Frau Odenthal, ist was passiert?

Tatort Der Jubiläums-Tatort von Lena Odenthal a.k.a. Ulrike Folkerts (Nr. 50) macht das Verbrechen zum Kunstwerk: Ein Serienmörder inszeniert

Reine Spannung gibt es nicht, auch wenn wir versuchen, als deren Apologeten hier aufzutreten. Zumindest nicht beim geschätzten Tatort, wo es das wiederkehrende Ermittlerteam mit wechselnden Bösewichtern zu tun hat. Die Bösewichter werden zumeist von Gaststars vertreten, und in der Logik von Prominenz ist es am Ende zumeist der Gaststar gewesen, dessen Name am hellsten strahlt. Ein prominenter Gaststar in einer völlig unspektakulären Nebenrolle – das wäre das Trojanische Pferd eines spannungsreichen Tatort. Hat es so bestimmt auch schon gegeben, ehe uns jemand der Uninformiertheit zeiht.

Vor diesem Hintergrund hat der 50. Lena-Odenthal-Tatort mit dem – hat da jemand vergessen, den Arbeitstitel zu ändern oder werden die Arbeitstitel beim Tatort ganz bewusst nicht mehr geändert – schönen Titel Hauch des Todes eine überaus eine interessante Besetzungsliste: Lars Rudolph, Sven Pippig, Lars Eidinger. Denn schon allein an der Besetzungsliste kann man ablesen, dass es um einen Psychopathen gehen muss; drei Schauspieler gegen ihr Rollenbild zu besetzen, traut sich kein deutscher Fernsehfilm. Und insofern ist es nur konsequent, einfach all die Schauspieler in einer Folge zu besetzen, die für den psychopathischen Serienmörder in Hauch des Todes in Frage kommen.

Am Ende waren's dann auch irgendwie alle, und auch das ist nur konsequent: Unschuldig ist weder Pippigs tumb-gewaltätiger Klingspohn, der immerfort (sehr schönes Detail) alle Verben mit "tun" bildet und der vorbestraft ins Rennen geht; noch Rudolphs genervt-austickender Brenner, der einen, den ersten Mord begangen hat an der Schwester der Mannheimer Kommissarin Schönfeld (Katja Bürkle) begangen hat (die hier nur da ist, um mit Ko-Kommissar Kopper, von Andreas Hoppe gespielt, nach dem Essen ins Bett zu gehen). Und schon gar nicht Eidingers freundlich-sadistischer Muttersohn, der falsche Spuren legt, Leichenfunde inszeniert und der Täter hinter dem ganzen ist. Diese konkrete Besetzung könnte man nun wiederum lesen auf It-Boys und Konjunkturen des Psychopathentum im deutschen Fernsehens, das heben wir uns aber fürs nächste Mal auf.

Hauch des Todes lebt, nachdem es in den ersten zwanzig Minuten doch sehr verwirrend und anstrengend effektvoll zugeht (Regie: Lars Montag), von dem Reiz, den der Serientäter verströmt (Buch: Jürgen Werner). Der Serientäter ist für eine mediale Wahrnehmung geradezu gemacht beziehungsweise ein Serientäter ist nur vorstellbar in einer medialisierten Gesellschaft (was, noch ein Dementi, nicht heißen soll, dass es zwanghafte Charaktere, die die Grenze von Fantasy und Reality nicht auch schon vor Erfindung der Druckerschwärze gegeben hat). Werner Buchs spielt jedenfalls äußerst lustvoll mit den Möglichkeiten dieser Verbrechensästhetik, indem es crazy Muttersohn Tretschok (Eidinger) als den Regisseur vons Ganze hinstellt. In den besten Minuten ist der Ulrike-Folkerts-Jubiläums-Tatort deshalb ein High-End-"Columbo", in dem Mord wie ein Kunstwerk "gelesen" (Oliver Kahn) werden muss. Auch wenn dieser Tatort in vielen Momenten zugleich gewöhnlich routiniert wirkt.

Etwas für den eigenen Konversationsschatz: "Darling, you're really from the last millenium, aren't you?"

Würden wir dagegen nie sagen: "Er sucht sich immer starke Frauen."

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21:45 22.08.2010
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