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RE: Unaufgeklärt und unaufklärbar | 17.12.2014 | 14:58

Ihre Argumentation ist für mich nicht nachvollziehbar. Sie bemängeln die sozialen Ungleichgewichte und befürworten die Aktionen von Pegida. Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Gerade der Blick auf die tatsächlischen Probleme unserer Gesellschaft, wozu ich auch die sozialen Ungleichgewichte zählen würde, wird durch die Projektion der Probleme auf Minderheiten verschleiert und so bleiben diese Probleme ungelöst. Eine kritische Maße könnte so im schlimmsten Fall entstehen, was eine Wiederholung der Geschichte bedeuten würde und an dessen Ende eine Eskalation der Gewalt stehen würde.

Ich kann nur hoffen das es niemals so weit kommt. Das was Sie als direkte Demokratie bezeichenen, dürfte eher eine Entwicklung Richtung Diktatur und Meinungsgleichschaltung sein.

Pegida macht aus meiner Sicht vor allem deutlich, wie sehr Menschen bereit sind dumpfen Parolen zu Folgen und dabei ihre eigene Haltung als die einzig richtige ansehen. Pegidas ist nicht das "Volk" und wird auch hoffentlich niemals sowit kommen, das sich die Mehrheit der Menschen in unserem Land diesen Vorstellungen anschließt.

Auseinandersetzen muß man sich mit den Menschen die an diesen Demos teilnehmen, auf ihre Ängste eingehen, aber auch darauf das diese in dieser Form nicht zu bewältigen sind. Ohne beide Aspekte mit einzubeziehen - die Angst vor sozialer Benachteilugung und der Versuch dies nach außen zu projizieren- würde man wesentliche Aspekte des Geschehens außer Acht lassen.

Sicher gibt es vieles in unserem Land das sich verbessern ließe. Weniger Gewalt, mehr Kooperation, mehr Umweltschutz, weniger Leistungsorientierung, mehr menschliches Miteinander,mehr Rücksicht für Menschen mit Behinderung, mehr Toleranz gegenüber Minderheiten, bessere Verteilung vorhandener Mittel, mehr auf einander zugehen in der Politik. Allerdings: Die Vertreter werden vom Volk gewählt und präsentieren die Mehrheit desselben. Es wäre sehr einseitig die Verantwortung dafür einseitig der Politik zu geben. Würden ausreichend Menschen eine andere Politik wollen, würde es auch durch entsprechende Politiker angesprochen. Offensichtlich ist dies aber auf die Gesamtheit der Menschen die wählen gehen bezogen nicht der Fall.

Ich bin froh in einer Demokratie zu leben die allen Menschen die Freiheiten ermöglicht die wir in unserem Land haben. Angst macht es mir wenn Menschen dies in Frage stellen, denn ich glaube nicht das es dabei um mehr Freiheit geht, sondern um weniger.

Sicher lassen sich bestehende Strukturen verbessern. Wenn die Mehrheit der Menschen in unserem Land dies will, dann wird dies auch geschehen, den sie können entsprechende Politiker wählen die dies umsetzen. Insofern kann ich nur wünschen das die demokratischen Strukturen in unserem Land in ihrer jetzigen Form bestehen bleiben, aber auch das Menschen sich bewusster mit den bestehenden Problemen auseinander setzen und nicht an einfachen Parolen orientieren.

RE: Unaufgeklärt und unaufklärbar | 17.12.2014 | 12:48

Das was bei diesen Demonstrationen geschieht, halte ich vor allem für einen Ausdruck bis dahin unterdrückter Wut die so ein Ventil findet und ein weiteres Mal auf Minderheiten projiziert wird.

Die Risiken die von einem solchen Verhalten ausgehen halte ich für enorm und werden von den Medien aus meiner Sicht in angemessener Form wieder gegeben.

Ich befürchte eher das von einer solchen Bewegung hohe Risiken für unsere Demokratie ausgehen. Sie können es zum Beispiel daran erkennen, das die Demonstranten ihre Meinung mit der Meinung des Volkes gleichsetzen und jeden Dialog mit Andersdenkenden ablehnen. Am Ende einer solchen Entwicklung dürfte die Gleichschaltung von Meinungen und die Unterdrückung von Andersdenkenden stehen.

Die Dynamik einer solchen Entwicklung ist bekannt und auch die daraus resultierenden Gefahren. Erschreckend ist für mich das dies dennoch von vielen ignoriert wird.

Wäre es wirklich so das Medien nicht angemessen berichten, würden diese auch nicht von den Menschen die diese Nutzen in Anspruch genommen. Gekauft, angesehen und gelesen werden die Medien die von den Menschen als vertrauenswürdig angesehen werden. Dementsprechend geben diese auch in ihrem gesamten Spektrum das bestehende Meinugsbild der Menschen in unserem Land wieder.

Dies macht es umso fragwürdiger wenn die Demonstranten dies ablehnen. Was kommt dann wenn Menschen die eine solche Meinung gegenüber Pressemedien haben politische Macht gewinnen? Ich befürchte das eine Einschränkung von Presse- und Meinungsfreiheit das Ergebnis wäre.
Wir leben zum Glück in einer Demokratie in der Meinugsfreiheit ein hohes Gut darstellt. Ich wünsche mir das dies auch so bleibt und jeder seine Meinung frei äussern kann, selbst dann wenn ich diese nicht teile. Die vielfältigen Möglichkeiten die mit dem Internet enstanden sind, geben allen Menschen die ihre Meinung zum Ausdruck bringen wollen Möglichkeiten dies zu tun und werden auch von den Menschen unterschiedlichter Richtungen und Ansichten genutzt. Es ist für mich nicht nachvollziehbar wenn Menschen dabei glauben das Medien in Deutschland nicht das ganze Spektrum an Meinungen wieder geben. Jeder Mensch in unserem Land hat die Möglichkeit sich in der Art und Weise zu informieren die er für angemessen hält.

RE: Unaufgeklärt und unaufklärbar | 17.12.2014 | 11:58

Auch wenn ich ihre Ausdrucksweise für verallgemeinernd halte und so nicht teile, sprechen sie einen wichtigen Punkt an:

Integration wird durch diese Bewegung aus meiner Sicht erschwert. Bestehende Voruteile verhärten sich, bestehende Konflikte werden verschärft und das Zusammenleben der Menschen in Deutschland so immer schwieriger.

Die Demonstranten äussern zum Teil ihre finanziellen Probleme. Da Asylanten und Migranten nicht die Ursache dieser Probleme sind, können auch in dieser Hinsicht keine Lösungen gefunden werden.

Das Gesamtergebnisse solcher Demonstrationen dürfte mit dazu beitragen das sich bestehende Probleme auf allen Ebenen verschlimmern.

RE: Unaufgeklärt und unaufklärbar | 17.12.2014 | 11:51


Haben Sie da vielleicht etwas übersehen? Hier ein Zitat aus dem Positionspapier:

"PEGIDA ist FÜR eine Null-Toleranz-Politik gegenüber straffällig gewordenen Asylbewerbern und Migranten!"

Glauben Sie das man an Menschen aus anderen Ländern andere Maßstäbe anlegen sollte als an Menschen die in Deutschland geboren wurden?Falls Ja, warum?

Die Demonsonstranten skandieren bei ihren Veranstalltungen:"Wir sind das Volk" und sind nicht bereit mit der Presse zu kommunizieren, wozu sie auch vom Veranstalter angehalten werden. Diese kritisieren die Medien als voreingenommen und wollen auch in Talkshows, z.B. bei Günther Jauch trotz Einlandung nicht teilnehmen.

Glauben sie das die Gleichsetzung der Meinung der Demonstranten mit "Volk" der Realität entspricht? Wie sollte dies möglich sein wenn gleichzeitig mehrere tausend Menschen eine Gegendemonstration durchführen? Was sagt es ihnen im Bezug auf Meinungs- und Pressefreiheit, wenn jeder Dialog verweigert wird und gleichzeitig die eigene Meinung mit "Volk" gleich gesetzt und so für allgemeingültig gehalten wird?
Ergibt dies zusammen mit den bekannten Zitaten von Teilnehmenern der Demonstrationen-denn einige haben sich an die Aufrufe zur Diskussionsverweigerung nicht gehalten- nicht ein klares Bild davon das sich hier fremdenfeindliche Tendenzen ausbreiten und jede andere Haltung als die eigene abgelehnt wird?

RE: Traurig schweigt der Mann | 27.11.2014 | 11:17

Warum kommt es zu Suizid und Depression? Handelt es sich dabei um "psychische Erkrankungen"? Warum suchen so wenig Menschen Hilfe wenn sie in seelischer Not sind?

Unser Bild einer "psychischen Erkrankung" und die damit verbundene Stigmatisierung ist für mich einer der Faktoren die hier verstärkend wirken und verhindert das Menschen rechtzeitig Hilfe suchen.

Menschen die niedergeschlagen und hoffnungslos sind, die unter belastenden Lebensereignissen leiden, brauchen vor allem zwischenmenschliche Unterstützung, Verständnis, Geborgenheit Sicherheit und Anteilnahme.

Der Gang zum Arzt kann dies nicht leisten und Ärzte sind auch wenig ausgebildet um entsprechende Hilfe anzubieten. Geht ein seelisch belasteter Mensch mit seinen Problemen zum Arzt ist die am häufigsten zu erwartende Reaktion der Vorschlag ein Medikament zu nehmen. Dies kann bereits beim Hausarzt geschehen, aber selbst Psychiater tendieren zu diesem einseitigen Angebot. Ich habe zahlreiche Menschen kennen gelernt die in psychiatrischer Behandlung waren und die noch nicht einmal den Unterschied zwischen Psychiater und Psychotherapeut kannten und auch nicht darüber informiert wurden.

Aber selbst psychotherapeutische Behandlung bleibt oft an der Oberfläche und geht nach meiner Erfahrung kaum auf die tief sitzende Not der Menschen ein.

Dazu kommen dann Stigmatisierung und Vorurteile die mit zu einer Verschlimmerung beitragen. Auch die Familie übernimmt unter Umständen psychiatrischen Vorurteile über eine organisch bedingte Störung und setzt sich so kaum mit den realen Gefühlen und Bedürfnissen des Betroffenen auseinander.

All dies geschieht aus meiner Sicht nicht in der Absicht den Menschen in seiner Not alleine zu lassen. Viele sind überfordert wenn es um die Not geht, es mangelt an entsprechender Ausbildung und viele leiden selbst unter seelischen Problemen die ihnen kaum bewusst sind.

Insgesamt ist dies tragisch und die Not des Einzelnen macht so auch die Not unserer Gesellschaft deutlich, die ihren Gefühlen und Bedürfnissen in so vieler Hinsicht entfremdet ist, das sie kaum in der Lage ist auf die Not Einzelner einzugehen bei denen die Symptome eines auf allen Ebenen vorhandenen Mangels deutlich werden. Es mangelt dabei vor allem an Bewusstheit wie sehr wir in unserer Gesellschaft an dem was Menschen zur Erfüllung ihrer zwischenmenschlichen Bedürfnisse brauchen vorbei leben. Einsamkeit, Überforderung, Niedergeschlagenheit, Mißtrauen und Angst sind nicht nur ein Problem Einzelner sondern das was unsere Gesellschaft auf allen Ebenen hervorbringt. Im fehlgeleiteten Versuch dies durch materielle Ersatzbefriedigung zu kompensieren wird dann alles versucht um den Mangel zu verdrängen und so entstehen in Folge zahlreiche weitere Probleme.

Vielleicht kann dieser Suizid eines Menschen zum Nachdenken anregen und dazu beitragen nicht weg zu sehen bei den vielfältigen seelischen Nöten die uns alle betreffen und die im schlimmsten Fall zu einem so tragischen Ende führen.

RE: Der neoliberale Charakter | 24.10.2014 | 11:40

"Das gegenwärtige Wirtschaftssystem bringt das Schlechteste in uns zum Vorschein."

Dem würde ich in hohem Maße zustimmen. Der Glaube das es darauf ankommt immer mehr leisten und produzieren zu müßen hat nirgendwo hin geführt. Menschen sind heute nicht zufriedener, fühlen sich nicht sicherer oder geborgener als das in früheren Zeiten der Fall war. Gleichzeitig beuten wir im Zeitraffer die Ressourcen unseres Planeten aus und lassen für die zukünftigen Generationen einen Scherbenhaufen zurück. All dies weil wir in einer Art Wahn gefangen, sämtliche Signale übersehen das wir so nirgendwo hin gelangen können. Wie auf Schienen fahren wir immer weiter in die gleiche Richtung und glauben das mehr desselben irgendwo hin führen würde. Noch mehr Leistung? Noch mehr Ersatzbefriedigung durch Konsum? Noch mehr Orientierung an materieller Bedürfnisbefriedigung? Noch mehr Vermögen damit wir uns endlich sicher fühlen können und uns alles leisten können? Kann man wirklich mit Geld alles kaufen? Ich bezweifle das. Es gibt sehr wichitge Dinge die sich nicht industriell herstellen lassen und die man auch nicht als Ware erhalten kann, ja die es sogar ausschliessen zu einer Ware gemacht zu werden. Es fehtl die Rück-Besinnung auf das was verloren ging, das erspüren und erforschen unseres eigenen Inneren, das uns wieder auf die richtige Fährte bringen kann. Erst der Mensch der fühlt was er ist und braucht, ist auch in der Lage entsprechend zu handlen und das zu bekommen wonach er sich sehnt. Ohne dies ist er verloren. Sinn-entleert, treibt er immer weiter in die falsche Richtung, strebt nach immer mehr dessen was die entstandene Leere nicht füllen kann. Der Mensch unserer Zeit ist dabei meist so weit seiner Sinne beraubt sind, das er nicht mehr spürt wie sinnlos sein Streben nach Füllmitteln ist, die völlig ungeeignet sind menschliche Bedürfnisse zu erfüllen, ins besonders da nicht wo es um zwischenmenschliches geht. Beziehungslos geworden, suchen wir Halt im Ersatz und lassen uns beständig auf falsche Fährten locken. Werte haben etwas mit Identität zu tun. Da wo diese kaum noch vorhanden ist, fehlt die Unterscheidungskraft zwischen dem was werthaltig und dem was wertlos ist.

RE: Der große Charaktertest | 22.10.2014 | 13:44

Auch der von ihnen angegebene Link kommt zu dem Schluß:

"Kinder mit weniger empathischen Müttern zeigten auch selbst weniger Einfühlungsvermögen."

Unsere natürliche Veranlagung zu Empathie und Kooperation- dazu auch Joachim Bauer: Prinzip Menschlichkeit - kann entweder gefördert und zur Entfaltung gebracht, oder durch entsprechende Erziehung- dazu Alice Miller: Am Anfang war Erziehung behindert werden.

Das Video des Neurobiologen Gerald Hüther, zeigt dabei deutlich anhand eines Versuchs mit Babys im Alter von 6 Monaten bis zu einem Jahr, das diese eine angeborene Tendenz zur Hilfsbereitschaft haben. Erst wenn sie etwas anderes erlebt haben, verkehrt sich dies ins Gegenteil. Dies entspricht dem durch entsprechende Erziehung entstandene Konkurrenzhaltung die heute weit verbreitet ist, und zu zahlreichen Problemen führt- entgegen bekannten wissenschaftlichen Forschungsergebnissen die ein ganz anderes Menschenbild nahelegen.

Was den Mangel an Erfahrung betrifft, den Kinder haben: Sicher muß man Kinder davor schützen das Sie etwas tun das ihnen schadet. Dazu braucht man allerdings keine autoritäre Haltung. Kinder verstehen sehr gut wenn etwas aus Sorge um ihr Wohl geschieht, oder wenn es ihnen durch Druck aufgezwungen wird. Im letzteren Fall tendieren sie dazu sich zu wehren, was zu vielen Konflikten und ständigem Kampf führt. So werden Kinder oft mißverstanden, denn Erwachsene begreifen nicht das auch Kinder ihren eigenen Weg gehen wollen und diesen nicht aufgezwungen bekommen wollen. Erst der Versuch diese zu zwingen erzeugt Konflikt und Widerstand.

Enscheidend ist dabei immer das Gefühl mit dem etwas geschieht. Man kann ein Kind durchaus bei der Hand nehmen und so verhindern das es auf die Straße läuft. Wichtig ist in einem solchen Fall das der Erwachsene seine Sorge zum Ausdruck bringt, so das das Kind spürt das es um sein Wohl geht. Dies funktioniert auch dann wenn das Kind noch nicht sprechen kann und den Sinn der Worte nicht versteht. Es spürt am Klang der Stimme und an der Gestik das das was geschieht wohlwollend gemeint sind. Besonders kleine Kinder sind dafür sehr sensibel, denn sie haben noch nicht die massive Einschüchterung und Doktirnierung erfahren die zur Überbetonung des Verstandes führt. Das heist ihre Fähigkeit zur Einfühlung in das was ein anderer Mensch zum Ausdruck bringt ist noch vollständig erhalten. Erst im Sozialisierungsprozeß, insofern dieser darauf abzielt dem Kind etwas auf zu drängen, geht nach und nach diese Fähigkeit verloren. So behandelte Menschen kommen dann vielleicht zu der Ansicht das Empathie eine Funktion des Verstandes ist, und auf erlerntem Verhalten beruht. Sie verwechseln dabei erlernte Rollen die antrainiert wurden ohne das sie im Gefühl wurzelen und glauben das dies Mitgefühl bedeutet. Echtes Mitgefühl basiert auf authentischen Gefühlen und bringt eine Hilfsbereitschaft und Rücksicht hervor die auf unseren angeborenen Fähigkeiten beruht. Da wo Menschen dazu gezwungen werden hilfsbereit oder rücksichtsvoll zu sein, geht genau dies verloren und kann nur noch als eine Art von Rollenspiel vollzogen werden, das mit zum Teil unbewusster, Frustration und Wiederwillen gegen den erlebten Zwang verbunden ist. Ein solcher Mensch hat gelernt eine Maske zu tragen, die er selbst u.U. für echt hält, weil dieser Prozeß bereits sehr früh begann und zutiefst verinnerlicht wurde.

Hier noch einmal ein weiteres Beispiel für das was ich mitzuteilen versuche:

http://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/arno-gruen-ueber-den-verlust-des-mitgefuehls

Selbstverständlich kann dieser Link nur einen kurzen Eindruck verschaffen. Es kann dazu anregen das Buch zu lesen und so einen umfassenderen Eindruck zu bekommen, wobei auch dies die innere Auseinandersetzung mit den angesprochenen Themen nur anregen und in Gang setzen kann.

Auch dabei ist es vor allem das Gefühl, die Intuition die entscheidenden Einfluss darauf hat, was das Gesagte bedeutet. Mich spricht das was Menschen wie Arno Gruen oder Alice Miller schreiben an, und es ist für mich leicht nachzuvollziehen das diese unserer gesellschaftlichen Probleme und deren Ursachen zutreffend beschreiben. Hier treffen dann zahlreiche Studien die die Bedeutung früher Prägungen belegen und psychologische Erkenntnis zusammen.

Gruen beschreibt in seinem letzten Buch auch sehr anschaulich wie Hierarchien und Machtansprüche mit dem Beginn der Hochkulturen entstanden sind und so zu den bekannten verherenden Auswirkungen geführt haben. Insofern bedeutet Kritik an heutigen Verhältnissen nicht das es vor 100 oder 1000 Jahren besser war. Im Gegenteil, die mit der Enwicklung des Eigentumbegriffes begonnene Enwicklung mit all ihren Folgen zieht sich seit tausenden von Jahren hin und hat immer neues Elend hervor gebracht. Es dürfte sehr schwierig sein daran etwas zu ändern. Die meisten Menschen halten alles was daraus hervor gegangen ist für selbstverständlich und viele glauben das dies zu ihrem Vorteil wäre. Die damit verbundene Lebensentfremdung, Einsamkeit,Angst und emotionale Leere, wird von vielen Menschen noch nicht einmal bewusst wahr genommen.

Was die Anredeform betrifft:

Ich bevorzuge bei Menschen die ich nicht persönlich kenne die Sie-Form und möchte das so ein mir angemessen erscheinder Abstand bewahrt wird. Sie ist für mich Ausdruck eines der Situation angmessenen gegenseitigen Respekts.Dazu kommt das es mir wichtig ist selbst zu entscheiden wie weit ich bereit bin mich einzulassen. Das "Sie" schaft eine emotionale Distanz die mir dabei die für mich notwendige Sicherheit gibt, unter den Bedingungen wie sie in einem solchen Forum gegeben sind. Daher möchte ich Sie noch eimal bitten diese Anredeform zu verwenden.

RE: Der große Charaktertest | 20.10.2014 | 21:53

Leider übersehen:Gemeint ist natürlich Joachim Bauer.

RE: Der große Charaktertest | 20.10.2014 | 21:51

Neurobiologie ist für mich nur insofern interesant, wie Sie etwas zum Verständnis menschlichen Verhaltens beitragen, wie z.B. wenn Joachim die hirnphysiologischen Prozeße erklärt die mit befriedigen zwischenmenschlichen Beziehungen einhergehen und dabei weit verbreitete Irrtümer - wie z.B. den von Freud angenommenen Todestrieb- aufdeckt. Was die Anwendung neurotechnischer Methoden denen man sich nicht entziehen kann betrifft, nehme ich an das sie dabei auf entsprechende Medikamente anspielen. Deren Anwendung halte ich für extrem bedenklich. Sie werden nach meiner Meinung hauptsächlich dazu benutzt Symptome zu verdrängen und sind vor allem Teil des Problems und nicht Teil der Lösung. Dies ist das Gegenteil davon das ein Mensch seine Geschichte verarbeitet und wieder zu sich selbst findet. Die Ausmaße die die Anwendung solcher Medikamente angenommen hat dokumentiert in für mich erschreckener Weise wie sehr wir uns immer weiter von unser Natur entfernen.

RE: Der große Charaktertest | 20.10.2014 | 20:50

Es gab immer wieder Versuche Menschen gefügsam zu machen, wobei Religion und Philosophie Mittel waren die dazu benutzt zu werden konnten anderen Menschen entsprechende moralische Vorstellungen aufzudrängen, was da wo es funktiert hat immer zu extremen hierarchischen Strukturen geführt hat. Dahinter mag im Ursprung der Schrecken über erlebte Gewalt gesteckt haben, oder der Versuch eine friedlichere Gesellschaft zu schaffen. Funktioniert hat dies auf die Dauer nirgendwo. Selbst in den buddhistischen Ländern sind die daraus hervor gegangenen Strukturen extrem hierarchisch und damit Machtorientiert.

Wenn Sie über Janov oder Bauer urteilen wollen, dann wäre es gut wenn sie sich zunächst einmal damit auseinander setzen.

Es geht dabei sicher nicht darum Menschen etwas aufzudrängen. Dies würde nur mehr desselben hervor bringen. Das was für mich damit verbunden ist, ist das Verstehen der inneren Dynamik menschlicher Konflikte und menschlichen Leidens, insbesonders was Janov betrifft.

Mich spricht dies- und auch die Bücher von Alice Miller oder Arno Gruen deshalb an, weil es für mich nachvollziehbar ist. Wenn Arno Gruen darüber schreibt wie die Anwendung von Macht und autoritäre Strukturen zum Verlust des Eigenen führt und so zur Wurzel von Aggression und Gewalt, hat dies für mich nichts geheimnisvolles. Es ist das was meinem eigenen Erleben entspricht. Allerdings: ohne die Aufarbeitung der eigenen Geschichte bleibt auch ein solches Wissen aus meiner Erfahrung nur oberflächlich.

Was Wissenschaft betrifft, nimmt diese heute häufig für sich in Anspruch im Besitz absoluter Wahrheiten zu sein, und nimmt so die gleiche Stelle ein die früher von Religion besetzt wurde. In dem Maße in dem Menschen diesem Absolutheitsanspruch zustimmen, erliegen sie wieder dem gleichen Schema und deligieren die Macht an etwas das ausserhalb ihrer selbst liegt. Dies soll nicht heißen das Wissenschaft keinen praktischen Nutzen hat. Aber wenn sie ihren Anspruch darauf ausdehnt darüber zu verfügen was in anderen Menschen vorgeht, wird auch diese zu einem Machtinstrument. Genau dies geschieht in vielen Bereichen der Psychiatrie und Psychotherapie. Die dort gemachten Annahmen werden zu Tatsachen erklärt und von den betreffenden Menschen wird erwartet diese zu übernehmen. Dies entspricht dem was vorher von Religion übernommen wurde, hat aber mit Wissenschaft wenig oder gar nichts zu tun. Was unsere menschliche Natur betrifft, ist dies das was wir sind. Jedes äussere Wissen kann dabei bestenfalls als Anregung dienen das Gesagte in sich selbst zu entdecken. Diese Selbsterforschung kann nach meiner Erfahrung durch nichts ersetzt werden. Insofern kann ich auch Janov oder Bauer nur als Anregung verstehen.

Dies ist bedauerlicherweise etwas ganz anderes als das was in unserer nach aussen orientierten Gesellschaft vorherrschend ist. Erziehung zielt dabei nach meiner Erfahrung vor allem darauf ab das Vertrauen auf die inneren Impulse zu verlieren und bringt so einen weitgehend außengeleiteten Menschen hervor. Religion und Moral waren dabei häufig Mittel zum Zweck und werden heute zum Teil durch eine als Wissenschaft verkleidete Doktrin ersetzt.

So verliert der Mensch sein Eigenes und wird abhängig von Autoritäten, völlig unabhängig davon welche äussere Form sich diese geben.