Kommentare von Matthias Dell

Matthias Dell 08.04.2016 | 09:40

"Böse Sender" und "rangezüchtet" führt in diesem Fall m.E. in die falsche Richtung – wem will man denn einen Vorwurf machen und vor allem, welchen? Interessant sind doch die 39 Jahre und über 400 Folgen und der selbstgewählte Ausstieg jetzt; was was mit Ande als Typ zu tun hat (dass er eben nie "Der Alte" sein wollte), aber auch mit einer bestimmten fernsehhistorischen Situation und wohl auch Zufällen. Und für einen Schauspieler waren das bestimmt eine relative angenehmen Arbeitssituation, sieht man davon ab, dass er sich jetzt nicht in vielen verschiedenen Rollen permanent selbst verwirklichen konnte

Matthias Dell 29.01.2016 | 14:52

ich weiß nicht, dass mit dem Western/Abgesang/Renaissance, das kann man doch jedes Jahr wieder machen, weil es nie den letzten und immer noch einen "späten" geben wird. ob es, wie auch angezweifelt, bei "hateful 8" wirklich um die frontier geht, wäre so ne frage. eher um das historische setting, in dem die geschichte als mördersuche in blick auf eine figur wie samuel l. jacksons marquis neu/anders diskutiert wird

Matthias Dell 14.08.2015 | 14:55

Dann habe ich Sie wohl etwas falsch verstanden, sorry dafür. Dennoch scheint mir was an diesem Verständnis problematisch, "fremdenfeindlich" ist ein Wort, das etwas verschweigt, und dass wir das von mir aus alle sind, wäre nichts, bei dem ich mich lange aufhalten würde (was hat man davon? Die Erkenntnis kann doch nur dazu dienen, etwas anders zu sehen). Rassismus finde ich als "Kampfbegriff" auch falsch beschrieben.

Matthias Dell 14.08.2015 | 14:51

bei "gesprengte ketten" würde ich widersprechen, das ruft doch ein verhaftungsbild aus anderer zeit auf. und bei "all the presidents men" hieß der film im ddr-verleih meines wissens "die männer des präsidenten", wobei die genitiv-konstruktion immer weniger geschmeidig wirkt als die möglichkeiten, die die englische grammatik bietet. gilt ja auch für "club der toten dichter", obwohl ich das gar nicht als sperrig empfinde, die falsche alliteration mit "t"/"d" hat doch einen gewissen reiz.

sonst würde ich auch den restlichen kommentaren beipflichten - es ist ein spannendes thema, wie sich kultur in solchen kleinen sachen ausdrückt. bei "wenn die gondeln trauer tragen" und "spiel mir das lied vom tod" ("die durch die hölle gehen" gehört wahrscheinlich auch noch dazu) versteh ich auch, wenn man sagt, das sind gelungene deutsche titel - eben weil sie so griffig sind, dass sie selbst zu wendungen geworden. das funktioniert wohl aber nur mit großen filmen im rücken bzw. unterm label, genau betrachtet ist "wenn die gondeln ..." ja auch ziemlich drastisch und cheap.

Matthias Dell 10.08.2015 | 09:31

Liebe/r Miauxx, sorry für die Ökonomie (in der Tat), ich dachte, es ist wie im alten Honni-Gorbi-Witz über die Versorgungsengpässe in der Planwirtschaft (Gorbi: Wir haben ein Problem, die Wintermäntel landen in Sotschi und die Sommermoden in Sibirien. - Honni: Das kann uns nicht passieren, wir schicken einfach alles nach Berlin, da holt sich jeder ab, was er braucht). Dass Sie also einfach die Antworten auf Ihre Fragen beziehen, die darauf gemünzt sind (die Idee mit der Indiekunst kam von Zietz, ich hab Ihnen da also nichts im Mund rum drehen wollen). Dass ein Flop kein Zeichen dafür sein müsse, dass ein Film nicht kommerziell gedacht war, stimmt - es verfehlte "Heil" trotzdem und nützt also nix; kommerziell zu denken hieße da allenfalls, sehr, sehr vage auf einen kleinen Hit zu hoffen (so wie "victoria" jetzt). Natürlich kann man auch Trailern auch was schließen, ich fand nur Ihre Argumentation da etwas zu entschieden (die nahm auch immer weiter Fahrt auf), und ich würde aus den Gründen des Respekts darüberhinaus immer sagen, dass man doch den Film schauen und nicht den Trailer hochrechnen sollte, wenn man sich ernsthaft darüber verständigen will, Kunstkritik kann man nun mal nicht nach Inhaltsangaben betreiben ("zu handeln scheint"). Beste Grüße

Matthias Dell 10.08.2015 | 09:21

By Jove, Zietz, jetzt seien Sie doch mal nicht so beleidigt. Keiner hat Ihnen oder dFC-Kommentatores was verboten, es geht überhaupt nicht ums Dürfen. "Widerspruchslos konsumieren", so ein Quatsch. Ich habe lediglich drauf hingewiesen, dass gewisse Grundannahmen m.E. den Film verfehlen. Und dass wir aneinander vorbeirreden, so wie Sie "Kriegerin" diskutieren wollen, Sie meinen den Film längs, also in der Qualität, die Sie mochten, Begrichs Hinweis verhält sich aber quer, da geht es um ein Moment, dass den Film mit anderen verbindet (was aber nicht heißt, dass man Alina Levshin nicht toll finden kann oder was weiß ich - es geht nur einfach nicht darum). Auf der queren Ebene, so Begrich, und ich finde das eben nachvollziehbar und vor allem auch: interessant als Aspekt, ist es keine andere Liga, sondern nur dieselbe Suppe. Das habe ich jetzt aber zum letzten Mal gesagt.

Matthias Dell 07.08.2015 | 16:54

und @richard zietz

Na, ja, Ton macht schon auch Musik; aber von mir aus können Sie ruhig auf den Schlamm hauen, Sie sollten dann nur wissen, wovon Sie reden. Und da sind mir sowohl bei Ihnen, Miauxx, als auch bei Zietz zu viele Projektionen am Start (Was kann man über Filme sagen, die man nicht gesehen hat – das ist doch nicht seriös, das so an den eigenen Vermutungen am Trailer lang zu beurteilen, auch wenn ich ja sagen würde, dass Sie nicht viel verpassen). So einen langweiligen Kommerzvorwurf an einen Film zu machen, der seine Kosten im Leben nicht reinkriegen wird - und das ist, anders als in Hollywood, kein Flop, sondern die Normalität im deutschen Kino. Und "Heute Show" macht auch was anderes.

Genauso abwegig scheint mir die Vorstellung von einer "Indiekunst", die gar keinen Erfolg will. Künstler, die nicht wollen, dass ihre Sachen nicht gesehen werden. Außerdem: Das funktioniert im deutschen Film nicht, in diesen Major/Indie-Kategorien zu denken; auch in den USA scheinen die mir obsolet. Oder diese Definition von "Nichtpädagogischen Filmen" von Zietz, die ist so geräumig, da kriegt man 90 Prozent aller Filme reinargumentiert. So wie es umgekehrt wenig tauglich ist, als Sinn von "Pädagogischen Filmen" PR anzugeben. "Pädagogische Filme" sollten doch Pädagogik zum Ziel haben, "PR" funktioniert dagegen dort besonders gut, wo so was wie Moral und Erziehung nicht am Start ist, siehe Donald Trump. Das ist PR.

Worum es aber doch eigentlich ging: dass "Kriegerin", so gut Sie den finden, sich in dem Outsourcing von Nazis via Klischee eben nicht so sehr von "Heil" unterscheidet. Das ist alles schön weit weg und hat mit der Mitte nichts zu tun. Das kritisiert Begrich, und ich finde diesen Punkt interessant; um den zu sehen, muss man aber von diesen E-U-Projektionen lassen können. Ironischerweise wendet sich "Heil" ja genau dagegen. ("Kriegerin" könnte man auch als cleveres PR-Projekt seines Regisseurs erzählen, der dann noch das "Glück" hat, dass der Film zwei Monate nach dem Auffliegen der Zwickauer Zelle rauskommt und die ganze Betroffenheitsbereitschaft abbekommt, die sich dadurch angesammelt hat; und pädagogisch ist der doch ohne Ende, wenn die schöne Hauptfigur von der bösen Nazi-Sache gerettet wird zur Fluchthelferin; was da noch den Zuschauer beschäftigen soll, "eigentätig", ist mir unklar)

Matthias Dell 06.08.2015 | 18:13

Nichts für ungut, aber Ihr bescheidwissender Ton ("die Herren") würde besser kommen, wenn er von mehr Bescheidwissen und weniger Unterstellungen ("vermutlich jede kulturelle Verarbeitung des Themas inädaquat"/ und der Witz mit der Doku ist natürlich ungeheuer lustig) gedeckt wäre. "Heil" zum Beispiel "schnelle Cash-Generierung" zu unterstellen, ist - rührend. Der Film hat nach drei Wochen 30.000 Zuschauer, Tendenz fallend, das macht knapp über 200.000 Euro Einnahmen, gekostet hat er 2,7 Millionen Euro. Heißt: das wird kein Film, der dem deutschen Fördersystem was zurückzahlen kann. Heißt aber nicht: schnelle Cash-Generierung.

"Bully-Herbig-Klamotte" ist auch eine Kategorie, die "Heil" verfehlt, Bully-Herbig-Filme beziehen ihren Witz daraus, bekannte Buddy-Filme durch (Homo)Sexualisierung parodieren zu wollen. Gemessen daran ist "Heil" doch wesentlich gegenwärtiger, da geht es nicht um Pubertierendenhumor.

Aber Ihnen geht es ja auch gar nicht um genaue Kategorien, sondern nur um so ne öde E-und-U-Hierachisierung (weshalb Sie dann nicht verstehen können, dass das Neonazi-Klischee sowohl im schaurigen Sozialdrama a la "Kriegerin" als auch in der satirisch sich dazu verhalten wollenden Komödie "Heil" auftauchen kann - genau das und nur das war der Punkt im Gespräch). Wobei der größte Gag natürlich ist, dass Sie mit so nem Begriff von Kunst anderen Leuten "pädagogisierende Didaktik" vorwerfen - dabei operieren doch genau Filme wie "Kriegerin" in diesem Feld; da würde ich Brüggemann sofort zustimmen.

Matthias Dell 06.08.2015 | 16:45

wieso reflexhaft? wenn jemand "fremdenfeindlichkeit" als "normal" betrachtet, dann hört bei mir verständnis und sympathie auf. was spricht dagegen? und die echten gefühle will sich doch zelotti nicht von falschem verstand kaputtmachen lassen, wenn ich ihn richtig verstehe. was für ein weirdes denken. darunter fällt für mich auch: "Freundlichkeit ist allerdings auch nicht normal, sonst gäbe es das Wort als Abgrenzung zu Feindlichkeit nicht." was soll das denn heißen, was sollen diese völlig absurden polarisierungen, carl schmitt doesn't live here anymore. warum soll ich menschen, die ich nicht kenne, nicht einfach freundlich gegenübertreten? warum soll ich nicht einfach jeden menschen freundlich gegenübertreten? warum soll ich angst haben vor menschen, die nicht aussehen wie ich?

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