mcmac
22.05.2010 | 12:56 36

Uns` Horst verliert die Maskenkontrolle

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied mcmac

Jetzt ist die Katze -oder besser: der Knüppel- aus dem Sack, höchstamtlich. Deutschland sei eine Außenhandelsnation und müsse zur Wahrung seiner Interessen im Zweifel auch zu militärischen Mitteln greifen. Ein unverhohlener Satz, wie er aus der Mitte der Bush-Administration seinerzeit nicht besser hätte kommen können. Er stammt aber von Bundespräsident Köhler, geäußert im Deutschlandradio Kultur nach seinem gestrigen Blitz-Besuch in Masar- I- Sharif. (luggis audio-danke!)

Wenn es um „deutsche Interessen“ geht ist es also sakrosankt, mal die eine oder andere Bombe auf wehrlose, unschuldige Menschen, darunter Kinder, zu schmeißen. Im Zweifelsfall ist es also völlig O.K., ganze Familien zu massakrieren, nur weil sie sich in ihren klapprigen Autos deutschen Schützenpanzer-Kontrollpunkten nähern. Und sich dabei nicht an die von Deutschen in Afghanistan vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit für solche Fälle halten. Nicht nur richtig ist das, sondern sollte angesichts der Großartigkeit solcher Taten auch unseren Respekt verdienen, meint Bundespräsident Köhler. (Und er meint nicht das Tempolimit.)

Innerhalb von 8 Jahren sind brunnenbohrende Entwicklungshelfer in Uniform zu schwer bewaffneten, finalen Großkaliber-Rettungsschützen deutscher Interessen mutiert. Und wenn demnächst diese Interessen sich als nicht gesamtdeutsche, sondern als lediglich "freie Handelswege", also private Geschäftsinteressen herausstellen? Was folgt dann? Der Euro wird am Hindukusch verteidigt? Die "Gelbe Gefahr" eingedämmt? -Blut und Ehre? -Die Rasse?..

Vielen Dank an dieser Stelle auch noch mal an Schröder/Fischer/Müntefering/Steinmeier etc., dass Ihr, als linke deutsche Kraft getarnt (denn ein Teil von Euch ist Mitglied der Partei Willy Brandts und Egon Bahrs) derartige Interessen tatkräftig mit auf den Weg gebracht habt. Einen Weg, den Ihr und Eure Epigonen nicht als Irrweg erkennen wollt, geschweige denn, verlasst. Von diesem Ungeist getrieben habt Ihr auch die Chance zu Rot-Rot-Grün in NRW (und somit in Folge zu einer möglichsten raschen Beendigung des Krieges in Afghanistan) schon im Ansatz erfolgreich zerbombt. Und das ganz ohne expliziten Schießbefehl. Chapeau!

Fantastisch die Vorstellung, welche Art Unrechtserklärungen Grünen und sogenannten Sozialdemokraten dereinst zur bedingungslosen Unterschrift vorgelegt werden, bevor man mit ihnen über eine politische Zusammenarbeit redet.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (36)

Magda 22.05.2010 | 15:21

Ich habs gehört. Da ist der Köhler "zur Kenntlichkeit entstellt". (Leider stammt diese Wendung nicht von mir)
Irgendwie hat der sich gesagt: Wir können nicht immer das Frauen-Burka-Unrecht, das uns auch gar nichs angeht, vors Loch schieben, wir dürfen nichts von Aufbauarbeit faseln. Wir sollten mal die Burka fallenlassen und den sicheren Schulweg für unsere lieben Afghanen, vor allem die Mädchen unter ihnen, verlassen und wirklich über Politik reden und dann auch in Termini, die aus der Politik kommen und nicht aus der Moral. Also um Interessen geht es. Wer hätte das gedacht. Was waren wir überrascht, als der das sagte.

Ich finde, Köhler hat wenigstens zur Klarheit beigetragen mit seinem Statement. Es war immer noch - Du hast drauf hingewiesen - eine Menge vaterländische Brühe in diesem Beitrag, aber wenigstens weiß man jetzt, wohin die Reise geht. Er hat ja auch darauf hingewiesen, dass es weitere Debatten geben wird und muss über diesen Krieg.
Von daher: Danke Köhler. Nun weiß man - auch offiziell - was das für ein Einsatz ist.

luggi 22.05.2010 | 16:09

Das ist doch ein journalistischer Skandal.
Heute früh habe ich das Interview, das Herr Ricke mit Bundespräsident Horst Köhler führte, gehört. Und bei den Ausführungen Köhlers zu zukünftigen Aufgaben der Bundeswehr (Einsatz der Bundeswehr bei regionalen Konflikten und zur Sicherung von Transportwegen) ist mir der Kaffee im Hals stecken geblieben. Vergeblich habe ich der Site von Deutschlandradio Kultur nach dem Audio gesucht, um das Interview nachzuhören. Die Textmeldungen wurden mehrfach überarbeitet und konnten nicht als verlässliche Quelle dienen. Jetzt steht das Interview als Audiofile auf der Website, aber die bewusste Stelle ist heraus geschnitten. Bevor Köhler zu der Aussage kommt, bricht das Audiofile ab.
Köhlerinterview zu Afghanistan
Diese Stellungnahme beweist, dass Köhler hier ein Statement abgegeben hat, das gegen Geist und Text des Grundgesetzes steht. Schade, dass Dradio Kultur nicht das vollständige Interview wiedergibt.

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primo 22.05.2010 | 16:25

Schade, ich find jetzt grad den Spiegel nichtmehr mit dem Bericht über den kürzlichen Machtwechsel im Bundespräsidialamt. Der 2. Mann nach Köhler, also sein engster Berater, ist jetzt seit kurzem ein anderer. Er ist gegen den Willen der Mehrheit dort an allen vorbei nach vorne geperscht
(worden?). Ein Beamter mit eher militärisch ausgerichten Vorstellungen.

mcmac 24.05.2010 | 01:53

Doch. Die meisten Deutschen haben das verdient. Und zwar sich selbst. Redlich. Und B-harrlich. Obwohl es nicht einfach war, dass R gegen ein A auszutauschen an dieser Stelle.
Der verräucherte SchwarzWaldKohle-Horst soll ruhig seine Legenden weiter spinnen; aber bitte unsubventioniert weiterhin und nicht in teuer -von uns bezahlten- Regierungs-Airbussen. So Klasse ist seine Öl-SaTiere nun auch wieder nicht.
ALLERDINGS: Sein überaus relevantes Gequatsche eines über den Wolken schwebenden Bundes -Honeckers sollte tatsächlich nicht vergessen werden...

mcmac 24.05.2010 | 02:38

Lieber Maulwurf,
ich weiß nicht, wer Dir auf den Kopf gemacht hat.
Aber ich weiß auch nicht, wer Dir auf den Kopf gemacht haben sollte, wenn Du eigentlich kein Maulwurf, sondern meiner Omas Pinguin bist.

Fest steht, dass DIE uns allen auf den Kopf machen (mir auch viel!), so lange, bis wir finden, dass Auf-Den-Kopf-Machen richtig Scheiße ist.

...Hat jemand einen `fiesen` Tipp, wie man Köhlers "Entgleisung" weiter und signifikant veröffentlichen könnte?...

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Ehemaliger Nutzer 31.05.2010 | 20:46

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe ohne Kriegserklärung, mehr noch als der Rücktritt des Ministerpräsidenten des Landes Hessen Roland Koch am 25. Mai 2010. Bei allem Respekt vor der Würde des Amtes bleiben Fragen offen, die sich aus der Eurokrise und einer möglichen Währungsreform ergeben. Die Geschichte wird die Antworten liefern müssen: Am 1. Juni 2010, sowie in den Jahren und Jahrzehnten danach. Europa unterliegt einem Wertewandel wie nie zuvor in der Weltgeschichte.