Bubbles sanieren Banken

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Dieses Jahrzehnt wird wohl als DAS Jahrzehnt der Blasenökonomie in die Geschichte eingehen. Am Anfang des Jahrzehnts die dot.com-Blase, in der Mitte eine system-gefährdende Kreditblase und zum Ende hin wird fleißig an neuen Blasen gewerkelt, um die Crash-Folgen der vorherigen zu bewältigen. Die folgenden Bildchen zeigen Kursverläufe der letzten 6 Monate, also für die Zeit nach Lösung der Lehman-Pleite-Schockstarre:

Staatsanleihen (Deutschland) Aktien (Welt)

http://x.onvista.de/typ3.chart?SIZE=2&LEGEND=1&ID_NOTATION=3193857&TIME_SPAN=6M&QUALITY=DLY

http://x.onvista.de/typ3.chart?SIZE=2&LEGEND=1&ID_NOTATION=323591&TIME_SPAN=6M&QUALITY=DLY

Rohstoffe Gold

http://x.onvista.de/typ3.chart?SIZE=2&LEGEND=1&ID_NOTATION=8550355&TIME_SPAN=6M&QUALITY=EOD

http://x.onvista.de/typ3.chart?ID_NOTATION=24877915&SIZE=2&TIME_SPAN=6M&LEGEND=1&QUALITY=RLT

Unternehmensanleihen (Deutschland)

http://www.boerse-frankfurt.de/DE/chart.aspx?ISIN=DE000A0C3743&hash=5EB067040B47E2635D7C4972AC3200B2&style=dtboerse_factsheet_line&timespan=m6&typeID=16&exchange=ITF

Bemerkenswert an diesen Kurven ist ihr Gleichlauf: wenn auf unterschiedlichen Märkten, die normalerweise nicht gleichgerichtet verlaufen, zeitgleich die Preise steigen, dann ist das ein sicheres Indiz dafür dass zuviel Geld im Spiel ist. Es ist das viele Geld der Notenbanken, dass nach der Lehman-Pleite in das Bankensystem gedrückt wurde, aber in einer geschrumpften Realwirtschaft keine Verwendung findet und daher in die Finanzmärkte abfließt.

Hauptprofiteure dieser Entwicklung sind – wir ahnen es – die Banken.

Steigende Aktienkurse ebnen den Weg für eine Rekapitalisierung durch Kapitalerhöhungen, denn haussierende Börsen erleichtern es, neue Anteilsscheine unters Volk zu bringen. Zudem werten sich Aktiva auf, die entweder selbst gehalten werden oder als Sicherheiten für Kredite dienen.

Steigende Kurse der Staatsanleihen ermöglichen den Banken ein ebenso simples wie sicheres Geschäft: man nehme billiges Geld der Notenbanken und lege es in höherverzinsliche Staatsanleihen an.

Steigende Kurse der Unternehmensanleihen entlasten die Banken, denn die Unternehmen können jetzt leichter ihre Kredite in Anleihen verwandeln und sich günstig am Kapitalmarkt refinanzieren. Kredite werden so aus den Bankbilanzen auf den Kapitalmarkt übertragen.

Insgesamt vollzieht sich hier eine stille Verschiebung der Bankenrettung: nachdem der Staat Banken in der Notaufnahme erstversorgt hat wird jetzt den Finanzmärkten die weitere Pflege anvertraut. Ein solchermaßen marktkonformes Krisenmanagement erspart anstrengende Gerechtigkeits-Diskussionen und legitimiert das Bestehende a.k.a. business as usual.

In diesem Jahr werden in den USABanken, Hedge Fonds und Vermögensverwalter geschätzte 140 Milliarden $ an Bonuszahlungen ausschütten, 20% mehr als 2008, und der Vorsitzende des internationalen Bankenverbandes IIF, Josef Ackermann, kann sich schon wieder hinstellen und „Augenmaß“ in der Diskussion über verschärfte Eigenkapitalanforderungen fordern. Diese Forderung ist sehr verständlich, denn erhöhte Eigenkapitalunterlegung verkürzt den Fremdkapitalhebel und ein verkürzter Fremdkapitalhebel verlängert den Weg zu einer Eigenkapitalrendite von 25%.

12:02 16.10.2009
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Geschrieben von

mephisto

Zeitgenosse
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