Bildungsförderung schwarz-gelber Couleur

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Dass das Ziel der Bundesregierung, mehr Geld in Bildung zu investieren natürlich ein Gutes ist, ist klar. Im Vergleich mit anderen Ländern ist Deutschland mit Ausgaben für Bildung bei 4,7 % des BIP derzeit fast Schlusslicht. Förderungen für Studenten sollen dem drohenden Fachkräftemangel entgegegenwirken. Gut, zumindest schon mal ein Ansatz, um durch Verbesserungen und vor allem mit Geld anzusetzen und finanziell die chronisch armen Studenten zu unterstützen.

Studentenförderung in schwarz-gelb

Aber die schwarz-gelbe höllenkoalition macht selbst aus der Studentenförderung eine neoliberale Reform des Ekels. Anstatt den Bafögsatz anzuheben und damit diejenigen zu fördern, die wirklich auf das Geld angewiesen sind, wird die Elitenfördung, die in den Universitäten ohnehin schon betrieben wird, weiter ausgebaut.

“Der Gesetzgeber hat ein nationales Stipendienprogramm beschlossen, welches in diesem Jahr noch in Kraft treten wird. Ziel des nationalen Programms ist es, begabte Studierende an allen staatlichen und staatlich anerkannten Hochschulen in Deutschland durch ein Stipendium zu unterstützen. Finanzielle Hindernisse für die Aufnahme eines Studiums sollen so abgebaut und Anreize für Spitzenleistungen geschaffen werden. Die Stipendien in Höhe von 300 Euro pro Monat sollen von privaten Geldgebern (Unternehmen, Stiftungen, Privatpersonen) und dem Staat gemeinsam finanziert werden.”, bekundet das Bundesministerium für Bildung.

In dieser kurzen Stellungsnahme findet sich das gesamte Elend unserers Bildungssystems wieder, zudem noch die unglückliche Verquickung zwischen Lehre und Wirtschaft.

Studien weisen nach, das Stipendien – egal welcher Art – eher von begüterten Kindern wahrgenommen werden. Wer das geld hat, hat eher die Zeit, sich sozial zu engagieren, ins Ausland gehen und verfügt über die nötigen Kontakte, um sich in den Wettbewerben um die Stipendien besser zu positionieren. Ein klarer Vorsprung gegenüber dem Kind, dass sich in der akademischen Welt selbst behaupten muss.

Zudem wird durch das System die besonders leistungsstarke Elite gefördert, nicht aber das solide Mittelmaß, und das wäre wichtig. In den USA ist diese Kluft zwischen Elite und Idioten bereits heute so stark ausgeprägt, dass eine ordentliche Bildung ohne extreme Auswüchse in eines der Extreme kaum mehr gefördert wird. Exzellenzprogramme für die einen - sind die Einsparungen für die Allgemeinheit.

Anreize für Spitzenleistungen im Sinne des Staats

Leistung ist eine durchaus nicht negativ zu besetzende Eigenschaft, das von Guido Westerwelle geforderte "struggle for existence" Leistungsdenken ist aber eine gesellschaftliche Entwicklung, die keine lebenswertere Atmosphäre schafft. Durch dieses Stipendienprogramm wird die Konkurrenzgesellschaft nur weiter gefördert – muss das etwa schon an den Unis so sein? Muss die Konkurrenz gleich existenzgefährdend sein? Wenn ich in einem Semester versage – dann ist mein Geld, meine Einnahmequelle weg? Das ist kein Weg, eine inspirierende Atmosphäre an den Unis zu schaffen, es macht das Haifischbecken Campus nur noch unwirtlicher.

Die inspirierende Atmosphäre, die an den Unis eigentlich den wissenschaftlichen Geist beflügeln sollte, verflüchtigt sich ohnehin bei dem kleinen Schmankerl, welches der Gesetzgeber in das nationale Stipendienprogramm noch eingebaut hat.

Die eine Hälfte des Stipendiums wird nämlich von externen Trägern finanziert - und so nimmt die Wirtschaft wieder einmal Einfluss auf die Universitäten und vor allem auf die Studenten. Diese Indoktrination hat für mich nichts mit dem freien Lernen zu tun, welches ich mir wünschen würde, welches sich eigentlich auch die Verantwortlichen für ein lebenswerteres Deutschland wünschen sollten. Jeder Mensch sollte bedingungslos von seiner Leistung die Möglichkeit haben, sich weiterbilden zu können. Wir alle könnten nämlich deutlich mehr Bildung vertragen, und das muss der Staat möglich machen. Aber nicht durch extern finanzierte Stipendienprogramme.

22:21 05.11.2010
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