War ein Scherz

Tatort Der Vorspann ist das beste – in dem stehen lauter Namen (Dagmar Manzel, Ulrich Matthes, Anna Maria Mühe), von denen der Bremer "Tatort: Stille Wasser" dann nichts will

Die Deutsche Bühne in Bremen! Großer Auflauf von Theaterprominenz allererster Kajüte in der good ol' Hansestadt, so dass man sich fast fragen mag, wer da besetzt hat und ob die größten Namen des Geschäfts nur im Paket zu haben sind: Ulrich Matthes und Dagmar Manzel, dazu Ronald Kukulies als übergelaunter, aber seriöser Drogenfahnder (der in Münster zuletzt noch den delinquenten Dorfpolizisten geben musste) und Anna Maria Mühe, in der man, der Schlenker ins Boulevardeske sei gestattet, schon qua Eltern (Jenny Gröllmann, Ulrich Mühe) das Fortleben höchster Schauspielkunst sehen muss. Ein Gertrud-Eysoldt-Ringelpiez mit Anfassen, könnte man scherzen. Aber das Lachen vergeht einem in Bremen naturgemäß schnell. Irgendwie haftet den Fällen aus dem kleinsten Bundesland etwas Hausbackenes an, das wie zuletzt, als die Machenschaften der Stasi lange Schatten ins 21. Jahrhundert warfen, die großen Themen nicht selten unfreiwillig komisch erscheinen lässt.

So ist's in Stille Wasser mit den großen Darstellern: Da hat man schon die Manzel und le Matthes, und dann müssen sie normalöseste Sozialwohnungsbaubewohner spielen, wobei die Schönheit des Sozialwohnungsbaus, die sich immer nur aus der Vogelperspektive einfangen lässt, durch ein paar Luftaufnahmen gut ins Bild gerückt wird. Nicht dass die Manzel und le Matthes nicht auch das beherrschten, aber das Elend daran ist, dass es nicht viel zu beherrschen gibt. Siehe weiter unten.

Für das Hausbackene, es macht uns keine Freude, das zu sagen, sorgt die Inszenierung, vor allem die der Kommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel), die dauernd Ermittlungsergebnisse und Gedankenkombinationen vor sich hin sprechen muss, damit der Zuschauer an seine Informationen kommt. Außerdem spricht das Kind Nadine (Sina Monpetain, die aussieht wie die kleine Schwester von Maria Kwiatkowsky oder wie Maria Kwiatkowsky, als sie klein war), das vom Doppelmord am Ehepaar Berthold traumatisiert ist, nicht.

Die Panflöte hat ihren Einsatz

Hausbackenst ist nun aber, wie sich Inga Lürsen als Undercoverermittlerin die Rolle der unbekannten Stiefschwester von Herrn Berthold spielend um das als Köder in die Wohnung zurückgebrachte Kind kümmert – weil jeder der gaffenden Hausbewohner die Kommissarin ja schon hätte gesehen haben müssen, als sie in der Tatnacht mit dem sonoren Stedefreund (Oliver Mommsen) an den Tatort eilte. Aber offensichtlich herrscht auf den Fluren des Sozialwohnungsbaus kollektive Amnesie, so dass Lürsen mit ein bisschen funky Kleidung und method actendem Schnapstrinken und Rauchen die Stief

tochter

schwester geben kann. Es ist alles so albern, so ein Drehbuch (Thorsten Näter) kann sich doch, bevor der Regisseur (Thorsten Näter) an die Arbeit geht, überlegen, was es mit seinen Figuren vorhat.

Die Musik stammt übrigens auch von Thorsten Näter, und man hat so seine Zweifel, ob das wirklich hätte sein müssen: Es wird, gerade am Anfang, ordentlich Gummi gegeben, die Panflöte kommt hier und da zu ihrem Recht, und überhaupt ist es eher selten, dass man ein Bild sieht, zu dem man keine Musik hört. Bilder sieht man am Anfang viele, Näter drückt aufs Tempo, um dann in eine Zähigkeit zu verfallen, die sich lange auf nichts festlegen kann, was etwas anderes ist als Spannung: Absurderweise wird mit der prominenten Besetzung in Sachen Psychologisierung überhaupt nichts angefangen, die Charaktere werden nicht entwickelt, die Manzel und le Matthes dürfen ihre Figuren im Grunde kaum differenzieren von den anderen Figuren, so dass es am Ende dann halt eine gewesen sein muss. Und dafür, wie gesagt, hat man nun die deutsche Bühne nach Bremen verschifft!

Leider, wir haben diesem Moment bang entgegengefiebert, spricht das Kind dann doch noch (80. Minute). Und am Ende darf es im Heim mit seinen neuen Buddies gar eine Choreo aufführen.

Puuh.

Ist leider auch nicht lustig: die dauernden Gags auf Karlsens Kosten


21:45 13.02.2011
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