Megafon

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RE: Sich selbst verloren | 01.09.2010 | 17:25

Allerdings kann man von Erinnerungen allein nicht leben. Eine "Solidarität", die Nation- und Standortunabhängig ist ist leider mit den grossen europäischen Gewerkschaftszentralen nicht zu machen. Dabei gibt es genügend Beispiele dafür das grenzüberschreitende Solidarität durchaus möglich ist. Immerhin haben die polnischen Opel-Arbeiter sich nicht gegen ihre deutschen KollegInnen instrumentalisieren lassen und organisierten vor einiger Zeit einen Soli-Streik als es im Werk Rüsselsheim zu Arbeitsplatzerpressung ging. Die Initiative ging jedoch eben von einer kleineren aber dafür umso kämpferischen Gewerkschaft, die nomen omen in ihrem Namen eben an die August-Streiks von 1980 anknüpft: WZZ Sierpien 80 (dt. August 80).

RE: Sich selbst verloren | 01.09.2010 | 01:05

Die frage ist heute nur, wie lässt sich Selbstverwaltung in einer globalisierten Welt durchsetzten. Geht man marxistisch vor, also von der Warenform könnte ja durchaus argumentiert werden die neue Gesellschaft der Konsumenten, im Gegensatz zu einer Gesellschaft der Produzenten tut jeden Tag so als ob der Konsum und Geld nichts mit Lohnarbeit, Mehrwert und Ausbeutung zu tun hat. Das ist natürlich falsch, denn alles was wir konsumieren muss ja irgend woher stammen. Meistens ist es eben die Peripherie. Und Polen bietet dazu ein gutes Beispiel, dass es einerseits Peripherie der Lohnarbeit darstellt für Europa, anderseits aber eine Konsumgesellschaft wie jede "andere" westliche auch. Daraus folgt dass nicht die Warenanalyse falsch ist, sondern in einer globalisierten Welt, die Arbeit in den Metropolen nur scheinbar hinter ausgelagerten Ausbeutungsverhältnisse versteckt wird. Unter diesem Gesichtspunkt müsste deshalb Selbstverwaltung in transnationaler Perspektive neu erfunden werden. Der Beitrag ist insofern interessant, dass er an die wichtigste Forderung der Solidarnosc erinnert...anstatt wie dies bei den alljährlichen Feierlichkeiten üblich ist, völlig appolitisch von "Freiheit" zu sprechen ohne auf die sozialen und ökonomischen Bedingungen einzugehen die die Prozesse in Gang setzten. Für die polnischen (und nicht nur) Arbeiter jedenfalls in die falsche Richtung als die für welche sie vorher gestreikt hatten.