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Tatort Es geht zur Sache: In dem Konstanzer Tatort "Der Polizistinnenmörder" steht der Action kein gesellschaftliches Problem im Weg, das bearbeitet werden muss

Nein, das war kein Doris-J.-Heinze-Tatort, auch wenn der avancierte Zuschauer bei den Credits zu Beginn naturgemäß skeptisch werden musste – "Drehbuch: Leo P. Ard", das ist doch kein Name für einen Drehbuchautor! Anders als zum Heinze-Alias "Marie Funder-Donaghue", unter dem die vormalige NDR-Fernsehspielchefin selbst Drehbücher schrieb, die sie dann produzieren ließ, gibt es zu Leo P. Ard eine Information im Presseheft, die ihn als gewesenen Bankkaufmann und Journalisten ausweist, dessen bürgerlicher Name Jürgen Pomorin lautet. Das etwas – man weiß nicht, wie Fernsehredakteure darüber denken, die dann Pressehefte drucken und Credits ausgeben müssen – alberne Pseudonym ist immerhin schon ein Vierteljahrhundert alt und steht unter verschiedenen Produktionen des deutschen Krimi-Unterhaltungsgewerbes.

Unterhaltung ist ein gutes Stichwort, denn Leo P. Ard legt die Geschichte von "Der Polizistinnenmörder" (könnte fast als Reinecker-Titel einer Kommissar-Folge durchgehen, obwohl man sich die Beziehung zwischen Reinecker und weiblichen Berufsbezeichnungen jenseits von Hausfrau und Sekretärin eher schwierig vorstellt) als Thriller, wenn nicht modernen Western an, denn die Kavallerie kommt ewig nicht. Kein Themen-Tatort, keine Milieustudie, sondern Action, Action, Action. Gleich in der ersten Szene soll verhaftet werden, und dann dauert's bis zum Schluss, ehe der verhaftete, mittlerweile zum Sympathieträger gewordene Waffenhändler, da ist, wo er hin soll, und kein Schurke mehr lebt, der ihm ans Leder wollte. Problem dabei ist, dass es für den deutschen Fernsehfilm nicht genug Geld gibt, um es krachen zu lassen, wie man es in einem Film mit Verfolgungsjagden zu Land, zu Wasser und zu Fuß krachen lassen sollte, und dass Regie und Schnitt auch nicht drauf getrimmt sind – wenn man bei der Bootsverfolgung zu Beginn die dramatisierende Musik leise stellt, sieht es aus wie "Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehen".

Aber es soll nicht nur gemäkelt werden, denn spannend war dieser Tatort, und Spannung steht in der Prioritätenliste dieser Betrachtungen bekanntlich ganz oben. Vor allem gegen Ende, wenn der chamäleonhafte LKA-Beamte Deingruber (Matthias Matz) plötzlich als Rettungssanitäter den Krankenwagen mit dem Waffenhändler steuert. Das lässt über gewisse Nachlässigkeiten in der Anlage der Geschichte (Muss denn der Perlmann, um die Waffenhändlertochter kennenzulernen, wirklich am helllichten Tage auf breiter Straße in sie hineinlaufen? Das erinnert ans Türenschlagen im Stadttheater, mit dem die lästige Frage nach der Motivation der Auftritte geklärt wird) genauso hinwegsehen wie über die Dämlichkeit der Polizei (der Flückiger-Unfall!) und den Umstand, dass auch 2010 die Zusammenarbeit mit Schweizer Kollegen sich an Dialektfolklore und anderen interkulturellen Putzigkeiten aufhängt.

Wiederkehrende Tatort-Motive 1: Töchter von Polizisten, die Polizistinnen werden

Wiederkehrende Tatort-Motive 2: LKA-Beamte, die Dreck am Stecken haben

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21:45 17.01.2010
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