In ganz Mitteldeutschland

Polizeiruf Für den großen Schlussapplaus fehlt die Kraft: Schmücke (Jaecki Schwarz) und Schneider (Wolfgang Winkler) nehmen sich nach 17 Jahren raus mit "Laufsteg in den Tod"

Es fleckt ja heut jarniche, pflegt der Hallenser in seinem so liebenswürdigen wie eigenem Idiom zu sagen, wenn's mal nicht vorangeht. Mit the two Herberts, Schmücke (Jaecki Schwarz) und Schneider (Wolfgang Winkler), geht's nach 17 Jahren und mit dieser 50. Folge zu Ende. Und man hätte dem Fall gerade Gemütlichkeit gewünscht – etwa von der Art, wie Schmücke sie zu Beginn verströmt in diesem Weinlokal mit dem hellkarierten Hemd, den Hosenträgern und vor allem mit einer Plautze, die weiter an Format gewonnen hat.

Etwas hübsch-schrullig Missmarpliges, so wie es in Ansätzen zu erkennen war vor einem Jahr. Zumal der Vorteil vom Ende doch sein könnte, dass nichts mehr zu verlieren ist, es komplett egal gewesen wäre, wie Schmücke und Schneider ihren Abschied aus dem MDR-Polizeiruf bestritten hätten.

Aber, ach, Laufsteg in den Tod (Buch: Hans Werner, Peter Gust; Regie: Hans Werner) spricht, in leichter Abwandlung eines schönen Worts von Ekkehard Knörer, die Sprache des ehrgeizlos sich Durchmoderierenden fließend. Die Geschichte ist auf so eine uninteressante Weise aufgeregt, bemüht um Aktion und was sonst noch zum Sonntagabendkrimi gehört, dass einem ganz arg ums Herz werden kann. Es ist nicht schlimm, aber dass es nicht mal das ist, macht es eigentlich noch viel schlimmer.

Die Heidi heißt Sylvia

Alles so routiniert runtergerotzt. Der MDR als Sendegebietspromoter kann reizende Ausflugsziele vorzeigen (Ferropolis, Wörlitzen), ein Gaststar (Sonja Kirchberger als Sylvia Gregori) sorgt für Attraktivität und Fame. Die Model-Geschichte ("beautiful, beautiful") tut so, als interessiere sie sich für die sogenannten jungen Leute vor der Knipse, indem sie von dem schick anzusehenden Drillcamp Heidi Klums irgendwie auch profitieren will (Kirchbergers Gregori macht auf neoliberale Domina), zugleich aber die Schiedsrichter der Sozialdemokratie (vor allem: Schneider) jeden Menschenverachtungsmove mit einer grundsätzlich-empörten Feststellung abpfeifen lässt ("Unglaublich, was diese Mädchen sich antun"). Der Zusammenhang von Wohltätigkeitswirken der Modelbude und Zwangsprostitution im Tschechischen, in der's dann endet, muss noch nicht mal weiter entwickelt werden, der versteht sich im Sendegebiet von selbst, wo nur ein Plattenbau sich des Elends schuldig bekennen muss (Kamera: Frank Grunert) hinter einer Mutter, die mal bei Schmücke geputzt hat und ihre Tochter verloren.

Im Presseheft steht auch noch, dass Sara Kulka als Janin debütiert, und Sara Kulka eben bei Topfmodel-Heidi mal 4. geworden ist und von Leipzig (Sendegebiet!) her stammt. Wir haben Janin aber leider nicht identifiziert gekriegt.

Dabei, könnte man jammern, hatte die Mördersuche nach dem Tod der Umfallerin (Muriel Wimmer als Lisa Benthin) im Hotel und im herrlichen Wörlitzen doch was von dieser missmarpleschrulligen, cluedohaften Mördersuche am festgelegten Ort, wo stadttheatrös-taubenschlageske Auftritte und Abgänge (was allein bei Sylvias young Lover Paolo, gespielt von David Rott, geht) das Salz in der Suppe gewesen wären und der überschaubare Radius gut mit den eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten der beiden Onkels korrespondiert hätte – Verfolgung aufnehmen konnte jedenfalls nur die nun mit ausrangierte Neue (Isabell Gerschke), das allerdings sehr elegant, derweil good ol' Schmücke meanwhile schnappatmend artikuliert: "Sie müssen die Vernstaltung (sic) absagen."

Einfach nur fertig werden

Aber naturgemäß hat dieser Polizeiruf kein Gefühl für Möglichkeiten, die jenseits dessen liegen, was man so macht. Und so macht er halt, alles so fix, dass nichts sich entwickeln kann, weder was Psychologisches, was das Verhältnis zwischen Naiv-Nadine (Lisa Tomaschewsky) und ihrem Beschützer Caterer-Martin (Christoph Reinhardt) erklären könnte, noch was Krassskandalöses über den Disziplinierungsterror zur Zwangsprostitution in Karlovy Vary, Kafka ul. 10, der da so holterdiefolter die derbsten Gewaltanwendungen erzählt.

Der Polizeiruf Laufsteg in den Tod will einfach nur fertig werden, und das sind Schmücke und Schneider am Ende dann auch: eine kurze Ausfahrt auf die Elbe, die technischen Möglichkeiten der Bildbearbeitung werden noch mal hochgejagt und Frau Lindner ist schon beim Abschminken.

Na, ja.

Mal wieder was für den Grabstein: "Sie ist Konflikten immer aus dem Weg gegangen"

Ein Klassiker des Bürolebens: "Freitag ab eins macht jeder seins"

Etwas, das man nicht nur im Sendegebiet denken kann: "Das hier hat doch keine Zukunft"

21:45 03.03.2013

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