratie. Auf jeden Fall schleunigst und mindestens genau so konsequent aber gegen den Kapitalismus. (Das ist schwer, weil dieser Kapitalismus *uns* inzwischen in jedem Zellkern, in jedem Bit, in jedem Gedanken, jeder Seelenregung zu sitzen scheint. Unmöglich ist es aber nicht; es scheint nur so.)

-Sind Sie immer noch bei Facebook? Oder nutzen Sie bereits die Alternativen? Nicht bei Facebook sein und Alternativen nutzen ist echte Sabotage :-)

MfG - mcmac

RE: Auf der Zielgeraden | 02.03.2016 | 00:16

"[...]Drei junge Menschen, die eine Verbindung miteinander haben und innerhalb von zweieinhalb Jahren sterben – kann das Zufall sein? Ja, denn die Wahrscheinlichkeit, dass die drei Todesfälle Florian Heilig, Melissa M. und Sascha W. mit den Verbrechen des NSU zu tun haben, ist bei sachlicher Betrachtung eher gering.[...]"

Mhmm, Ihre Logik, werter Herr Förster, erscheint mir zum ersten Mal recht unlogisch: Florian Heilig ist 2013 zufällig am selben Tag, an welchem er eine brisante Aussage beim LKA Stuttgart zum Mord an Michèle Kiesewetter machen wollte, in seinem Auto verbrannt. Laut Ermittlungen habe er den Brand selbst gelegt. Das Motiv sei Liebeskummer gewesen. Die Ermittlungen zum Tod von Florian Heilig wiesen, wie selbst der nicht besonders umtriebige Stuttgarter U-Ausschuss feststellen musste, äußerste Merkwürdigkeiten und Ungereimheiten seitens der Ermittler auf. Die Aufklärung des omionösen Mordes an der Polizistin Kiesewetter aber, darin sind sich alle Beobachter weitestgehend einig, könnte der Schlüssel zum gesamten NSU-Komplex sein. Melissa M. und Sascha W. nun könnten mit hoher Wahrscheinlichkeit - aus sehr naheliegenden, leicht vorstell- und nachvollziehbaren Gründen - ebenfalls Träger dieses Wissens gewesen sein.

Und diese drei inzwischen toten, relativ jungen Menschen sind ja anscheinend nicht die einzigen zufällig zu Tode Gekommenen nach dem Auffliegen dessen, was man offiziell für den NSU vorgibt zu halten. Ex-V-Mann und "Top-Quelle" Corelli starb 2014 - kurz vor einer geplanten Vernehmung, so ein Zufall aber auch! - an einer - wiederum zufällig - nicht erkannten Diabetes im biblischen Alter von 39 Jahren.

Und der seinerzeit auf den auf Betreiben eines Heilbronner Staatsanwalts nicht weiter verwendeten und auf Grund von Zeugenaussagen angefertigten Phantombildern im Zusammenhang mit dem Mord an Kiesewetter mutmaßlich sichtbare und in den Ermittlungsakten zum Mord auf der Theresienwiese geführte Arthur Christ verbrannte 2009 neben seinem Auto auf einem Waldparkplatz nahe Heilbronn. Da war er gerade mal 18 Jahre alt. Und er verbrannte derartig - man kennt das ja von frischen Toten außerhalb der eigenen Karossen nur all zu gut; die brennen wie Zunder - dass die Polizei leider nicht mehr sagen konnte, ob es nun Mord oder Selbstmord war.

Klar ist ja wohl auch, dass die Fahndung nach dem "Phantom von Heilbronn" auf Grund angeblich verunreinigter Wattestäbchen, mit welcher die Republik ein paar Jahre lang bestens unterhalten wurde, purer Zufall ist in diesem Zusammenhang. Hey - DNA ab Werk, das kann schon mal passieren. Kennt man ja. Kommt ja andauernd vor. Wie auch das Schreddern gewisser Akten beim Verfassungsschutz Stunden nach dem Auffliegen des NSU damit erklärbar ist, dass den Beamten zufällig eben genau um diesen Zeitpunkt herum aufgefallen ist, dass diese Akten ja aus Datenschutzgründen endlich mal geschreddert werden müssten. Zufällig ist sicherlich auch, dass der ehemalige, erste Bundestags-U-Ausschuss-Vorsitzende Edathy sich bei näherem Hinsehen als potenzieller Kinderschänder entpuppte; kennt man ja vom notorischen Vergewaltiger Assange. Und klar ist doch wohl auch, dass all diese Zufälle (und auch die vielen, die hier nicht erwähnt wurden), nichts miteinander zu tun haben. Sonst wären es ja keine Zufälle.

Wenn das alles nicht so schlimm wäre, könnte man glatt einen hysterischen Lachanfall bekommen bei so einer extremen Häufung angeblicher Koinzidenzen.

Ich hoffe sehr, lieber Herr Förster, dass Sie nicht an einer unerkannten Diabetes leiden und auf Waldparkplätzen rasten, wenn Sie gerade Liebeskummer haben. Oder Ihnen bedeutet wurde, dass man ja selbst die Wahl hat, wo man parkt und wie man seine Gesundheit schützen kann. -Ihr Kollege Thomas Moser ist doch nicht etwa - wie sich zufällig herausstellte - ein praktizierender Moto-Cross-Liebhaber?..

MfG-mcmac

RE: Merkel - Gefahr für Deutschland und Europa? | 01.03.2016 | 00:15

"Aber konkret, in der Flüchtlingsfrage, um die es ja hier geht: Was ist die Alternative..?[...]"

Weiß ich nicht. -Vielleicht weniger Schwarz-Null-Austeritäten in Europa durchsetzen als vielmehr die deutsche Hegemonie in der EU dazu zu nutzen, die EU-Agrarsubventionen so weit zu beschränken, dass auf den Märkten in Yaoundé nicht weiter niedersächsische Geflügelabfälle und Holländische Tomaten die einheimischen Kleinbauern kaputt machen oder so.

Dass Merkel augenblicklich das tut, was aus ethisch-moralischer Sicht als richtig erachtet wird oder als "anständig" gilt, sollte nicht dazu verführen, ihr generell eine solche Ethik und Moral als politisch maßgebliche Verhaltenskategorie zu unterstellen.

MfG-mcmac

RE: Merkels Mission | 29.02.2016 | 23:42

Hey, schöne Rezension!

Neulich unterwegs fiel mir mal wieder ein "Theater der Zeit" aus Versehen in die Hände. Toll! Da standen alle Beiträge drin, die ich im "Freitag" seit längerer Zeit vermisse.

Dafür aber gibt es hier vom stellvertretenden Chefredakteur eine richtige Theaterrezension, mit Psychologie der handelnden Figuren und allem Pipapo.

Wobei ich kaum Probleme damit habe, wenn "Theater der Zeit", statt sich auf seine Sparte zu beschränken, explizit über Politik schreibt.

Andersherum finde ich das schon eher sehr problematisch. Vor allem, wenn es nicht explizit geschieht, sondern als politischer Beitrag daherkommt.

MfG & Nichts für ungut - mcmac

RE: Merkel - Gefahr für Deutschland und Europa? | 29.02.2016 | 23:23

Ich finde das nicht alles unsinnig oder gar völlig falsch, was Sie mir entgegnet haben. Aber auch und u.a.: Die in der (medialen) Öffentlichkeit betriebene Psychologisierung und die damit einhergehende Personalisierung von Politik ist ein evidentes postdemokratisches Standardwerkzeug. Damit werden - verkürzt gesagt - die handelnden Personen reduziert auf individuelle Charaktereigenschaften und Fähigkeiten/Unfähigkeiten. Dahinter treten die (politisch) vertretenen Interessen weit in den Hintergrund, werden nachgerade fast unsichtbar. Und so soll das ja wohl auch sein. (Das wissen Sie doch aber auch alles. Eigentlich. Oder?) Diese (amts)politisch vertretenen (Gruppen- oder Klassen)Interessen jedoch geben eher Aufschluss über die betriebene Politik, deren Absichten und Folgen, als dies die individuellen Talente und Eigenschaften etwa täten. Zumindest unter den Bedingungen des späten Kapitalismus und der entwickelten bürgerlichen Demokratie (im absolutistisch geprägten Feudalismus war das sicherlich tatsächlich etwas anders gelagert).

Die politischen Talente, auf welche Sie bezüglich Merkel abheben, sind m.E. vielleicht eher solche diplomatischer Natur, als dass es sich um ein Talent insofern handelt, dass jemand als politische Figur eine Vision hat und diese verfolgt. Das ist aber anscheinend und u.a. auch eine allgemeine Schwäche von (Berufs)Politik heutzutage, die sich durch alle Lager zieht; vor lauter Taktik keine Spur mehr von Strategie (wobei das Paradoxon oft ist, dass eine bestimmte Summe von Taktiken wiederum sehr wohl auf Strategien schließen lässt - ganz gleich, ob es den ganzen Taktikern tatsächlich mehr oder weniger bewusst ist. Oder gar gar nicht). Dabei wäre es recht simpel, fortschrittliche und humanistische Visionen oder Gesellschaftsutopien zu formulieren. Wenn man sich dazu entschließen könnte, den Mut aufbrächte, dieses schreckliche, zerstörerische und extrem fantasielose Dogma vom "Ende der Geschichte" endlich mal hinter sich zu lassen, vulgo: Aufhören würde, die taktisch sicherlich nicht komplett falsche Rettung des Kapitalismus (vor sich selbst) für eine Strategie zu halten.

- Mich würde ja mal interessieren, ob Merkel genau so standhaft wäre, wenn die deutsche Wirtschaft nicht im Wesentlichen die gleiche Auffassung hätte in der ganzen Geschichte :-) Eine ganz andere, aber damit unmittelbar zusammenhängende, viel interessantere Frage ist aus meiner Sicht, warum Leute wie Grillo & Co. Merkels Handeln unterstützen und goutieren. Welche Interessen der Außenhandelsbilanzüberschusswexportweltmeister-uns-geht-es-gut-macht-ihr-mal-eure-Hausaufgaben-faule-Südländer-WachstumWachstumWachstum-Schuldenbremsen-Schwarze-Nullen-Nation die wohl im strategischen Fokus haben, wenn sie verhindern wollen, dass ihnen ihr Europa als zollfreier Waren-, Kapital- und Wirtschaftsraum um die Ohren fliegen könnte, erklärt, mir jedenfalls, etwas unmystischer und weniger legendenhaft, warum Merkel wunderbarerweise endlich mal "mit offenen Visier" eine Haltung vertritt.

Dass hierzulande, in einem Land mit dieser Geschichte, alte Nazis und neue Faschisten in der sogenannten Mitte der Gesellschaft meinen, das Maul wieder weit aufreißen zu können angesichts der vielen Schutzsuchenden, ist auch und nicht unwesentlich Ergebnis der politischen "Talente" von Frau Dr. Merkel. Das war nicht unabsehbar. Das sollten wir nicht vergessen. Und nun nicht aus Panik oder Aktionismus gleich den Bock zum Gärtner machen wollen. Fänd' ick nich' jut.

MfG-mcmac

RE: Merkel - Gefahr für Deutschland und Europa? | 29.02.2016 | 17:13

Ist irgendwem mal aufgefallen, dass Merkel in der ganzen Geschichte beständig und brav das nachplappert, was der Grillo jeden zweiten Morgen im DLF zu diesem Thema lang und breit absondern darf? Ich kann da beim besten Willen keine "Haltung" oder so etwas entdecken; Merkel ist und bleibt konsequent eine Lakaiin der großen Kapitalinteressen. Wer das mit dem sprichwörtlichen Bohren dicker Bretter verwechselt, ist sicherlich geneigt, Merkel für eine großartige Politikerin zu halten - und ist somit m.E. dem postdemokratischen Budenzauber aber so was von auf den Leim gegangen.