Jitsi statt Skype

Datenschutz Das Guardian Project, mit weiterer OpenSource-Software kombiniert, zeigen Datenschnorchlern, was eine echte Harke ist. Man muss kein Computer-Nerd sein, um das zu machen.
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https://guardianproject.info/wp-content/uploads/2013/09/cropped-GP_logo+txt_hires_black_on_trans_header.png

Die britische Tageszeitung The Guardian hat in Zusammenarbeit mit einem französischen Telekommunikations-Unternehmen ein Projekt ins Leben gerufen, welches die Privatsphäre des Einzelnen im Internet zeitweise wieder herstellen könnte: Private Kommunikation soll privat bleiben. Dazu bietet der Projektpartner des Guardian, die Firma Ostel, die Möglichkeit, sich ein kostenfreies (wenn man möchte, sogar anonymes) SIP-Konto anzulegen.

The Guardian Project, Erfinder u.a. des TOR-Proxys Orbot für Android-Smartphones und Tablets, bietet die Möglichkeit verschlüsselter (Video)-Telefonate und der dazu nötigen Einrichtung eines kostenlosen SIP-Kontos auf den Servern von OSTel (Open Source Telephony).*

Fortan kann man über dieses Konto Ende-zu-Ende verschlüsselte Telefonate sowohl mit seinem Smartphone, seinem Tablet oder auch vom Laptop oder vom stationären Heimcomputer führen. Datenschnorchelnde Konzerne und Behörden bleiben dabei außen vor. Für mobile Geräte kann man sich auf der Seite von Ostel auch z.T. kostenlose Apps herunterladen.

https://jitsi.org/goodies/Stickers-Jitsi.png

Wer es vor allem aber gewohnt ist, am heimischen Rechner zu „skypen“, sollte, kombiniert mit einem Ostel-Konto, sofort umsatteln auf Jitsi (hier => Wikipediaeintrag).

Jitsi, das kostenlose OpenSource-Programm herunterladen und installieren:

Dann =>hier einen kostenfreien und eventuell anonymen SIP-Account bei Ostel anlegen. Den SIP-Account ins Programm eintragen, den Proxy festlegen, den Port und das Verschlüsselungsprotokoll bestimmen. Fertig.

Ab jetzt kann kostenlos und weitestgehend schnüffelfrei tele- und videofoniert werden. In der alltäglichen Handhabung so simpel, wie man es von Skype bislang auch gewohnt war. Die Erst-Einrichtung ist zwar ein wenig aufwändiger. Dafür bekommt man aber letztlich etwas ohne ab Werk eingebautes Schnüffel-Leck - mit einem Funktionsumfang darüber hinaus, von dem Microsofts Skype nicht einmal zu träumen wagt. Oder aber mindestens: Ein relativ abhörresistentes Video-Fon.

=>Hier kann man sich dafür eine kleine, z.T. bebilderte Schritt-für-Schritt Anleitung auf Deutsch als PDF herunterladen.

[Warum man Skype nicht mehr nutzen sollte, muss an dieser Stelle nicht extra noch einmal erklärt werden, oder?.. - Bei Microsofts Skype ist das Fräulein vom Amt gleichzeitig Stasi-IM bei der NSA. Sagt man komische Sachen, wie z.B. „Oh samma, Bombenwetta hoide, nä?“ oder „Merkel ist doof, aber Steinmeier nicht mal das“, stöpselt die algorithmische Dame gleich zusätzlich eine Leitung. (Gespeichert wird ohnehin ALLES, ob nun besonders komisch oder nicht.)

Vorteilhaft für die stasihaften Datenschnorchler ist der Umstand, dass die Verschlüsselung von Skype kommerziell (proprietär) ist (und somit nicht einem offenen, überprüfbaren Standard unterliegt). Skype ist eine Marke des NSA-Informanten Microsoft. Microsoft spioniert nicht nur für sich selbst seine Nutzer aus, dass es heftigst knarzt, sondern verkauft diese Daten auch heimlich und sehr bereitwillig an die NSA. Was Pullach und Köln an die NSA liefern, um in diesem geklauten Datenschatz herum zu stochern, bleibt amtlich bislang exklusiv der Fantasie deutscher Nutzer überlassen.

Skypen“ betrifft alle, die es tun. Man muss kein ausschließlicher Nutzer von Windows sein, um dem kapitalen, globalen Schnüffelapparat seine Gedanken frei Haus zu liefern. Mac-User, Smartphone-Telefonierer, sogar Linuxer – alle, die mit Skype rummachen, sind ungewollt Zuträger – quasi Stasi-IMs, ohne es zu wissen. Oder schlimmer: Ohne es wahrhaben zu wollen - weil sie es eigentlich wissen.

Aus den gesammelten Skype-Daten werden (wie aus den anderen gesammelten Daten auch; Facebook; Google; Amazon usw. usf.) mittels algorithmischer Top-Down-Analysen soziale Graphen erstellt. So kann man in digital tief vernetzten Gesellschaften (wie den Westlichen, z.B.) gut vorhersagen, wo es aus Sicht der Herrschenden demnächst „Schwierigkeiten“ geben könnte. Terrorismus und sogenannte Schwerstkriminalität ist dabei eher „Beifang“. Vielmehr geht es um die Überwachung ganzer Bevölkerungen, um Kritik oder gar Widerstand wirkungsvoll im Keim zu ersticken. Skype ist eines der dafür geschaffenen Instrumente.]

Update 22.12. | 13 Uhr: Ein Grund mehr, sofort umzusteigen (...Die neue Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff steht der umstrittenen Vorratsdatenspeicherung weiter positiv gegenüber. "Meine Grundposition ist, dass eine datenschutzkonforme Vorratsdatenspeicherung ein wirksames Instrument der Kriminalitätsbekämpfung sein kann", sagte Voßhoff...) An dieser Stelle noch einmal ausdrücklichen Dank an SPD und Grüne für die 5 Jahre währende Weihnachtsüberraschung Andrea Voßhoff.

*letztes Update 21. Juli 2015

Hompage Jitsi

Homepage Ostel

04:14 22.12.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

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