Debatte und Co- Foren Sprachrohr für Rechte?!

Gesellschaft Heute ließ mir wieder einmal ein Forenbeitrag die Hutschnur platzen, und ich frage mich, wie die deutsche Gesellschaft sich so sehr verändern konnte.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Vorrangig geht es darum zu zeigen, dass Medien aller Art, und auch Blogs bezeichne ich als solche, besonders diverse Foren, derweil von gewissen Individuen, die ansonsten sich im Dunkeln verstecken, benutzt und missbraucht werden, um Teile der Gesellschaft gegen einander zu hetzen. Mal sind es Religionsgemeinschaften, mal wird gegen Menschen gehetzt, die man als Aufstocker bezeichnet, Hartz IV Empfänger, Atomkraftgegner und Befürworter, Rentner derweil. Es ist unerträglich.

Medien und besonders Blogs finanzieren sich oft über Werbeeinnahmen, diese sind abhängig von Klickzahlen, der Sistrix (Sichtbarkeit im Netz), Followern bei google+, Facebook,Twitter und Co. Und die Werbebranche kann, wie die Betreiber selbst genau ablesen (über Addons) wie viele Leser vorhanden sind. Anders gesagt, niemand ist so durchsichtig, will er Umsatz generieren, wie Menschen, die im Internet ihren Lebensunterhalt mit Blogs (Klicks etc.) verdienen.

Die Medien verlieren ständig mehr Leser, offline läuft ein endloser Kampf um den Absatz am Kiosk. Online aber kann die Leserschaft das Überleben bedeuten, deshalb generieren Zeitschriften hier ihre neue (oft alte) Leserschaft. Aber eben nicht nur diese, hier finden all jene ihr Sprachrohr, die ansonsten den Allerwertesten lieber nicht vom Sofa bewegen, wenn es darum geht, für ihre Rechte auf die Straße zu gehen, gegen Sozialkürzungen, in Tarifkonflikten etc. Hier, im Netz, den Foren toben sich die aus, die ansonsten von oben getreten werden, es sich nicht trauen, Vorgesetzten die Meinung zu sagen und so weiter.

Politik, Medien und Blogger haben eine besondere Verantwortung, wollen gleichzeitig überleben, überwachen ihre Foren mal mehr, mal weniger streng, wobei ein „Aussetzer“ einem Blogger schnell das Aus bescheren kann, so er keinem starken Verband angehört, quasi journalistisch anerkannt ist, sich auf die Anwälte dieser Gemeinschaft verlassen kann.

Blogger kontrollieren deshalb wesentlich strenger, wer sich dort umhertreibt und seine Zunge nicht im Zaum zu halten bereit ist, wer trollen, aufwiegeln, hetzen, beleidigen will, und auch den 2Normal”-Medien täte das derweil gut.

Medien und Blogger teilen nämlich derweil ein Schicksal, sie werden massiv angegriffen, als radikale Linke, linkslastig, verschwörerisch, kapital- und wirtschaftsnah beschimpft,die einzig die Meinung von Kommunisten und Sozialisten verbreiten, als Einheitspresse. Selbst die Welt, die gewiss dem absolut nicht entspricht, was sie sich teilweise shitstormartig anhören muss, und die schon Postings zulässt, die so weit weg von rechtsradikalem Gedankengut wahrlich nicht sind.

Die Süddeutsche und die Zeit kontrollieren strenger, auch meist Blogs wie gesagt, aber was am Tage so aufläuft, was Menschen so von sich geben möchten, an Beleidigungen auch gegen viele Autoren in großen Medien, das ist einfach widerwärtig. Seitenweise finden sich entfernte Beiträge, Zusätze, dass Forenbeiträge gekürzt werden mussten, und man will gar nicht wissen, welcher Shit-Storm per Mail in den Redaktionen landet.

Aber kommen wir zum heutigen Ärgernis, das eigentlich schon gestern begann, und es ging nicht um die Energiewende, es ging um Obamas Gesundheitsreform. Es geht auch um die Frage, wohin entwickelt sich diese Gesellschaft. Und ja, auch hier werden wieder Mengen an wütenden Forenpostings eingehen, sehr beleidigende, von Trollen, die anderweitig behaupten: „ Mir hat die Überschrift gereicht, solche Artikel lese ich nicht, die Grammatikfehler und Rechtschreibfehler, wie es gestern in der Süddeutschen geschah, ständig im Spiegelforum passiert, bemängeln, pöbeln wollen, einfach um auch einmal irgendwo öffentlich ihre Meinung gesagt zu haben, denen selbst Film,Video und andere Quellen nicht reichen, weil sie ihre Meinung überhaupt nicht revidieren, nicht diskutieren, Diskussionen nicht durch sinnvolle Beiträge voranbringen wollen. Aus Hass gegen irgendjemanden, irgendetwas und Unzufriedenheit mit sich selbst, aus unbegründeter Angst.

USA-Gesundheitsreform:

Die Tea-Party also demonstriert gegen die Gesundheitsreform und zur besten Sendezeit wird das ausgestrahlt, was passiert, wenn eine junge Frau um die 20 plötzlich einer schätzungsweise weit über 60 jährigen Gegendemonstrantin gegenüber steht, die die Gesundheitsreform befürwortet: Mit Schaum vor dem Mund, so dass der Speichel spritzt brüllt sie die alte Dame aus vielleicht 40 Zentimetern Entfernung an:“ Nein, Sie haben Kein recht auf Gesundheitsfürsorge!“ Und niemand schreitet ein. Widerwärtig erbärmlich! Was eigentlich lässt eine Gesellschaft so sehr verrohen, dass junge Menschen so wenig Respekt haben vor denen, die ihre eigenen Großeltern sein können? Und wir lesen ja auch hier täglich von Angriffen auf ältere Menschen, Behinderte und so weiter …

Griechenland:

Was zu Griechenland in den Foren durchgeht an Beschimpfung, das grenzt von maßlosem Ausländerhass, Fremdenfeindlichkeit. Da tobt der braune Mob, und vermutlich ist das die Mitte der Gesellschaft, da wird unter der Gürtellinie getreten, was die Tastatur hergibt, von genau jenen, die ständig nach Zensur im Internet schreien, behaupten, Facebook sei die Verderbnis, die Hölle, die die Menschen, die Jugend verdirbt, der Sammelplatz der Arbeitslosen und Hartz IV Empfänger der Republik. Und die damit das Internet ganz allgemein meinen, es nur nicht zu bedienen wissen, weil es eben gerade bis zu einem Foreneintrag, nicht aber mehr für die Sicherheitseinstellungen im eigenen Profil reicht.

Energiewende

Jetzt also zwei Beiträge zur Energiewende im Spiegel: Kosten der Energiewende Firmen tricksen bei Ökostrom-Abgabe und Schwankende Teuerungsrate Energiepreise treiben die Inflation und was geschieht? Foristen fallen nicht etwa über die Konzerne her, die die Gesetze unterwandern, im Gegenteil, man fällt über Rentner her : masc672 schreibt: was wollen Sie tun? Sollen diese Leute alles geschenkt bekommen? Alles günstiger bekommen? Alles was so vorgeschlagen wird um die Geringverdiener und Rentner vor diesen Dingen zu schützen geht auf Kosten der Arbeitnehmer und uezegei meint direkt im Anschluss: Man muss sich das einmal vorstellen, wenn es stimmt, was unsere heutige Tageszeitung schrieb: pro Haushalt rechnet man mit EURO 100 pro Jahr (?). Sind wir sehr großzügig und legen 20% drauf, also 120/Jahr, dann sind das sage und schreibe EURO 10,00 im Monat. Das kann für einige tatsächlich relativ viel sein. Man sollte dann seine Sparanstrengungen intensivieren und zum Beispiel das Auto auch ab und zu einmal stehen lassen oder die Glühbirne aus dem Kühlschrank herausdrehen.

Ganz ehrlich, widerlicher geht es nicht! Haben solche Menschen keine Eltern und Großeltern? Die Rentner, mit denen ich lange zu tun hatte in der häuslichen Krankenpflege, schämen sich, etwas an Leistungen überhaupt zu beantragen! Da stehen im Winter die Lebensmittel auf dem eventuell vorhandenen Balkon, da werden Fensterscheiben in den erbärmlichen Häuschen mit Folie zugeklebt um Energie zu sparen. Und Foristen erdreisten sich so über Menschen zu reden, die ihr Leben lang dafür gearbeitet haben, dieses Land nach dem Krieg zu dem zu machen, was es heute ist?!

Rentner

Ich erinnere mich auch an ein Gespräch im Sommer auf einer Parkbank Zwei sehr alte Ladies sitzen in der Sonne und die eine berichtet der anderen über ihre Schmerzen in den Gelenken und welche Schwierigkeiten es ihr macht, etwas in den hohen Schrank zu stellen. Die andere meint, sie solle endlich zum Arzt gehen, worauf die erste sagt: „ Aber da ist doch mein Enkelkind, und ich bringe ihm so gern immer eine Kleinigkeit mit, ich brauche die 10 Euro doch dazu, ne lass mal gut sein, ich bin so alt geworden mit den Schmerzen, die paar Jahre kriege ich auch noch so rum!2 So sind die Kleinrentner, und es ist eine bodenlose Frechheit über sie herzuziehen! Wie soll das denn bitte ein guter Forenbeitrag sein? Das hilft zur Ideenfindung, dient dem Austausch? Das ist ganz weit unter der Gürtellinie, da hat jemand Langeweile, schlägt auf die ein, die sich nicht wehren können, ungestraft, denn wer, welche Lobby kümmert sich um Rentner?

Migranten

Und ein weiteres Beispiel sei genannt, das der Migranten. Eine Bloggerin, der Tagesspiegel hat in seinem Artikel:Gastkommentar Bashkowsky: Auf die Fresse ist überall darüber berichtet, schreibt ihre Meinung zum Buch Buschkowskys und erntet den Shitstorm. Wie im falle Sarrazin, stellt sich die SPD vor das Mitglied, genehmigt quasi pauschale Stigmatisierung von Migranten. Abartig ist das wie die SPD, aus schierer Angst davor, Wähler zu verlieren reagiert: Gabriel würdigt Buschkowskys Bedeutung in der Integrationsdebatte. Stimmenfang am rechten Rand ist das, nicht mehr und nicht weniger! Und so eine Partei nennt sich Volkspartei? Welches Volk meint sie denn? Umfasst das die Migranten, die alle über einen Kamm geschoren werden dürfen?

Man mag die Bloggerin ja kritisch sehen, aber das Bashing unter dem Gastkommentar ist so sinnentleert, wie es nur sein kann, abgrundtief böse, weit unter der Gürtellinie.

Und dann jener Forist der zu einem Spiegelartikel: Rekord-Finanznot in NRW Stadt, Land, Schluss posten darf mcaulfield: Vielleicht weil gefühlt die Hälfte der NRW-Einwohner einer Kultur angehören, die Deutschland verachtet. Da gehört es zum guten Ton, den Staat auszunutzen und keine Steuern zu bezahlen.

Unfassbar, so zu hetzen, denn anders kann man das nicht nennen!

Beschneidungsdebatte

Und dann gibt es auch noch die Beschneidungsdebatte. Verflucht, was haben Foristen sich dazu zu äußern? Die Beiträge dazu kann man nicht zitieren, zu widerwärtig. Das ist eine Sache zwischen Religionsfreiheit, Grundrechten, eine Debatte, die Juristen, Ethiker, Ärzte und die Religionsgemeinschaften führen sollen und müssen.

Was aber interessiert das all jene Foristen, die anderen oder gar keinen Religionen angehören, die offensichtlich nur gegen Migranten hetzen wollen? Es hat sie nicht zu interessieren, nicht dann, wenn die Foren für Hasstiraden benutzt werden, wenn daraus Dinge wie diese resultieren: Ein Geschäft, einkaufen muss auch der Blogger. Kasse, hinter dem Blogger Jugendliche, Abiturienten vermutlich vom Gymnasium gegenüber, eine andere Schule ist nicht in der Nähe. Scheinbar ist die Beschneidungsdebatte dort diskutiert worden. Und wird von den Schülern weiter diskutiert. Und jetzt der Satz: „Meine Eltern sagen, die die da beschneiden, die essen das hinterher auf, sowas gehört doch verboten, das ist ja eklig …“ Und darum dreht sich die Diskussion weiter, einige wollen es nicht glauben, andere Schüler bleiben stumm.

Ich frage mich, was Schulen eigentlich lehren, wenn so diskutiert wird, was bringen Eltern eigentlich ihren Kindern bei? Mir jedenfalls hat sich der Magen umgedreht, bei solchem Rassismus, solcher Unkenntnis. Und das scheint die gesamte Gesellschaft zu erdrosseln. Nicht ein Schüler jedenfalls hat es gewagt, der Aussage zu widersprechen.

Volksmeinung, politische Verantwortung, Medien

Und das was derzeit geschieht, sich ständig der Volksmeinung anzupassen, weil vielleicht Foren diese spiegeln, das ist wahrhaft fatal. Nur das scheint derweil alle Parteien zu infizieren. Auch dem Volk zu sehr aufs Maul zu schauen ist schädlich, spätestens dann, wenn sich das verbal ausdrückt. Parteien haben auch erzieherischen Auftrag, sind Väter und Mütter, Vorbilder für ihr Volk. Nicht der schmutzige Kaffeesatz derer, die ansonsten in umstrittenen Parteien zu finden sind.

Politiker und Parteien vergessen, so, wie sich die ganz normalen Menschen von ihnen abkehren, weil sie sich nicht vertreten fühlen, nicht umsorgt, beschützt, so haben sich längst jene Foristen aus den Foren verabschiedet, die früher dort ernsthaft diskutierten, die dort ohne persönlich den Nächsten zu beschimpfen, den ernsten Diskurs suchten. Gute Foristen sind rarer denn je, und die Foren spiegeln die Meinung der Mehheit des Bürgers/Volkes ganz gewiss nicht wider. Im Gegenteil, hier finden jene ihren Platz, die ansonsten eher rechte Parteien wählen, die Tea Party eben. Und diese Foristen flitzen wie ein Shitstorm durch den Tag und sämtliche Foren, nicht nur durch ein einziges!

Meinung und offene Fragen

Und ja, ich bin endlich am Ende des Artikels. Und ja, gleich sprudelt mein Postkasten über, weil Foristen meinen, in diesem irgendeinen Fehler gefunden zu haben, weil er zu lang ist, weil es zivilisatorisch gesehen eine Zumutung ist, sowas zu lesen. Und ja, das wird dann nicht veröffentlicht, und darf gerne Zensur genannt werden! Ich jedenfalls ziehe es vor, mein Forum sauber zu halten, Beleidigungen gegeneinander nicht zu zulassen. Auch, wenn mich das vielleicht um Werbeeinnahmen bringt. Ich will saubere Diskussionen, lasse Shitstorms, Bashing und Hasstiraden nicht zu. Das ist so und das bleibt so. Hier herrscht Zensur, allerdings zum Schutz der Persönlichkeit meiner wenigen, außerordentlich diskussionsfähigen Foristen, die wissen, wie Debatten zu führen sind. Auch für die Foren besteht die Verpflichtung, sich um deren Inhalte zu kümmern, sie erst zu prüfen, und soch geht immer mehr dort online, was vor Jahren nie und nimmer der Zensur widerstanden hätte. Und oft überschreitet das die Meinungsfreiheit um ein Vielfaches.

Was also ist das für eine Gesellschaft, und wann ist Deutschland so weit nach rechts gerückt, warum verzichten Medien nicht auf Klicks, warum gehen Parteien jetzt an rechten Rändern auf Stimmenfang, und wo soll das enden? Debattenkultur beginnt da, wo der Forist ungestraf fragen darf, wer denn eigentlich dafür sorgt, dass demnächst nicht obdachlose Griechen und Spanier erfrieren. Und das geschieht weit und breit nicht, weil sich "bereichernde" Forenbeiträge und "gute" Foristen in Luft aufgelöst, resigniert haben ...

©denise-a. langner-urso/MenschenZeitung

18:00 11.10.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

menschenzeitung

Politische Kommentare zum aktuellen Zeitgeschehen
menschenzeitung

Kommentare 1

Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community