Abschreibungen auf Griechenland

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Die Hilfen für Griechenland bestehen aus zwei Teilen. Zum einen ist nun das 130 Mrd. € Hilfspaket beschlossene Sache und wird in Kürze mit Hilfe der SPD und der Grünen durch das deutsche Parlament durchgewunken, zum anderen hat der Internationale Bankenverband IIF als Vertreter der privaten Gläubiger einen Schuldenschnitt von 107 Mrd. € verhandelt.

Die aus öffentlichen Mitteln gewährten Hilfen, die sich bis 2014 erstrecken sollen, betragen aber nicht 130 Mrd. € sondern 165 Mrd. €, denn die aus dem ersten Hilfspaket vom Mai 2010 noch ausstehenden 35 Mrd. €, die in das zweite Hilfspaket aufgehen sollten, werden nun einfach draufgeschlagen.

Mit dem Schuldenschnitt sollen die verbleibenden 100 Mrd. € Schulden bei privaten Gläubigern in langlaufende Anleihen umgewandelt werden. Ob dies aber tatsächlich alle Gläubiger mittragen ist offen, es müssen 90% zustimmen und die, die ihre Bestände mit Kreditversicherungen abgesichert haben, könnten einer Pleite Griechenlands relativ gelassen entgegensehen. Dem derzeitigen Stand der Dinge nach aber werden zögernde Gläubiger wohl in einen haircut gezwungen werden um eine ungeordnete Pleite zu verhindern. Denn es ist völlig unklar, wer dann die größten Risiken und Verluste zu tragen hat und einen zweiten Lehman-Schock will niemand riskieren. Allerdings haben sich auch schon viele private Gläubiger aus dem Staub gemacht und ihre Bestände bei der Europäischen Zentralbank entsorgt, die mittlerweile 50 Mrd. € an griechischen Anleihen hält und sich mit Händen und Füssen gegen eine Beteiligung am Schuldenschnitt wehrt.

Den deutschen Steuerzahlern wird der Schuldenschnitt übrigens zusätzliche rund 4,5 Mrd. € kosten, denn die FMS Wertmanagement, eine Anstalt öffentlichen Rechts, die die Reste der Hypo Real Estate verwaltet, muss dann die Hälfte der noch verbliebenen rund 9 Mrd. € griechische Anleihen abschreiben.

Um die Zustimmung der privaten Gläubiger zu erleichtern sind 30 Mrd. € aus dem Hilfspaket zur Absicherung des Anleihetauschs vorgesehen, indem dieses Geld zur Entschädigung der Gläubiger verwendet wird, die als Zuckerl kurzlaufende Anleihen des EFSF erhalten sollen. Die Umwandlungsaktion muss bis zum 20.März abgeschlossen sein, weil dann 14,5 Mrd. € Schulden fällig sind, werden diese nicht beschnitten und umgewandelt ist Griechenland insolvent.

Ein Teil der Gelder aus dem Hilfspaket fließt auf ein Sperrkonto, um den Schuldendienst Griechenlands zu sichern, der Vorrang vor allen anderen Staatsausgaben hat. Es müssen immer soviel Gelder auf dem Konto sein, dass daraus zwei Monate im Voraus die fälligen Zinsen für das kommende Quartal gezahlt werden können, wobei nicht nur die Hilfsgelder sondern auch Einnahmen des griechischen Staates auf dieses Konto gehen sollen.

Insgesamt stehen dann nach Abzug der 30 Mrd. € für den Anleihetausch zusammen mit der ausstehenden letzten Rate aus dem ersten Hilfspaket 135 Mrd. € an Hilfen für Griechenland zur Verfügung. Davon gehen etwa 50 Mrd. € an die griechischen Banken, um diese vor dem Kollaps zu retten, denn nicht nur sind auch sie ebenfalls am Schuldenschnitt beteiligt und müssen Abschreibungen auf einen etwa 48 Mrd. € Bestand an griechischen Anleihen vornehmen, sondern sie leiden zudem unter der Erosion ihrer Einlagen. Seit 2009 wurden 65 Mrd. € von den Bankkonten abgehoben, davon wanderten 16 Mrd. € ins Ausland und 49 Mrd. € unter`s Kopfkissen. In Athen wurde ein bislang unbekannter Abgeordneter des griechischen Parlaments von der Behörde zur Bekämpfung der Schattenwirtschaft ermittelt, der im Mai 2011, als Papandreou die Griechen eindringlich aufgefordert hatte, ihr Geld im Lande zu lassen, 1 Mio € ins Ausland transferiert hat.

Etwa 85 Mrd. €, verteilt über 2 Jahre, stehen den Griechen somit für die Finanzierung ihres Staatshaushaltes zur Verfügung. Den Zahlen der Hellenic Statistical Authority (El.Stat.) zufolge beläuft sich das jährliche BIP Griechenlands derzeit auf etwa 220 Mrd. €, für das Jahr 2012 wird mit einem Haushaltsdefizit in Höhe von 6,7% des BIP, also rund 15 Mrd. €, gerechnet. Angesichts einer kollabierenden Wirtschaft werden diese Haushaltslöcher nur mit den Hilfsgeldern zu stopfen sein, das wären dann auf zwei Jahre gerechnet schon mal gut 30 Mrd. €.

Für den Schuldendienst dürfte dann aber immer noch genügend Geld zur Verfügung stehen und darum geht es ja auch wie ifo-Chef Hans-Werner Sinn in spiegel-online feststellt: "Es geht hier gar nicht so sehr um das Land. Die Griechen werden von den Banken und Finanzinstituten von der Wall Street, aus London und Paris als Geisel genommen, damit das Geld aus den Rettungspaketen weiter fließt - nicht nach Griechenland, sondern in ihre eigenen Taschen."

16:47 23.02.2012
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Geschrieben von

mephisto

Zeitgenosse
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