Heuschrecken und Kommunisten im Streß

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Mit den Hedge Fonds und der kommunistischen Partei Chinas sitzen zwei sehr ungleiche Protagonisten im selben Boot, denn beiden wird in der Weltwirtschaftskrise die Grundlage ihrer Erfolgsmodelle entzogen.

Nach Angaben des Branchenportals hedgeFund.net ist das von Hedge Fonds weltweit verwaltete Fondsvermögen im Verlauf des Jahres 2008 gewaltig geschrumpft von 2,97 Billionen $ auf zuletzt 1,84 Billionen $. Dabei seien 512 Milliarden $ von den Anlegern abgezogen worden, 535 Milliarden $ gingen auf das Konto von Kursverlusten.
Hedge Fonds sind ja bekanntermaßen die ganz großen Spieler im globalen Finanz-Casino, die auf die Einlagen ihrer Kunden geliehenes Geld auftürmen um dann auf alles zu spekulieren, was sich nach oben, unten, rechts und links bewegt.
Jetzt werden die Jalousien heruntergelassen und das Schild „out of order“ rausgehängt, denn ihre Geschäftsmodelle funktionieren nur solange Banken ihnen billige Kredite geben und ein verbreiteter Optimismus die Kursfantasie in vielen Anlagesegmenten beflügelt.

Mit den Kursverlusten der Hedge Fonds dürfte auch die eine oder andere Million eines chinesischen Neu-Reichen versenkt worden sein. Forbes zufolge ist das Vermögen der 400 reichsten Chinesen im Jahr der Ratte um 115 Mrd. $ von 288 Mrd. $ auf 173 Mrd. $ geschrumpft.

Allerdings ist das immer noch Jammern auf hohem Niveau angesichts der Menschen, die vor den Ruinen ihrer Existenz stehen.
Der Einbruch in der chinesischen Exportwirtschaft, allein im Januar ein Minus von 17,5 %, hat mittlerweile 20 Millionen Wanderarbeitern den job gekostet und das treibt der Führung in Peking Sorgenfalten auf die Stirn, denn es gibt wohl kaum jemanden, der weniger zu verlieren hat als ein besitzloser Wanderarbeiter.

So könnte zum besten Treppenwitz der Globalisierungsgeschichte werden dass ausgerechnet die weltgrößte kommunistische Partei das eigene Proletariat fürchten muss weil sie es der kapitalistischen Verwertung zugeführt hat.

Deshalb ist es wohl auch kein Zufall, dass die weltweit größten Konjunkturpakete, gemessen am BIP, in China geschnürt werden.

15:27 13.02.2009
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Geschrieben von

mephisto

Zeitgenosse
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