Braune Konzepte

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Was gestern richtig war kann heute nicht falsch sein, dachte sich wohl Ludwig Georg Braun, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), und präsentierte vergangenen Dienstag seine Forderung zur Verwendung der Mittel aus den Konjunkturprogrammen der Regierung:
den Ausbau der Autobahnen!

Nun ist der Vorschlag zwar makaber, aber nicht deshalb falsch weil er erfolgreiche Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Nationalsozialisten kopiert.

Es ist weniger der rückwärtsgewandte Blick als vielmehr das rückwärtsgewandte Denken, das dieser Forderung anhaftet.

Als die Autobahnen in den 1930er Jahren gebaut wurden handelte es sich dabei im Hinblick auf die Verkehrsinfrastruktur um eine Innovation, gewissermaßen um eine Zukunftstechnologie, die geeignet war, Personen und Güter effizienter zu transportieren und die einzelnen Wirtschaftsregionen stärker zu integrieren und zu vernetzen. Wie bei jeder Innovation musste im Vorfeld während der Planungen Ende der 1920er Jahre Skepsis und Kritik überwunden werden und nach Fertigstellung gab es sogar Werbefilme, die die Vorzüge der Autobahnen dem breiten Publikum nahebringen sollten.

Heute ist die Situation völlig unterschiedlich. Autobahnen sind eher Synonyme für die Epoche der Massenmobilisierung per Verbrennungsmotor, die an ihre Grenzen gekommen ist.
Die Staus auf den Autobahnen machen jede mögliche Effizienzsteigerung im Transportwesen zunichte, die Emissionen aus den Verbrennungsmotoren verpesten die Umwelt und beschleunigen den Klimawandel und der Lärm macht die Menschen krank. Zudem hat der Sommer 2008 gezeigt dass in einer boomenden Weltwirtschaft mit steigenden Erdölpreisen die Kosten für automobilgestützten Transport nahezu untragbar werden.

Das was vor 70 Jahren eine zukunftsweisende Innovation war ist also heute zum Problem geworden.
Dieses Problem lässt sich aber nicht durch ein Noch-Mehr sondern nur durch ein Ganz-Anders lösen.

12:42 12.02.2009
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Geschrieben von

mephisto

Zeitgenosse
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