Netzspezialist und Überwachungsapologet

Henryk M. Broder verteidigt die Überwacher und ihr demokratiezerstörendes Verhalten in der "Welt"
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Friede Springers lärmender Hofnarr ist auch der Netzspezialist der Zeitung „Die Welt“. In einer dort gestern erschienen Kolumne zum Thema Überwachungsskandal vergleicht er diesbezügliche Proteste mit einem Aufstand der Exhibitionisten gegen die Voyeure, unterstellt den Protestierenden Maschinenstürmerei und in Folge – natürlich – Fortschrittsverweigerung, Naivität.

Nebenbei werden die üblichen Breitseiten gegen Linksliberale, i.d.F. Schriftsteller und Blogger, hier insbesondere gegen Ingo Schulze und Sascha Lobo abgefeuert. Das ziemlich hanebüchene Argument, dass, wer nichts zu verbergen auch nichts zu befürchten habe, hat sich der Autor dabei vollständig zu eigen gemacht: Es durchzieht als Hintergrundrauschen den gesamten Beitrag. Naja, im Grunde also nichts wirklich Neues vom verdrießlichen, mäßig witzigen „H&M Broder-Wort-Kabarett“.

Richtig lustig aber ist, und hier beweist er sich wirklich als Döpfners kompetentester Netzspezialist, dass er darauf abhebt, dass ja „nur Metadaten“ gesammelt würden. Nur meint Broder das gar nicht lustig, sondern bierernst, als Argument f ü r eine solche Überwachung. Das aber nun ist wirklich zum Brüllen. Beweist es doch, dass Broder nicht mal ansatzweise kapiert hat, wie aus algorithmisch ausgewerteten Metadaten soziale Graphen ermittelt werden können (und werden; siehe bspw. personalisierte Werbung im Netz), die im „Bedarfsfall“ selbstverständlich auch zielsicher auf einzelne Personen weisen können. Offensichtlich hat er keine Probleme mit einer Überwachungsstruktur, die darauf angelegt ist, weltweit „normales“ Verhalten der Einzelnen per Software zu definieren, um davon Abweichendes zu terminieren.

Ein besonderer Leckerbissen ist auch Broders vulgäre Auffassung von Privatsphäre und deren kulturell-zivilisatorisch notwendiger Funktion – so etwas existiert für ihn in Konsequenz schlicht nicht, wenn es um das Friedrich'sche Supergrundrecht geht.

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Vielleicht existiert ja Henryk M. Broder nicht, wenn es um Witz und Verstand, und die Zeitung „Die Welt“ gar nicht, wenn es um seriösen Journalismus geht?

Vielleicht wissen aber „Welt“ und ihr Lautsprecher Broder all das doch: Dann existieren sie tatsächlich. Und das wäre nicht mehr so richtig zum Lachen.

Henryk M. Broder: "Abhörprotest ist Voyeur-Alarm am Nacktbadestrand" (aus "Die Welt")

12:51 07.08.2013
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