Das merkwürdige Schätzchen

Starsystem George Clooneys neuer Film „Monuments Men“ ist so langweilig, dass man beginnt, sich ganz allgemeine Gedanken zu machen
Matthias Dell | Ausgabe 08/2014 2
Das merkwürdige Schätzchen

Bild: Twentieth Century Fox

Zu den großen, noch ungelösten Menschheitsrätseln gehört die Frage, was es braucht, um die Leute ins Kino zu bewegen. Warum entscheidet man sich für den einen Film und gegen den anderen? Die Filmkritik ist bei der Suche nach einer Antwort vielleicht nicht der beste Auskunftsgeber, weil sie befangen ist: Sie mischt mit beim Ringen um Öffentlichkeit für diesen oder jenen Film, wobei ihre Stimme, da wo sie eine Auseinandersetzung mit dem Gegenstand sucht, so laut und kraftvoll ist wie das Pfeifen im Walde – gemessen am Kanonendonner der PR, den internationale Produktionen verursachen können.

Filme wie Monuments Men von George Clooney, die schon Klatschspalten füllen, wenn sie in Potsdam-Babelsberg gedreht werden, weil der Star vom Ganzen dann im Berliner Nachtleben rumsitzt. Dann läuft so ein Film auf der Berlinale, wo die versammelte Besetzung – neben Clooney Matt Damon, John Goodman, Bill Murray und der unbekanntere Franzose Jean Dujardin – vor den Fernsehkameras und Fans über den Roten Teppich läuft.

Natürlich kann man auf eine Kritik von Monuments Men verzichten, konsequenterweise müsste man das, wenn man anfängt, über die Möglichkeiten von Filmkritik nachzudenken. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine solche Geste des Weglassens als subtiles Statement eines Nichteinverstandenseins gelesen werden könnte, ist jedoch gering. Und es spricht einiges an dem Film dafür, dass ein Publikum (und Kritiker sind nichts anderes als ein erstes Publikum) sich mit eigenen Augen davon überzeugen will, wie der Film ist: Es geht um Nazis und die Kunstschätze, die eine Gruppe alliierter Experten retten will vor Zerstörung in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs. Das muss nicht einmal spannend sein, es klingt nur vertraut, sich selbst erklärend, so dass der Zuschauer davon ausgehen kann, in Monuments Men an bereits gemachte Seherfahrungen anzuknüpfen.

Solche Kontinuität, die Trägheit des Genres, ist ein nicht zu unterschätzender Aspekt bei der Produktion von Bildern. Die psychoanalytisch inspirierte Zürcher Anglistin Elisabeth Bronfen hat gerade ein dickes Buch vorgelegt, das unter dem Titel Hollywoods Kriege in klugen Einzelanalysen zeigt, wie das US-amerikanische Kino mit jedem neuen Kriegsfilm all die Kriegsfilme davor zu verarbeiten versucht.

Komische Gesichter

Allerdings ist Monuments Men kein Beitrag, den Bronfen bei einer Neuauflage innerhalb dieser Überbietungs- und Korrekturlogik berücksichtigen müsste. Es ist überhaupt ein Film, der wenig Berücksichtigung verdient: misslungen, zwar nicht von der Art, die einen aggressiv macht, aber doch so gehörig, dass man sich ratlos fragt, was Clooney, der als Regisseur interessante Arbeiten vorgelegt hat, mit dem historisch verbrieften Stoff wollte.

Monuments Men tapert mit putziger Musik durch die Weltgeschichte wie Gesprengte Ketten vor 50 Jahren, und selbst wer diese überdeutliche Form von Humor mag, die etwa darin besteht, dass die komisch aussehenden Darsteller komischer Charaktere wie Bill Murray und John Goodman komische Gesichter ziehen, kann Gedanken an Langeweile nicht verdrängen, weil Clooney die Konvention, die ihm vorschwebt, beständig verfehlt. Den Wettlauf mit den Kunstschatzsuchern auf sowjetischer Seite deutet er genauso an wie einen Wettstreit mit Nazis, die verbrannte Erde hinterlassen wollen – um aus diesem einfachem Mittel der Spannungserzeugung nichts zu machen. Dabei würde es zum Schematismus des Films passen.

Das Drollige wird ab und an konterkariert durch das Pathetische in Form der wiederkehrenden Frage, ob der Einsatz der Monuments Men moralisch zu rechtfertigen wäre, ob ein gerettetes Kunstwerk ein Menschenleben wert sei. Ja, meint der von George Clooney gespielte Anführer schließlich, wobei der Film darüber vielleicht anders denken würde, wenn die Geopferten nicht die von nicht so prominenten Schauspielern (Dujardin, Hugh Bonneville) verkörperten Nebenfiguren wären, sondern Clooneys Chef und Damons Vize. Und deshalb ist der Grund für die Attraktivität von Monuments Men am Ende immer der Star: George Clooney. Der sieht nicht nur gut aus, er verbürgt auch Gewohnheit. Vor ihm scheut sich das Publikum nicht.

Die Scheu sei aber zentral, wird auf Nachfrage zumindest vom Verleih vermutet, für den fehlenden Zuspruch eines kleinen, abstrakt-verspielten, von der Kritik uneingeschränkt gemochten Films der Berlinale 2013: Das merkwürdige Kätzchen von Ramon Zürcher (Freitag vom 27. Dezember). Anfang des Jahres ohne nennenswerte PR gestartet, liegen die Besucherzahlen unter der Wahrnehmungsschwelle der Kinostatistiker. Und so sucht dieser Text über einen langweiligen Film (Monuments Men) seine Erfüllung darin, zumindest darauf hinzuweisen, dass es andere Filme (Das merkwürdig Kätzchen) oder gute Bücher (Hollywoods Kriege) gibt, mit denen man sich seine Zeit vertreiben kann.

Monuments Men George Clooney USA 2014, 118 Minuten

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06:00 05.03.2014
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