Wie User zu „Straftätern“ gemacht werden

Facebook Menschenzeitung hat sich entschlossen, den Account bei Facebook zu schließen. Und dies wird dort unser letzter verlinkter Artikel sein. Schaut man sich nämlich
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die neuen Bedingungen an, zu denen man demnächst einen Account führen darf, so wird klar, man erkennt Rechtsbruch an und wird zum Helfershelfer und Mittäter. Was nämlich sagen die neuen Bedingungen? Facebook darf demnächst sämtliche Fotos zu Werbezwecken nutzen. Was aber bedeutet das?

Zuerst, sie stimmen einer breit angelegten Copyrightverletzung zu. Haben Sie dort ein Foto geladen, das ihnen ein Bekannter gemacht hat, das Sie nutzen dürfen, so geben Sie es an Facebook ebenso ab, wie Fotos von Webseiten, die Sie nutzen dürfen, solange damit keine Werbung betrieben wird. Es liegt in ihrer Hand, wenn nun Facebook dieses Bild zu Werbezwecken missbraucht.

Was aber bedeutet das? Nun, viele Menschen verkaufen Bilder zu Werbezwecken, eine ganze Branche/ Webseiten im Internet verdient daran. Fotografen, Menschen, die sich mit Bildern etwas zum Lebensunterhalt dazu verdienen.

Facebook schafft sich also eine unendlich große Datenbank von Bildern, auf die es umsonst zugreifen kann. Wer aber ansonsten Fotos erwerben muss, der bezahlt damit einem Menschen, einem Unternehmen den Lebensunterhalt, es werden Steuern, Sozialabgaben fällig.

Menschenzeitung hat etwas dagegen, dass der Konzern also nicht nur Arbeitsplätze vielleicht zunichte macht, sondern auch noch Steuern und Sozialabgaben so einfach mal eben nicht zahlen muss.

Die neuen Nutzungsbedingungen schädigen also nicht nur einzelne Menschen, setzen das Copyright vieler außer Kraft, nein, sie schädigen auch den Staat, Sozialkassen, Rentenkassen, und wer darüber nachdenkt, der wundert sich, warum es in einem solchen Fall eigentlich so gar keinen Widerstand, keinen Aufschrei gibt.

Dass die Bundesregierung nicht aufschreckt, das hingegen wundert mich nicht, ist doch das Internet für sie ein abgrundtief schwarzes Loch.

Sie wollen, dass ihr minderjähriges Kind/Jugendlicher demnächst irgendwo auf einer amerikanischen Facebookwerbung für Waffen wirbt? Genial, ihr Kind muss nämlich nicht Sie um Erlaubnis bitten, Facebook genügt es, wenn das Kind die neuen Bedingungen dadurch akzeptiert, dass es ein Kreuz macht, wo steht, seine Eltern haben dem zugestimmt. Klasse, nicht wahr? Man umgeht geht also das Erziehungsrecht der Erwachsenen, lässt die neuen Bedingungen also ohne elterliche Zustimmung per Postweg, wie auch immer, absegnen. Und das finden Politiker, Medien, Eltern ok? Leute! Das gehört auf den Tisch! Darüber muss aufgeklärt werden und zwar sehr umfassend! …

Andere Menschen sollten hingegen auch überlegen, wie sie zum Beispiel als Vegetarier damit umgehen, wenn bei Facebook mit ihrem Gesicht demnächst für Würstchen geworben wird. Wieder andere lehnen vielleicht Abtreibungen ab, demnächst prangert ihr Gesicht über einer Werbung für eine Klinik, die auf Abtreibungen spezialisiert ist, User, die Organspenden ablehnen, werben demnächst vielleicht genau dafür, und all das, ohne, dass sie es vielleicht bemerken, weil es eben nicht auf deutschen Facebookseiten geschieht.

Wie überhaupt steht der Öffentliche Dienst dazu, wenn Polizeibeamte plötzlich für private Sicherheitsunternehmen werben, wenn der Feuerwehrmann plötzlich für Beate Uhse Kalender, wenn eine Krankenschwester mit ihrem Gesicht, und sie sei bei einer kirchlichen Einrichtung tätig, für Sexspielzeug wirbt?

Längst hätten die Medien darüber berichten müssen, doch es geschieht nichts. Und was ist mit Politikern? Wirbt da plötzlich per Facebook ein Politiker der Grünen für Unternehmen, die Atomkraftwerke betreiben, gar für Mosanto?

Liebe Facebook Nutzer, liebe Medien, liebe Politiker, schaut euch genau an, was dort gerade von den Usern abgesegnet werden soll, schaut hin, welche finanziellen Auswirkungen das haben könnte, welche Rechtsbrüche außer den vielen Copyrightverletzungen damit verbunden sein können.

Wer all die damit verbundenen Konsequenzen tragen mag, der möge unterzeichnen, wem das zu weit geht, der muss mit der Schließung seines Accounts dagegen stimmen, es gibt auch andere soziale Netzwerke. Politik schau hin, was dort geschehen soll, Handeln ist dringend notwendig! Medien schaut hin, berichtet darüber, welche Rechtsbrüche, welche Umsatzeinbrüche für Klein- und Großunternehmen, Fotografen, damit verbunden sein können,welche Arbeitsplätze verloren gehen können, welche Menge an Steuerausfällen drohen könnte.

Es gibt viel zu recherchieren. Fangt endlich an, damit etwas geschieht, damit die Menschen begreifen, wie man sie per Facebookaccount missbrauchen will, wie man sie vermarkten und darüber gewaltige Gewinne machen will, ohne Rücksicht auf Arbeitsplätze, ohne je Abgaben bei unterschiedlichen Dingen zahlen zu müssen. Und erzählt, wie man damit auch in Deutschland garantierte Persönlichkeitsrechte umgehen kann, wenn Fotos mal eben in den USA für Werbezwecke missbraucht werden.

Irgendwo muss solche Konzernmacht auch Grenzen haben, gehört so ein Unternehmen in Schranken gewiesen, zumindest hier in Europa, in Deutschland. Reicht es nicht, wenn schon Mosanto demnächst hier schalten und walten und arbeiten kann, ohne jemals verklagt werden zu können?

Hier schafft sich Facebook gerade sein ganz eigenes Facebookgesetz und alle schauen weg! …


©denise-a. langner-urso/menschenzeitung

19:59 11.09.2013
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