An der Tränke ersaufen

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Mit einem Defibrillator der Superlative, links billiges Geld, rechts Konjunkturprogramme, ist die Weltwirtschaft zumindest vorübergehend wiederbelebt worden. http://www.britsattheirbest.com/images/ii_defibrillator.gif

Weltweit gab es noch nie in der Wirtschaftsgeschichte zeitgleich so massive Konjunkturprogramme wie heute, rund 2 Billionen €, das entspricht etwa 5% der Jahreswirtschaftsleistung dieses Planeten.

Offen bleibt allerdings ob hier nicht ein gigantischer Strohballen abgefackelt wird.

Ebenfalls rekordverdächtig ist die Verbilligung des Geldes, in Yen, engl. Pfund und US-Dollar gibt es Zentralbankgeld praktisch zum Nulltarif, in der Eurozone müssen Geschäftsbanken 1% zahlen, für deutsche Banken war es seit Bestehen der Bundesrepublik noch nie so günstig sich bei der Zentralbank Geld zu beschaffen.

Die Banken werden regelrecht mit Geld überschwemmt. Als die Europäische Zentralbank (EZB) am 25. Juni erstmals für einen längerfristigen Zeitraum (12 Monate) Geld zum Zinssatz von 1% anbot haben 1121 Banken, etwa die Hälfte der bei der EZB zugelassenen Institute, beherzt zugegriffen und sich insgesamt 442 Mrd. € gesichert. „Dieser außergewöhnlich hohe Betrag“ (Monatsbericht EZB) wurde aber nicht in die Wirtschaft geschleust sondern zur Hälfte erst einmal vorsorglich als Liquiditätspolster auf Konten der Zentralbanken geparkt, die entsprechende Einlagefazilität explodierte von 12,7 Mrd. € am 19.Juni auf 236,2 Mrd. € am 26.Juni und hat seitdem dieses extrem hohe Niveau beibehalten.

Kein Problem für die EZB:

Die Bereitstellung umfangreicher Liquidität für ein Jahr zu einem günstigen Zinssatz (…) trägt zur Stärkung des Vertrauens bei.“

Das bedeutet, dass die EZB immer noch daran bastelt, ein halbwegs normales Funktionieren des Euro-Geldmarktes wieder herzustellen. Der Masterplan der EZB sieht vor, solange Geld in die Banken zu pumpen bis es ihnen aus den Poren quillt, denn für

die Neigung der Banken, Kredite an die Realwirtschaft zu vergeben (…) ist ausschlaggebend, inwieweit es zu einer Abnahme des Liquiditätsrisikos kommt.“

In Anlehnung an Karl Schillers Bonmot, man könne die Pferde nur zur Tränke führen, saufen müssten sie schon selber, werden hier die Pferde nicht nur zur Tränke geführt, sondern ihre Köpfe gleich auch noch unter Wasser getaucht.

11:42 10.09.2009
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Geschrieben von

mephisto

Zeitgenosse
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