RE: Das Digital-Manifest | 17.02.2016 | 22:34

Vielen Dank für den Hinweis auf das Sonderheft; habe es mir heruntergeladen und werde es lesen. Vorab aber dieses noch: Dass digitale Netzwerke oder Datenbanken plötzlich ein Eigenleben entwickeln und weiterhin eigene Interessen verfolgen, halte ich persönlich für eine etwas überspannte Sicht auf die Dinge, die vielmehr dazu geeignet ist, u.a. die eigentlichen Interessen von dahinterstehenden Mächtigen zu verunklaren. Der Vorschlag/die Idee jedoch, ein öffentlich-rechtliches Internet zu schaffen, geht in die richtige Richtung, aber wiederum - glaube ich - nicht weit genug, wenn man wirklich demokratische Strukturen und einigermaßen gerechte Verhältnisse haben möchte. Die Produktion von Daten ist vergesellschaftet (wir alle produzieren sie). So ist es nur folgerichtig und im Sinne einer echten Demokratie zwangsläufig erforderlich, wenn die Instrumente zur Produktion und Bearbeitung dieser Daten (dieses Rohstoffs, in welchem bereits auch vergegenständlichte Arbeit enthalten ist!) ebenfalls vergesellschaftet sein müssen. Ansonsten gäbe es (was ja augenblicklich die Realität ist) keine demokratische Kontrolle über das, was Ökonomen u.a. als "Verwertungsprozess" beschreiben. Und diese bislang fehlende demokratische Kontrolle, die fehlende Emanzipation der Produzenten gewissermaßen, könnte wiederum die im Beitrag angesprochenen Dystopien teilweise so oder so ähnlich real werden lassen - die Ansätze dazu im Hier und Heute sind tatsächlich unübersehbar. Persönlich finde ich es interessanter und inspirierender, über die fast unglaublich anmutenden, freundlichen und altruistischen Möglichkeiten dieser digitalen Techniken nachzudenken: Bspw. wäre es bereits heute annähernd möglich mit genau den Algorithmen, die gezielte, personalisierte Werbung platzieren, eine demokratisch organisierte und solidarisch wirksame Ökonomie der Regionen zu realisieren, welche zudem niemals das Große Ganze (also global nachhaltig und ressourcenschonend agierend) aus dem Blick verlöre. So könnte man - sehr intelligent und kunstvoll - zu ganz neuen Horizonten aufbrechen...

MfG - mcmac

RE: Privatsphäre ist so 2005 | 16.02.2016 | 08:52

Naja, mal langsam, so einfach sind manche Sachen nicht (sie sind zwar relativ einfach, ja, aber eben nicht so, wie Sie sie beschreiben).

Privatsphäre ist sehr wohl & immer noch eine wichtige soziale Norm: Wären Sie mal beim Schreiben dieses Beitrags an den Nachbartisch gegangen und hätten einen der vernetzten Tischnachbarn aufgefordert, Ihnen als Fremdem jetzt sofort die Inhalte seines jeweiligen Laptops/Tabelts zu zeigen und auf den von Ihnen übereichten Datenträger zwecks Mitnahme auch gleich noch zu speichern, hätten Sie augenblicklich am eigenen Leib nachvollziehen können, wie sehr diese soziale Norm noch existiert...

Aber das nur am Rande.

Ein Problem beim Datenschutz ist, dass den Meisten gar nicht klar ist, dass es nicht lediglich um eine unangenehme, moralisch fragwürdige Neben- oder Begleiterscheinung geht, sondern dass sie buchstäblich beraubt und bestohlen werden; Stichwort datamining. Man kann diese ganze Problematik nicht vollständig erfassen, lässt man bei solchen Betrachtungen den Kapitalismus außen vor. Das tut nicht mal ein Kapitalismusapologet wie Jason Lanier. Das Problem ist also nicht die Technik und deren Möglichkeiten, sondern es sind die Besitzverhältnisse (wem gehören die großen Server?.. -eben).

Diese Problematik wird sich demnächst noch verschärfen, wenn das Internet der Dinge großflächig Einzug halten wird. Vielleicht glauben die in Unwissenheit gehaltenen, dass sie dann einfach ihr WLAN kappen und sich dadurch diesem Spuk entziehen werden können. Was natürlich eine komplette Illusion ist. Aber das wissen die Meisten eben auch wieder nicht. Das viel zitierte "1984" wird dagegen ein Kindergeburtstag sein.

Überwachung und Datenklau tun nicht weh. Zunächst. Die Räuber sind schlau genug, diesen Diebstahl so zu organisieren, dass er immer unterhalb dieser Wahrnehmungsschwelle stattfindet. Gleichwohl findet er statt, langsam und unterschwellig. Es ist wie in dem Gleichnis mit dem Frosch im sich langsam bis zum Kochen erwärmenden Wassergefäß.

MfG-mcmac

RE: Kein Ende in Sicht | 15.02.2016 | 11:23

Was soll man von einer Gestalt wie Vitt anderes erwarten, der jahrelang u.a. bei Bertelsmann und der Telekom herumgurkte? Klar, dass so einer sich in Rabulistik übt, wenn es darum geht, die Interessen seiner Auftraggeber in Politik und Wirtschaft durchzusetzen. Allerdings wird auch schnell klar, dass in der Perversion des Zitats eigentlich auch die Lösung steckt - näme man es beim Wort und ließe die dumme Provokation beseite: Server werden nämlich nicht dadurch sicherer, resp., Kriminellen wird nicht dadurch das Leben erschwert, dass man fröhlich weitere, zusätzliche Vorratsdaten speichert. Sicherer würden sie u.a. dadurch, dass bestimmte Standards auf diesen vorgeschrieben wären und auch durchgestzt würden. Bspw. sollte es heutzutage eine Selbstverständlichkeit sein, nur noch verschlüsselte Seiten/Verbindungen auszuliefern. Und die betreffenden Zertifikate sollten auch mindestens dynamisch gepinnt sein. Wäre alles kein Problem, weder technisch noch finanziell. Dass weiß jemand wie Vitt natürlich. Aber spekulieren kann man ja sehr wohl erfolgreich - wie mein Vorkommentator völlig zu recht darlegt - auf die relative Unwissenheit der betroffenen Bürgerinnen und Bürger. Wenn ich das Wort "kriminell" höre, denke ich zuerst an solche Leute wie Vitt, nicht so sehr an Kreditkartenbetrüger im Internet.

RE: Meister der kurzen Form | 08.02.2016 | 22:42

Hey, zum 'Meister der Kurzen Form' langt es offensichtlich aber noch nicht wirklich, als dass man so etwas unter solch' einen Beitrag mal eben abrotzen kann, oder?

Wieso langweilt Sie Tarantino "nur noch"? -Etwas mehr Substanz wäre hilfreich. Oder gar Ihr eigenes Projekt, welches Sie der Langeweile mutig und zuversichtlich entgegenstellen.

MfG - mcmac

RE: Meister der kurzen Form | 08.02.2016 | 12:45

Sehr schön beobachtet und sehr schön aufgeschrieben, Danke. Shakespeare würde heute vielleicht Quentin heißen und wohl solche Filme machen. Einzig Ihren Schlussbemerkungen über fehlende Tiefe und mangelnde Nachhaltigkeit möchte ich so ganz und gar nicht zustimmen: Mir geht es da ganz anders. Aber das liegt ja wirklich immer auch & vor allem im Auge des Betrachters, hat weniger mit dem Betrachteten an sich zu tun. Herzlich willkommen übrigens hier in der freitag-community; toller erster Beitrag!

MfG - mcmac

RE: Wir müssen schreiben! | 26.01.2016 | 13:53

In der letzten Post (26jan16 | 6:55), im Leetspeak-Text, dritter Absatz, erste Zeile, siebentes Wort (drittes und viertes Zeichen dort im Wort sind F und 0 - Buchstabe "F" und Ziffer "0"). Das ist das Wort, welches Du brauchst. Am besten das Wort von dort einfach kopieren und an entsprechender Stelle einfügen. lg - mcmac

RE: Facebook und das Versagen der Meinungselite | 25.01.2016 | 01:04

Und noch was:

Sascha Lobo sieht (wie auch der hiesige Blogger) offensichtlich den Wald vor lauter Bäumen nicht: Wer solch' kreuzgefährlichen Monster-Schmarr'n wie etwa Gesichtslos-Buch aufsitzt - einem Dienst, der unter dem Label "Freiheit" versucht, das Internet brutal zu privatisieren, eine Gated Community daraus zu machen - soll meinetwegen auch gerne darin elendiglich umkommen. Oder, anders gesagt: Mit der dort anscheinend waltenden, praktizierten Idiotie, welche per Design - im wahrsten Sinne des Wortes - vorprogrammiert ist, selbst versuchen klarzukommen.

Dass laut OECD-Erhebung ein nicht unerheblicher Teil mutmaßlich deutscher, potenzieller Nutzer an diesem (neuartigen Konsum/Mode)Schwachsinn nicht teilnimmt, ist kein Manko, sondern könnte eher ein Beleg dafür sein, dass hierzulande trotzdem noch nicht alle der total-digitalen Regredierung anheim gefallen sind.

Das könnte fasst Mut machen in diesen, an guten Zeichen sonst so armen Zeiten.

Es könnte aber auch ein Beleg dafür sein, wie borniert und klassendünkelnd hierzulande Mehrheiten unterwegs sind. Dann aber müsste die Kritik, die Lobo und dieses Blog versuchen zu formulieren, an einem ganz anderen, viel substanzielleren Punkt ansetzen: am ökonomisch herrschenden, historisch überkommenenen und idiotischen System aka Kapitalismus.

RE: Der Spiegelreflex-Affe | 24.01.2016 | 01:44

Makaken...
Meerkatzen....
Mehr Katzen...

http://media.einfachtierisch.de/thumbnail/799/600/media.einfachtierisch.de/images/2015/05/graues-bkh-katzenbaby-spielt-mit-hand-shutterstock-Dora-Zett.jpg

...was die wohl machten, gäbe es den echten Schmuse-Kommunismus endlich wirklich mal?...

SLG-mcmac

RE: Facebook und das Versagen der Meinungselite | 24.01.2016 | 00:02

Feines Ding dieser Realismuskotau von einer gewalt(ät)igen Datenkrake. Interessant zu sehen, wie Dummheit 4.0 funktioniert.

RE: Zeitenwende | 20.01.2016 | 00:16

Und wenn ich das veröffentliche habe ich natürlich auch die Hoffnung, dass ein oder zwei andere Menschen da draussen vielleicht Hoffnung schöpfen, sich etwas mehr verstanden fühlen, einen neuen Input bekommen. Das würde mich freuen.

In diesem Sinne: schön, dass Sie auch hier sind! Herzlich Willkommen & Danke für diesen sehr außergewöhnlichen, ersten Beitrag; ich freue mich auf Weitere!

MfG-mcmac