Warum wir Köpfe ausbilden, anstatt Menschen !

Der Widerspruch Wir sind Menschen und nicht nur Köpfe !
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Wenn ich mir so unseren Schulalltag angucke merke, dass dieser darauf ausgerichtet ist Köpfe zu bilden und keine Menschen ! Allein der Gedanke, dass unsere biochemischen Abläufe im Körper immer noch so funktionieren wie zu Urzeiten, dass bedeutet, dass wir eigentlich für das Jagen und Sammeln gemacht ist, sollte uns zum Grübeln bringen, und dennoch meinen wir es besser zu wissen und diese Kinder stundenlang in einem Raum stillsitzen lassen zu müssen.

Ein Kind oder einfacher gesagt ein Mensch kann nicht nur ständig Denken ohne sich dabei zu bewegen und das nicht nur für eine abgekapselte Sportstunde, sondern über den ganzen Tag verteilt ! Wir brauchen Bewegung, um uns neu zu regenerieren und unsere ,,Batterien“ neu aufzuladen.
Der Hirnforscher Stefan Schneider vom Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaften der Sporthochschule Köln hat in seinen Experimenten herausgefunden, dass der motorische Kortex (Steuerungszentrale für Bewegung und Koordination) durch Bewegung aktiviert wird. Der präfrontale Kortex, der für das logische Denken und Planen verantwortlich ist, wird heruntergefahren. Was bedeutet das jetzt für uns ? Ich möchte ihnen keinen seitenlangen Vortrag der Neurobiologie aufzeigen, den am Ende weder sie noch ich verstehen werden. Es geht im Grunde darum, dass wir beim Sport abschalten und das haben wir bei unserer tagtäglichen Reizüberflutung dringend nötig !
Ich versuche, obwohl ich schon tagtäglich 1-2 Stunden Kraftsport oder Leichtathletik betreibe, etwa nach 30-45 min. schreiben auszustehen und mich ein wenig zu Bewegen. Als Schüler hat man es in den 45 min. Takten jedoch etwas schwieriger, wenn man z.B ein paar Yoga-Übungen zwischendurch machen will oder ein wenig laufen gehen will. Man kann sich das wie bei einem Computer vorstellen bei dem ganz viele Fenster geöffnet sind und der nie heruntergefahren wird, um dann wieder neu starten zu können. Auch sie können mit der Zeit an technischen Schwierigkeiten leiden und genau so sieht es bei den Schülern aus, die nach 45 Minuten schon ein anderes ,,Fenster“ (Fach) öffnen müssen, obwohl sie das andere vielleicht innerlich noch gar nicht geschlossen haben. Wir wissen genau was dann bei Computern passiert, sie werden langsamer und brauchen für alles länger, genau so sieht es mit der menschlichen Konzentration und Aufmerksamkeit aus. Wie können wir nun diese Aufmerksamkeit stärken ? Ganz einfach durch Sport !
Wir sollten uns vor Augen führen, egal ob wir uns für die Biologie interessieren oder nicht, dass beim Sport das Glückshormon Dopamin ausgeschüttet wird, das für Aufmerksamkeit und Konzentration zuständig ist und uns nebenbei noch glücklich macht. Diese Aufmerksamkeit und Konzentration benötigen wir z.B für viele kognitive Prozesse im präfrontalen Kortex wie z.B eine schwierige Aufgabe in Mathe. Vielleicht scheint es für manche Menschen ein Paradoxon zu sein, dass man durch das Herunterfahren des präfrontalen Kortex genau diesen fördert, jedoch sollte man sich vorstellen was mit einem Bodybuilder passieren würde, wenn er ständig seine Muskeln trainieren würde ohne ihnen Zeit für Regeneration zu geben. Wir wissen außerdem aus der Neuropsychologie und Lernpsychologie, dass wenn wir etwas neues lernen sich neue Verbindungen zwischen den Nervenzellen knüpfen und was brauchen wir dafür ? Neurotrophine ! Und woher kriegen wir sie ? Wieder beim Sport ! Denn beim Sport werden eben diese Neurotrophine ausgeschüttet, die genau für diese Fähigkeit so wichtig sind. Wir sind also schon längst auf dem Stand der Dinge, dass Bewegung immens wichtig ist für den Lernprozess und was machen wir ?
Wir sperren Kinder und Jugendliche in einem Raum und zwingen sie still zu sitzen. Kein Wunder, dass die meistens Schüler überfordert sind, nicht mitkommen, Stress haben oder gar an Born-Out erkranken, wenn sie nie gelernt haben wie wichtig es ist seine ,,Batterien“ neu aufzuladen. Wir brauchen keinen isolierten Sportunterricht, den am Ende alle hassen, sondern einen Bewegungsfluss ! Bewegung muss in den Alltag integriert werden, so dass es ein Rhythmus von Anspannung und Entspannung entsteht und nicht ein permanente Anspannung !

Ich plädiere somit dafür, dass wir Menschen ausbilden mit ihrem Geist und ihren Körper und sie nicht als isolierte Köpfe anzusehen, die ihren Körper nur als Mittel zum Zweck brauchen. Es sollte mindestens genau so wichtig sein sich körperlich zu bilden, als auch geistig, denn wir kennen den Spruch nur zu gut, dass ein gesunder Geist nur in einem gesunden Körper leben kann !

11:25 14.02.2016
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