Das unheimliche Schweigen im (Blätter)Wald

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

...Zitat aus einem Blog-Beitrag von Jonas Schaible vom 25. Mai auf beim-wort-genommen.de:

"Die Medien schweigen

Bliebe noch die Frage, warum die Medien nicht auf Köhlers Aussagen reagieren. Von den großen überregionalen Medien (online) erwähnt bisher nur die Süddeutsche Zeitung Köhlers Zitat, ohne es aber einzuordnen oder zu kommentieren. Die gedruckte SZ bringt heute eine dpa-Meldung, wonach Köhler bei seinem Besuch die Soldaten „irritiert“ habe mit dem Vorwurf, ihnen fehle es an Überzeugung: kein Wort zu Köhlers Interview. Ich finde online keine Meldung der dpa, keine des ddp, keine von afp. Einzig eine Handvoll Blogs, darunter mit fefe nur ein einigermaßen bekannter, nahmen Notiz.

Die Frage ist: warum? Mir scheint, inhaltlich wäre die Nachricht sogar Stoff für einen Aufmacher – doch findet sie noch nicht einmal eine Erwähnung als Meldung. Ist Köhlers Meinung in relevanten politischen Kreisen etwa viel gehörter Konsens? Ist sie Politikjournalisten also bekannt, dass sie keiner Erwähnung für wert befunden wird? Dürfen Journalisten nicht berichten [2]?Übersehe ich etwas fundamental Wichtiges?

Ich habe gestern Abend den Redaktionen der Online-Auftritte von SZ, FAZ, taz, FR und Zeit eine Mail geschrieben und gefragt, warum die Aussagen Köhlers nicht behandelt wurden, ob das Thema redaktionsintern diskutiert wurde, warum es eventuell für nicht berichtenswert befunden wurde.
Bisher habe ich keine Antwort erhalten.
Im Laufe des Tages werde ich eine äquivalente Anfrage noch an die gedruckten Zeitungen und die Agenturen schicken. Sollte ich Antworten erhalten, werde ich sie hier im Blog zur Verfügung stellen.

[2] Diese These mag zunächst dadurch untermauert scheinen, dass dradio das Originalinterview um die hier behandelte Passage kürzte; allerdings ist das ursprüngliche Interview wie hier verlinkt online nach wie vor abrufbar und das Deutschlandradio hat eine eigene Meldung dazu gebracht. Außerdem halte ich von solcherlei Verschwörungstheorien nichts. Für die Existenz gleichgeschalteter Mainstream-Medien, die einschlägige Blogs häufig beklagen, gibt es keine Hinweise. Ich halte die Mehrzahl der Journalisten für so kritisch und unabhängig, dass sie sich derlei auch nicht gefallen ließen. Ich halte den deutschen Journalismus für so gut, dass von der Politik verordnete Maulkörbe keine Wirkung hätten.
Die Gründe für das Nicht-Berichten müssen also redaktionsinterner Natur sein – und ich hoffe, doch die ein oder andere Antwort zu erhalten."

Zum gesamten Blog-Beitrag von Jonas Schaible geht es hier.

Mir ist das langsam unheimlich. Wenigstens dementieren könnte man doch und sagen, dass wir uns das alles nur einbilden. -Was soll da ausgesessen werden? Darf man so etwas noch aussitzen/totschweigen? Warum reagiert die Freitags-Redaktion nicht auf diese Angelegenheit?

Köhler hat doch mit seinen Äußerungen die gesamte deutsche Afghanistanpolitik/den Krieg delegitimiert; das muss doch -gerade hier an dieser Stelle- ein Thema sein!

12:25 26.05.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

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