Totaler Konsens? Nonsens!

Radikaler Wandel Die Corona-Krise lässt sich gut in den Griff bekommen. Aber nur mit sehr konsequentem, schnellem Handeln. Das gilt genau so für die noch viel umfassendere Klimakrise.
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Viele Länder v.a. in Asien und Ozeanien haben vorgemacht, dass sich das Coronavirus beherrschen lässt. Länder, die das geschafft haben, verbindet eines: Konsequentes, durchdachtes Handeln im Kollektiv.

Es ist falsch, dass das nur mit einer Insellage möglich wäre oder einem diktatorischen Gesellschaftssystem.

Es gibt unterschiedliche Wege, wie die erfolgreichen Länder es geschafft haben: Durch brachiale, aber recht kurze Lockdowns, durch konsequente Abschottung der Außengrenzen, durch umfassendes Tracking der Mobilität, etc. Aber auch und vor allem durch kollektiv vernünftiges Verhalten und konsequent eingehaltene Verhaltensregeln, die in vielen westlichen Ländern erst sehr mühsam entwickelt werden mussten. Und noch immer sträuben sich hierzulande relativ viele Menschen gegen die vergleichsweise schmerzarmen AHA-L-Regeln. Eine übersteigerte Egozentrik und bedingungsloser Hedonismus werden dabei als schützenswerte Individualität oder gar als "Grundrecht" verbrämt.

Das Ergebnis des Corona-Managements in Europa ist bereits jetzt (Stand: 30.03.2021) katastrophal. Und es ist im Hinblick auf die kommenden Wochen und Monaten mit noch Schlimmerem zu rechnen. Es mag sein, dass sich beispielsweise die deutsche Politik zu dringend benötigten verschärften Einschränkungen aufraffen wird. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Inzidenzzahlen vorher noch weiter steigen, dass die Wirtschaft wieder nicht hart genug angepackt wird und dass die Menschen die im Privaten geltenden Maßnahmen - v.a. die Kontaktbeschränkungen - nicht mehr ausreichend befolgen werden. Was verständlich ist nach den entbehrungsreichen Wintermonaten und den von der Politik erweckten, kaum erfüllten Hoffnungen auf Besserung und Lockerungen.

Die deutsche und die europäische Politik haben viele Fehler gemacht, die hier nicht im Einzelnen runtergebetet werden sollen. Auch an den einzelnen Politikern kann und muss viel persönliche Kritik geübt werden. Das soll aber nicht der Fokus dieses Kommentars sein. Festzuhalten bleibt:

Das Aussitzen und Verwalten von Problemen ("Methode Merkel"), die Suche nach einem breitestmöglichen Konsens, der möglichst niemandem wehtut, ist krachend gescheitert! Oder vielleicht nicht krachend - sondern langsam, aber stetig.

In einer existenziellen Krise muss entschlossen gehandelt werden. Dazu gehören schnelle und effektive Prozesse der Entscheidungsfindung, eine klare Kommunikation und eine konsequente Umsetzung. Ohne Rücksicht auf die Wirtschaft. Es braucht glasklare Ziele und Maßnahmen, die der Großteil der Bevölkerung versteht. Das reicht als notwendiger Konsens.

Wir brauchen schnell eine radikal neue Politik und Gesellschaftsordnung. Ansonsten ist der Klimakollaps unausweichlich.

16:09 30.03.2021
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