mcmac
09.04.2013 | 10:15 37

Der Einflüsterer

Satire Gipfel Gibt es rechtes Kabarett? Angesichts des ARD- „Satire Gipfels“ muss man diese Frage ernsthaft stellen.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied mcmac

Wie das große ZDF-Pendant „Neues aus der Anstalt“ geht die Veranstaltung allmonatlich auf Sendung. Produziert wird sie seit 2011 gemeinsam vom RBB und vom WDR. Seit dieser Zeit wird sie auch präsentiert von Dieter Nuhr, einem hochdekorierten deutschen Kleinkünstler mit Staatsexamen auf Lehramt für Kunstpädagogik und Geschichte.

Führt man sich vor Augen, dass der „Satire Gipfel“ der direkte Nachfolger eines anderen Dieters, nämlich des Hildebrandt'schen „Scheibenwischers“ ist, staunt man nicht schlecht über das Ergebnis dieser Metamorphose eines öffentlich-rechtlichen Satireflaggschiffs. 2003 verließ Hildebrandt aus Altersgründen die Sendung, die er mit aus der Taufe gehoben hatte und selbst 23 Jahre aktiv auf der Bühne gestaltete. Und über die Hans Mayer einmal sagte: „Wenn Sie das Wort „Scheibenwischer“ genau untersuchen, so ist also doch da ein Bemühen spürbar, dass der Dreck weggewischt wird, dass man klare Sicht bekommt, dass man Licht bekommt, das Licht der Aufklärung, und dass der Dreck der Klischees weggewischt wird.

Nach dem Weggang Dieter Hildebrandts wurde zunächst erst einmal die Sendezeit auf 30 Minuten verkürzt und die Ausstrahlung ins Spätprogramm verlegt. 2006 verließ Georg Schramm die Sendung, 2008 folgte Bruno Jonas. Als der Kabarettist und letzte Moderator des Scheibenwischers, Matthias Riechling, 2009 ankündigte, auch sogenannte Comedians in der Sendung auftreten zu lassen, verbot Hildebrandt die Verwendung des Titels „Scheibenwischer“. Produziert wurde die Sendung inzwischen auch nicht mehr vom SFB (den gab es nicht mehr), sondern vom neugegründeten RBB (Fusion von SFB und ORB Mai 2003), zusammen mit dem BR, seit 2009 statt jenem dann mit dem WDR.

Inzwischen also wurde das Flaggschiff vollständig abgewrackt. Anders kann man es nicht nennen, wenn man den (in der nunmehr wieder 45-minütigen Sendung) großen Raum einnehmenden Moderationen Dieter Nuhrs zwischen den auftretenden Gästen aus Kabarett und sogenannter Comedy lauscht. Dieter Nuhr ist gewissermaßen der Mario Barth für Besserverdienende. Politische Schärfe und Aufklärung im Kant'schen Sinne waren nie sein Ding; eher so etwas wie "gehobener Stammtisch" - eine Mischung aus „fast Euch mal an die eigene Nase, bevor Ihr mit dem System unzufrieden seid“ und „so schlimm ist es doch gar nicht“. Vornehmlich trägt er all dies in zurückhaltend-säuselndem Ton und mit der Attitüde eines Westentaschenmephisto vor. Richtig politisch wird es nur, wenn es gegen „Linke“ oder „Ökos“ geht. Oder gegen den Islam. (Sein derzeit bevorzugtes Hassobjekt scheinen Vegetarier zu sein, wie der bekennende Fleisch-Esser nicht müde wird zu betonen.) Um in conclusio mit flüsterigem Charme an etwas zu appellieren, was der latente 'Mittelschichts-Nazi' für gesunden Menschenverstand hält. Das scheint durchaus anzukommen. Aber ist es auch Kabarett?

Subversive, ätzende Hildebrandt'sche Aufklärung voller Frische, Geist und Witz wurde hier also im Laufe der Jahre „ersetzt“ durch nebulöse Stimulation und Reaktivierung eines dumpfen Volksempfindens. Subversivität, Mut, kritisches Bewusstsein gegen Selbstreferenzialität und saturierten, besitzstandswahrenden, falschen Nationalstolz. Subversiv bei dieser Sendung ist einzig die durch alle Ritzen quillende und dergestalt sedierend wirkende, nationalistisch verbrämte Ideologie des Neoliberalismus/Neokonservatismus. Wenn für Kabarett als grundlegendes Kriterium gilt, dass es die mit satirischen Mitteln vorgetragene und dargestellte Gesellschaftskritik (die der Beherrschten) ist, dann ist rechtes Kabarett eine contradictio in eo ipso, ein Widerspruch in sich.

Die Vorstellung, dass in den Redaktionen der Öffentlich-Rechtlichen inzwischen Einflüsse und Personen herrschen, denen es das größte Vergnügen bereiten muss, einen derartig dreisten Etikettenschwindel als politische Satire zu verbreiten, fällt nicht besonders schwer angesichts dieses Fromats. Dieser Vorgang reiht sich ein in das eben statt findende 'Große Internationale Neoliberale Sack-Zu-Machen' auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens. Ein islamophober, intellektuellenfeindlicher Linken-Fresser und Schein-Kabarettist wie Dieter Nuhr ist da gerade der rechte Moderator.

Nun steht in dieser Sendung Dieter Nuhr nicht allein auf der Bühne. Es treten eine Reihe von Gästen auf, darunter tatsächliche Kabarettisten wie zum Beispiel Wilfried Schmickler, Max Uthoff oder Dauer-Gast Andreas Rebers (Es treten aber interessanterweise auch einige niemals dort auf, wie z.B. Georg Schramm oder Volker Pispers). Der Effekt ist der gleiche, wie wenn Jakob Augstein etwa seine Kolumnen in der BILD veröffentlichen würde: Die dort auftretenden Kabarett-Kolleginnen und -Kollegen sind die eingebettete Legitimation für den in aller Öffentlichkeit stattfindenden Betrug.

Gewiss ist unter den herrschenden Verhältnissen und Abhängigkeiten ein Künstler auch immer eine Art Prostituierte. Jedoch sollte man nicht vergessen, dass es möglicherweise auch so etwas wie eine Huren-Ehre gibt. Diejenigen, die meinen, sie kämen ohne Auftritte beim "Satire Gipfel" nicht aus, sollten wissen, dass sie ihre eigenen, engagierten, politischen Aussagen auf diese Weise relativieren, wenn nicht gar korrumpieren lassen - ob sie es persönlich nun so sehen oder nicht. Nicht jeder Kabarettist kann so konsequent sein wie beispielsweise ein Georg Schramm, sicherlich. Das heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass die Alternative eine widerstandslose Beliebigkeit in der Haltung auch an solchen Punkten der Verlockung sein muss. Als so Handelnder führt man sich und seine Aussagen - mit dem eigenen Auftritt und angesichts eines daneben sitzenden, süffisant lächelnden Dieter Nuhr - nämlich selbst ab absurdum.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (37)

Knüppel 09.04.2013 | 10:47

Dieter Nuhr IST rechts(populistisch), das habe ich schon früh

bemerkt (dazu gehört aber auch nicht viel, man muss ihm nur

richtig zuhören). Wenn er wenigstens noch selbstironisch oder

klug wäre, ließe sich einiges einigermaßen ertragen, was er

absondert. Aber, Fehlanzeige: Sein Linkenbashing, seine

zotigen Genderkommentare, sein(e) unterschwelliger Rassismus,

Homophobie und Fremdenfeindlichkeit sind völlig ironiefrei und

noch dazu "nuschelnd" dargeboten. Da hilft nur eines, abschalten.

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Ehemaliger Nutzer 09.04.2013 | 11:52

ich denke auch, dass die motive des satirikers an dessen zielrichtung des abarbeitens zu erkennen sind ...

die zielrichtung und "charmante" selbstgefälligkeit von nuhr mag ich nicht

was mich nachdenklich macht ist, dass tucholsky und dario fo "satire darf ALLES" ... unterschiede von politischen ideologien ausdrücklich der freiheit der satire zu gestehen (die absolute freiheit von kunst und satire?!)

hier ein beispiel, welches zeigt, wie schwierig das verständnis von überhöhung der überhöhung für viele ist

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/initiative-sauberes-hamburg-firma-steht-hinter-obdachlosen-satire-a-885650.html

Magda 09.04.2013 | 13:25

Prima Beitrag. Wir gucken den Nuhr nicht, obwohl ich den Rebers sehr lustig finde. Matthias Richling hat abr auch schon viel zur Vertreibung getan. Sie habens ja schon alles aufgeführt.

@ Rechercheuse - was mich nachdenklich macht ist, dass tucholsky und dario fo "satire darf ALLES" ... unterschiede von politischen ideologien ausdrücklich der freiheit der satire zu gestehen (die absolute freiheit von kunst und satire?!)

Satire darf alles, es schreit ja auch niemand nach einem Verbot, aber sie muss selbst auch Kritik vertragen. Wenn Satire alles darf, dann darf man auch nicht in Schweigen verfallen, wenn einem was nicht gefällt. Bei Nuhr ist so auffällig, dass man ihn gewissermaßen "in Stellung" gebracht hat als eine intelligente Stimmungskanone. Wer das mitmacht, der sollte sich nicht wundern, dass nun wieder andere sich lauthals nicht wundern. Bei Nuhr ist das ein deutlich zu verzeichnendes Medien-Politikum.

Ernstchen 09.04.2013 | 13:41

Seit Georg Schramm die Anstalt verlassen hat, ist das Kabarett im deutschen Fernsehen wieder deutlich auf dem absteigenden Ast. Der Richling-Gipfel war schon nix, Nuhr noch weniger (die These des Beitrags hab ich noch nicht überprüft, habs mir seit der ersten Sendung nicht mehr angeschaut), die Mitternachtsspitzen sind nur dann für Momente gut, wenn mal Volker Pispers oder Hagen Rether auftreten, die neuen "Klugscheißer" mit Bruno Jonas und Monika Gruber haben mich nicht überzeugt und in der Anstalt werden die Gäste auch schwächer. Auch Priol wiederholt sich zu sehr und Erwin Pelzig bekommt hin und wieder was großartiges hin.

Der Weggang von Schramm ist aus meiner Sicht ein Fehler gewesen. Auf der Bühne trifft er nur auf Menschen, die sich Kabarettkarten kaufen, damit erreicht man niemanden mehr bei dem sich im Kopf wesentlich was ändern kann, im öffentlich-rechtlichen Fernsehen konnte er seine rasierklingenscharfen Beiträge noch zum Teil unter das normale Volk bringen. So steht er an sich auch nur für einen Aufstand der "Eliten". Nun ja, es steht mir natürlich nicht zu, ihn deswegen zu kritisieren. Er ist ohnehin einfach zu gut.

Hier war mal eine seltene Gelegenheit ihn wieder im Fernsehen bewundern zu können. Ich mag den August ja sehr. Man möchte ihn irgendwie in den Arm nehmen und mit ihm einen "Schoppe' zwitschern".

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mcmac 09.04.2013 | 14:05

..oh, da ist HTML-mäßig offensichtlich etwas schief gelaufen - also nochmal...

Lieber/s Ernstchen,

Einen (und noch Einen) habe ich noch zu Georg Schramm in petto (allerdings ist der Audio-Mitschnitt im ersten Beitrag inzwischen auch von Youtube getilgt worden; mal gucken - vielleicht habe ich ihn noch irgendwo..):

- Georg Schramm against the machine 3

- Luxus einer Geisteshaltung

lg-mcmac

mcmac 09.04.2013 | 14:20

Allerdings ist Schramm bei diesen Auftritten schon kein Kabarettist mehr. Da ist er faktisch parteiloser Politiker.

Was natürlich auch komplett umgedreht geht (wenn es denn so wäre - worauf ich im Einzelnen -im Augenblick zumindest- nicht eingehen kann..), Bsp.:

lg-mcmac

P.S.: Habe gerade noch den neuen Kommentar gelesen... dazu fällt mir ein oller bb ein:

"Ohne Ansichten und Absichten kann man keine Abbildungen machen. Ohne Wissen kann man nichts zeigen; wie soll man da wissen, was wissenswert ist? Will der Schauspieler nicht Papagei oder Affe sein, muß er sich das Wissen der Zeit über das menschliche Zusammenleben aneignen, indem er die Kämpfe der Klassen mitkämpft. Dies mag manchem wie eine Erniedrigung vorkommen, da er die Kunst, ist die Bezahlung geregelt, in die höchsten Sphären versetzt; aber die höchsten Entscheidungen für das Menschengeschlecht werden auf der Erde ausgekämpft, nicht in den Lüften; im „Äußern", nicht in den Köpfen. Über den kämpfenden Klassen kann niemand stehen, da niemand über den Menschen stehen kann. Die Gesellschaft hat kein gemeinsames Sprachrohr, solange sie in kämpfende Klassen gespalten ist. So heißt unparteiisch seinfür die Kunst nur: zur herrschendenPartei gehören."

lg+bis später - mcmac

Ernstchen 09.04.2013 | 14:27

Hui über das Zitat muss ich mir erstmal echt Gedanken machen. Vor allem der letzte Satz ist schwerverdaulich ...

Was Kubicki angeht: Das klingt jetzt vielleicht echt bescheuert, aber ich mag den. Ich mag weder seine politischen Ansichten noch seinen latenten Seximus, aber das ist einer um den man sich keine Sorgen machen muss, der sagt so offen was er denkt, der hat man so stets auf dem Schirm. Jemand wie unsere Bundeskanzlerin, die nie irgendwas offen sagt, ist vieltausendmal gefährlicher, auch wenn sie möglicherweise weniger schlimme Ansichten hat als Kubicki, aber ich habe das Gefühl wir werden nie erfahren was sie überhaupt für Ansichten hat.

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Ehemaliger Nutzer 09.04.2013 | 14:31

Wenn Satire alles darf, dann darf man auch nicht in Schweigen verfallen, wenn einem was nicht gefällt

da bin ich voll bei ihnen !!!

ich hab jetzt das originalzitat von dario fo gefunden, was ich mir nicht so recht deuten kann, da ja nicht nur mächtige - auch minderheiten angegriffen werden - vielleicht helfen sie mir noch mal

Auf die Frage: Es gibt keine linke oder rechte Satire? „Satire ist Satire und hat nichts mit Propaganda zu tun. Satire ist das schlechte Gewissen der Macht. Wer auch immer regiert, er wird automatisch zur Zielscheibe der Satire.“

h.yuren 09.04.2013 | 21:46

liebe mcmac,

dein eindruck von nuhr ist auch meiner. mephesto im taschenformat passt. einmal hinhören muss reichen. wiederholung unmöglich.

das ist das eine. aber die frage nach der zuteilung der rolle ist das andere. der passt in die umstände. wer es nicht merkt, hat eben pech gehabt mit der sozialisation und der beleuchtung...

grüße, hy

amorphus 10.04.2013 | 12:45

Es gibt in Deutschland kein ernstzunehmendes politisches Kabarett. Dies ist aufgeklärte Unterhaltung mit einem philosophischen touch der Wahrheitsliebe. Es fehlt an Publikum das humoristische Intelligenz beherrscht. Allenthalber herrscht Nazissmus und die Unfähigkeit zwischen verschiedenen Dingen einen Unterschied zu sehen.

Ihr Bericht ist sehr einprägsam und regt in mir konspirative Gedanken an. Nur der Begriff "Mittelschicht-Nazi" ist sehr diffus. Objektiv gibt es diesen nicht. Im Grunde schreit er mich an das der Verfasser ein SDS Funktionär ist der sich in Ermangelung wirklicher Gegner auf eine Hanswurst a la Nuhr stürzt um mit ihm das unverbesserliche Restvolk ein für alle mal als das hin zu stellen was sie nun mal sind; Nazis, Nazis, Nazis. Nehmen wir die pauschale Anschuldigung mal weg und geben ihrem (Entschuldigung) ideologischen Eifer ein richtiges politisches Thema, dann sympathisiere ich mit ihrem Weltbild. Aber sie schiessen hier auf Spatzen mit markiger Wucht.

mcmac 10.04.2013 | 17:27

Ja, sicherlich, schon recht.

Den Mittelschichts-Nazi gibt es uebrigens fuer Selbstabholer direkt bei Andreas Rebers im letzten Satire Gipfel - was Ihnen mglw. aufgefallen ware, haetten Sie vor dem Kommentieren auch mal die anderen, bis zu diesem Zeitpunkt aufgelaufenen Kommentare gelesen - macht sich immer ganz gut, wenn man in eine Diskussion einsteigen will ;)

Nichts fuer ungut + MfG - mcmac

amorphus 11.04.2013 | 16:03

Seit drei Jahrzehnten als Förderer und Besucher des mainzer Unterhauses habe ich mir bei dem von ihnen gezeichneten Textes gedacht einen kurzen, wenn auch nicht sonderlich themenbereichernden Kommentar dazu abzugeben. Das sie jedoch meinen Versuch mich mitzuteilen als Anlass nehmen mir vor zu werfen mich weder mit der o.g. Materie noch mit den anderen Kommentatoren befasst zu haben ist zwar traurig aber ihre Freiheit.

Das sie dies in eine selbstgerechten Arroganz vortragen nimmt mir aber die Luft die ich bräuchte um ihnen in einem Dialog zu folgen. Ich bedanke mich für Ihr Feedback. MfG

mcmac 11.04.2013 | 17:18

Ich will Ihnen ja nicht den Wind aus den empört geblähten Segeln nehmen, denn mein Bedauern darüber, mit Ihnen nicht weiter diskutieren zu können hält sich ebenfalls in Grenzen. - Sie können sich ja noch einmal Ihren ersten Kommentar zu Gemüte ziehen: Was Sie dort konnotieren und unterstellen, ist auch nicht gerade die sprichwörtliche Feine Englische Art - und auf eine stilvoll verbrämte Auseinandersetzung mit eigentlich ellenlanger Rabulisitk hab' ich auch keinen Bock.

amorphus 12.04.2013 | 15:34

Es gibt keine pauschalen Mittelschichts-Nazis. Sowenig wie es Mittelschichts-Stalinisten oder Mittelschichts-SEDler gibt. Wer so etwas schreibt verleugnet sein Geschichtswissen. Aber das interessiert sie nicht weil, wenn ich mir ihren Aufsatz zum dritten mal durchlese, sie einen Denkstil bevorzugen der schubladenweise trennt was für andere untrennbar ist. Zumal man das Gefühl hat das sie ein Sendebewußtsein besitzen das sie kaum noch kontrollieren können. Sie sind ein Hassadeur der nur Menschen erträgt deren Weltbild die gleiche Richtung anzeigt wie das ihre. Und lassen sie doch ihre süffisanten Bemerkungen zu meinen Kommentaren. Das macht sie zu einem kleinen trotzigen Jungen der die Aufmerksamkeit nicht verdient hat die man ihm gewährt. MfG

mcmac 12.04.2013 | 17:11

Gut.

Rüsten wir ab - und versuchen es noch einmal?..

Also: Natürlich ist der Begriff "Mittelschichts-Nazi" keine klar umreißende Definition einer sozialen Gruppe. (Ich weiß ja nun nicht, ob sie sich zwischenzeitlich die betreffende Nummer von Andreas Rebers angesehen haben?..) Eine soziologisch-akademische Abhandlung geschrieben zu haben, nehme ich auch nicht in Anspruch. "Mittelschichts-Nazi" ist ein Begriff, der m.E. etwas evoziert und zuspitzt, dass in einem (auch o.g.) Tweet von #satiregipfel so beschrieben wird: "Da soll der alte weiße Mann lachen".

Nun noch einmal ein paar Fragen an Sie: Sie meinen, es gäbe in Deutschland kein ernst zunehmendes politisches Kabarett mehr. Interessant ist dabei, da Sie (weiter oben; als ich Sie zitierte) insistierten, dass sie ausdrücklich p o l i t i s c h e s Kabarett meinten. Irre ich mich, wenn Sie zwischen poltischem und nichtpoltischem Kabarett unterscheiden? Wenn ja, was ist Ihrer Meinung nach nichtpoltisches Kabarett?

Eine weitere Frage: Sie schreiben, dass es an Publikum, dass humoristische Intelligenz beherrscht fehle. Meine efahrungen sind diesbezüglich andere. Zunächst muss ich immer wieder feststellen, dass es das Publikum abstrakt nicht gibt. Ich bin zwar des Öfteren, wie auch Sie, im Mainzer Unterhaus, darüber hinaus aber habe ich auch eine ganze Reihe von Kabarettbühnen und -veranstaltungen in Deutschland sowie im deutschsprachigen Ausland besucht. Das jeweilige Publikum war in der Summe seiner Reaktionen überall und selbst an gleichen Orten und in gleichen Vorstellungen jedes Mal "anders" - von oberflächlich-vergnügungssüchtig bis völlig verkopft-hochintellektuell-kontemplativ. Meist aber war es eine Mischung aus beidem, die mal zur einen, mal zur anderen Seite stärker tendierte. Ein grundsätzlich doofes Publikum habe ich eigentlich nie erlebt. (Dafür manchmal aber durchaus ziemlich doofe -oder sollte ich eher sagen: hilflose und ungekonnte- Kabarettvorstellungen; das kann ich aber nicht ernsthaft dem Publikum zum Vorwurf machen.)

Andersherum gefragt: Kann man den von Ihnen konstatierten Niedergang des Humors als gesellschaftliches Phänomen dem Publikum anlasten? Oder liegen die Ursachen dafür nicht möglicherweise auch wesentlich woanders?

Sie warfen mir im ersten Kommentar vor, ich schosse mit Kanonen auf Spatzen, wenn ich mich an Dieter Nuhr abarbeite. Nun, dass Dieter Nuhr gewissermaßen ein Spatz und eigentlich als Kabarettist nicht so richtig ernst zu nehmen ist, dem möchte ich nicht widersprechen. Widersprechen möchte ich aber (oder besser: Sie darauf hinweisen), dass Ihrer Wahrnehmung -trotz dreimaligen Lesens des Beitrags- wohl doch entgangen sein dürfte, dass nicht Dieter Nuhr das für mich hauptsächliche Problem ist, sondern -wie im Beitrag implizit und explizit enthalten- das ausgerechnet jemand wie Dieter Nuhr dieses exponierte Satireformat zur Primetime moderiert. Man kann ja über das Elend der deutschen Kabarett-Landschaft denken, was man will, aber mal ehrlich: Muss es ausgerechnet Sarrazins und Broders Bruder im Geiste sein, der eine Nr.1-Polit-Kabarettsendung moderiert im Öffentlich-Rechtlichen?..

Was Sie bei mir als ideologischen Eifer, als schubladenweises Trennen und als Sendungsbewusstsein ausgemacht haben wollen, ist vielleicht gar nicht das vermutete, narzisstisch verbogene Größenwahnsinnsego, kann aber möglicherweise etwas mit dezidierter, klarer Differenzierung und eindeutigen Worten zu tun haben - müsste Ihnen als Liebhaber eines ernstzunehmenden Kabaretts doch eigentlich eher zusagen, oder? :)

MfG

mcmac 12.04.2013 | 19:38

"[...]-wie im Beitrag implizit und explizit enthalten- das ausgerechnet jemand wie Dieter Nuhr dieses exponierte Satireformat zur Primetime moderiert.[...]"

Das muss ich nochmal ergänzen (vorhin machte der Akku schlapp - deshalb auch die vielen Tipp-Fehler): Die verantwortlichen Redaktionen, denen so etwas in den Sinn kommt - damit habe ich zuvorderst ein massives Problem. Idioten oder eben auch Demagogen gibt es immer. Eine ganz andere Frage aber ist noch einmal, wer ihnen wo ein Podium gibt. Das stört mich viel mehr, als ein Dieter Nuhr mit seinen kruden, biologistischen, pseudo-intellektuellen Stammel-Thesen, zumal, wenn es dann auch noch im gebührenfinanzierten TV als Krönung (Gipfel) der Polit-Satire daherkommt. Sie verstehen?..

André Bruskier 24.04.2013 | 14:18

Vielen Dank für diesen Artikel. Ich stimme voll und ganz zu.

Vor einem gefühlten Jahr sprang ich entrüstet aus dem Bett, als ich zum ersten mal den Nuhr seinen reaktionären Besänftigungssingsang unter dem Namen Satiregipfel absonders sah.

Seit langem schon fährt er diese Linie, ich schrieb schon vor Jahren Leserkommentare über Schmidt und Nuhr als die größten Büttel der Mächtigen.

Aber wenn Giovanni sich von Guttenberg diktieren lässt, braucht man sich ja über nichts mehr wundern.

Beunruhigend, dass diese Sendung ins Programm gelangen konnte, ich wüsste gerne, ob und wo der Sturm der Entrüstung tobt - ich habe davon nichts mitbekommen.

mcmac 25.04.2013 | 16:44

Vielen Dank für den 'späten' Kommentar :)

Der Sturm der Entrüstung tobt leider nicht in der Normatives schaffenden Wirklichkeit der via Mainstream-Medien veröffentlichten Meinung, sondern eher bspw. in den Weiten des Netzes (oder anders und etwas weniger verklausuliert: öffentlich und breit wahrnembar wird über das stinkreaktionäre, ideologische Zeug, dass sich als politisch-emanzipatorisches Kabarett verkleidet, nicht debattiert).

Allerdings, wenn man die Tweets #satiregipfel durchforstet, findet man durchaus klare, scharfe Kritik an Dieter Nuhr und dieser Sendung.

Sehr empfehlenswert ist auch eine ausführliche Einlassung von Albrecht Müller auf den NachDenkSeiten zum Start des Nuhr'schen SatireGipfels im vergangenen Jahr.

MfG-mcmac

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Ehemaliger Nutzer 22.10.2013 | 22:53

A.B.: "Beunruhigend, dass diese Sendung ins Programm gelangen konnte, ich wüsste gerne, ob und wo der Sturm der Entrüstung tobt - ich habe davon nichts mitbekommen."

Hast Du schon einmal Leserbriefe in solchen Zusammenhängen an ARD-Anstallten geschrieben und dann die Antworten gelesen?

Ich habe da einschlägige Erfahrung. Bei den Sachwaltern und produzenten von Volkstümlichkeit und gesundem Menschverstand dort in den Anstalten wird aus jedem Sturm der Entrüstung beim Publikum ein Sturm im Wasserglas bei den Machern. Genau den stellen Sie dann à la Nuhr oder Jonas und Schlimmerem noch als Sendung wieder aus.