Erst Machtübergabe, dann Reset

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Jeder kann den Wert und die Kaufkraft von 100 € einschätzen und einordnen, die Zahl 1.000.000.000 in € sprengt dagegen jede Vorstellungskraft. 10.000.000.000 oder 100.000.000.000 oder 1.900.000.000.000 (diese Zahl in $ markiert das US-Haushaltsdefizit in 2009) sind nur noch Ziffern, nicht mehr nachvollziehbar und daher buchstäblich bedeutungslos, leer wie ein Blatt weißes Papier.
Nun kann diese Leere gefüllt werden mit Deutungen, so können diese astronomischen Zahlen als Synonyme für Krisenmanagement und Handlungsfähigkeit vermittelt werden, damit verhindert wird, daß alle gleichzeitig auf die Rettungsboote losstürzen, um dem anrollenden Finanz-Tsunami zu entkommen.

Die Dimensionen dieses Finanz-Tsunamis werden von zwei äußerst ungleichen Autoren erstaunlich gleich beschrieben. Winfried Noè, Deutschlands populärster Sternendeuter, sieht das Ende aller Zeitzyklen mit dem Zusammenbruch des Papiergeldsystems kommen und der amerikanische Hedge-Fonds-Manager Julian Robertson, der schon im Mai 2005 die aktuelle Entwicklung vorausgesagt hat, prognostiziert den Kollaps der gesamten öffentlichen Infrastruktur.

Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, daß dem Staat jetzt neue Handlungsmacht übergeben wird, zur völligen Irritation derer, die sich diese Handlungsmacht lieber sauber im Klassenkampf erkämpft hätten.
Wenn in der anstehenden monetären Katharsis Wertpapiere, Geldforderungen, Renten- und Pensionsansprüche pulverisiert werden ist es der Staat, auf den sich die Machtmittel konzentrieren, um ein Mindestmaß an öffentlicher Ordnung zu gewährleisten und den Reset des Systems zu organisieren.

12:28 02.03.2009
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Geschrieben von

mephisto

Zeitgenosse
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