S21 - "So. Also jetzt... Mir reicht's bald!"

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...sagte Heiner Geißler am vergangenen Freitag (sic!) nach ungefähr einer Dreiviertelstunde der 5. Schlichtungsrunde (etwa gegen 10:45 - im Video timecode 6:57) ...






Wer bislang noch keine Gelegenheit hatte, die sogenannten Schlichtungsgespräche anzusehen (und künftig auch eher kaum Zeit dazu haben sollte), kann in diesem 20-Minuten-Exempel betrachten, wie das 'in etwa so läuft'. Deutlich wird in diesem Abschnitt, dass Bahn und Regierende, die Mächtigen also, sich nur mit großem Widerwillen 'die Würmer aus der Nase ziehen' lassen. Selbst Heiner Geißler, immerhin und u.a. bekennendes CDU-Mitglied, fällt es angesichts dessen sichtlich schwer, Contenance zu wahren.

Bedenklich (aber nicht verwunderlich) ist, dass selbst unter dem 'Verdikt Öffentlichkeit' von Seiten der Mächtigen weiter massiv versucht wird zu verschleiern und zu verdunkeln, was das Zeug hält. Offensichtlich gibt es gute Gründe dafür, dass das selbst unter diesen Bedingungen eine erfolgversprechende Verhaltensweise ist (hier gilt der Dank insbesondere der Qualitäts-Journaille, den Elite-Truppen der Vierten Gewalt).

Möglicherweise ist das 'Verdikt Öffentlichkeit (das 'Prinzip Glasnost' würde man etwas altmodisch sagen) ja auch gar eine inzwischen wirkungslose Prämisse, da die Grenzen zwischen 'individuell' und 'privat' einerseits und zwischen 'öffentlich' und 'politisch' andererseits durch die herrschende Kultur der perversen Verquirlung der Begriffe erfolgreich verwischt sind. Anders gesagt: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert“ verliert insofern seine Bedeutung, als dass es sich ohne Ruin (ohne 'Vorleistung') ganz gut leben lässt. Das gilt (gälte theoretisch) in beide Richtungen, für alle Ränder der Gesellschaft, aus denen diese scheinbar nur noch zu bestehen scheint. (Vom 'Zentrum' also ganz zu schweigen. Und ohne echte Ränder überhaupt nur zu erwähnen.)

Was aber ein Trugschluss ist. Und nur scheinbar und oberflächlich betrachtet die These, dass das Sein das Bewusstsein bestimmt, ad absurdum führt. Denn letztlich ist es doch wohl oder übel so und nicht umgedreht. Darauf fußt die erfolgreiche Rückkehr von Apollo 13. Ob eine Mondlandung jemals statt gefunden haben mag oder nicht, ist diesbezüglich nicht erheblich.

Die Risiken des Fluges zu erläutern sind das Thema der Schlichtung. Nicht die Chancen einer Landung. Das haben die Flugingenieure der Bahn und der Politik bisher nicht begriffen: Ihre potenziellen Passagiere wollen lieber und zunächst zu Fuß Probleme lösen, anstatt abzuheben und über diesen zu schweben.

Dies zu begreifen ist zumindest eine Frage des Respekts (wenn man schon mit 'Demokratie' nicht wirklich etwas anfangen kann...). Es ist eben keine Frage nach dem rechten Winkel, der möglicher- und speziellerweise rechtens sein mag -so es ihn tatsächlich gibt im Leben. Relevant wäre dieser lediglich ausnahmsweise; dass die Ausnahme NICHT die Regel ist, scheitert -regelmäßig- an der Stutzigkeit der Mächtigen, die ihre Macht zunehmend auf verwinkelte Ausnahmeregeln stützen müssen, um ihre Aufrichtigkeit öffentlich legitimieren (stützen) zu lassen...

Fasst könnte man sich dazu hinreißen lassen und jenen auch empfehlen: Oben bleiben!

P.S.: Warum, lieber "Freitag", gibt es das wunderbare "Stuttgart 21 - Kommentare, Berichte, Analysen"-Applet auf dieser Seite nicht mehr? -Liegt das Thema nicht unmittelbar in der Natur dieser Zeitung? Irre ich? (Wenn ja, warum? -Da Sie auf andere Anfragen diesbezüglich bisher nicht antworten konnten, wähle ich diesen Weg. Selbstverständlich können Sie ebenfalls auf diesem, öffentlichen Weg antworten. Danke.)

06:31 21.11.2010
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