Rettet die Welt!

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Als im November 2008 in Dubai das Hotel „Atlantis“ eingeweiht wurde war dies die letzte große Party der world-vips, das letzte Prösterchen auf dem hell erleuchteten Deck der Titanic, die am 15.09.08 einen Eisberg namens Lehman Brothers geschrammt hatte. Der schnelle Untergang wurde zwar gerade noch in letzter Minute verhindert, aber das – unser – Schiff hat bedenklich Schlagseite. Gestern hat der neue US-Finanzminister Timothy Geithner einen neuen Billionen-Rettungsring für den Finanzsektor ausgeworfen und sprach ausdrücklich davon, dass es darum ginge das Finanzsystem vor dem Kollaps zu bewahren. Nicht die Konjunktur war das Thema sondern es geht um alles oder nichts. Um die Lecks zu dichten kündigen die Notenbanken auch „ungewöhnliche Maßnahmen“ an, was im Klartext nichts anderes als das Anwerfen der Gelddruckmaschinen bedeutet. Dabei sind die schon jetzt ergriffenen Maßnahmen beachtlich: die japanische Notenbank kauft den japanischen Geschäftsbanken Aktien ab, die US-Notenbank verdoppelte in wenigen Wochen ihre Bilanzsumme, um die kurzfristige Refinanzierung von Unternehmen zu übernehmen, die Bank of England senkt die Leitzinsen auf den tiefsten Stand aller Zeiten und das sind immerhin mehr als 300 Jahre, die EZB begnügt sich mittlerweile mit Sicherheiten zweiter Wahl, Hauptsache es wird von den Geschäftsbanken Zentralbankgeld nachgefragt. Das alles wirkt ein wenig hilflos und nüchtern betrachtet: nun ja, es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte, das ein Papiergeldsystem durch maßlose Überdehnung kollabiert, nur würde ich das gerne nachlesen und nicht als Zeitzeuge erleben.

13:14 11.02.2009
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Geschrieben von

mephisto

Zeitgenosse
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