Die Eitelkeit der Medienbranche

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Fernab von allem Leben, bei akademischen Zusammenkünften, im Elfenbeinturm des Journalismus findet es statt: Das hemmungslose Theorisieren über das Sterben der Zeitungen, den Ökonomisierungszwang, über den Artikel als Produkt, der seinen Wert nur an der Quote misst. Es erscheinen Medienfachzeitungen über den Journalismus und dicke, rote Bücher mit spannenden Namen wie "Die Transformation von Öffentlichkeit und Journalismus", oder auch ganz schlicht, "Grundlagentexte zur Journalistik". Beliebt sind Studiengänge, bei denen die Absolventen sehr viel unnützes Mediengeschwätz lernen, eitle Selbstbespiegelungen vornehmen und massig Theorie auswendiglernen.Vor lauter Theorie ist wenig Zeit für die Praxis und vor allem: wenig Platz für das richtige Leben. Das bekanntlich die besten Geschichten produziert.

Der Blick für das Wesentliche

Es ist pure Ironie: in einer Zeit, in der man einen kritischen, unabhängigen Journalismus so unbedingt braucht - weinen die Verleger nur verzweifelt über ihre Auflage, jammern die Journalisten über den Untergang ihrer Branche, draußen geht die Welt unter, die Medienmenschen unterhalten sich gepflegt über die Zukunft des Journalismus, und ob ein unbezahltes Praktikum in Ordnung geht. Währenddessen: werden Managergehälter auf 500.000 € begrenzt, Hartz 4 Empfänger bekommen 5 € mehr, in einem desolaten Zustand sind die Schulen, die Unterschichtenkinder darben und verkümmern.

Der Journalist: er geht nicht raus und redet mit Leuten, er bleibt drinnen und pflegt seine nahezu inzestuösen Beziehungen zu Kommunikationswissenschaftlern. Er bündelt seine Empörung und auf das Unglück des Verlagswesens. Er macht Geschichten über die sinkende Auflage, die weinenden Verleger und die jammernden Journalisten.

Er hat keinen Umgang mit der Bevölkerung, aber er hat einen Doktor in Publizistik. Theoretisch - kann er alles.

11:51 06.11.2010
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ejamie | Community
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