same procedure as every crisis

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Banken Bashing ist derzeit angesagt: maßlose Gier, falsche Anreizsysteme, fehlende Aufsicht und Kontrolle, Wildwuchs strukturierter Produkte, too big to fail. In Davos gab es dann eine schöne Gelegenheit, im illustresten aller Kreise medienwirksam den bösen Buben mit einem energischen So-geht`s-nicht-weiter einmal so richtig die Ohren lang zu ziehen.

Jetzt ist es aber schon ein Jahr her, daß die Banken unter den Schutz des Staates gestellt wurden und es ist nicht erkennbar, welche reformerischen Taten den vermeintlich entschlossenen Worten folgen sollen, man darf wohl davon ausgehen, dass ein paar Stellschrauben im Risikomanagement neu justiert werden und das war`s dann.

Grundlegendes wird sich nicht ändern und hat sich auch in 75 Jahren nicht geändert, wie der folgende Text zeigt:

"Ein Bankensystem, dessen Aufgabe es ist, Kredite zu gewähren, auch wenn keine Sparkapitalien gebildet werden, muß notwendigerweise immer wieder Störungen im Wirtschaftsleben hervorrufen und dabei seine eigene Existenz gefährden. Erstens, wenn sie Kredite gewähren, ohne Spareinlagen in gleicher Höhe empfangen zu haben, zweitens, wenn sie Kredite auf längere Fristen gewähren, als die Spareinlagen bei ihnen gebunden sind. Man hat die Übereinstimmung der Fälligkeiten der Schulden und Forderungen einmal als die "goldene Regel" des Bankengeschäftes bezeichnet. Die Mehrzahl aller mitteleuropäischen und viele amerikanische Banken haben dieser Regel Jahre hindurch in allergröbstem Maße zuwidergehandelt und mußten früher oder später in Schwierigkeiten kommen." (Fritz Machlup, Wien 1934, kursiv im Original)

Exzessive Kreditvergabe ermöglicht durch Verbriefungen und Investments in längerfristige "toxische" Wertpapiere, die kurzfristig am Geldmarkt refinanziert werden - das waren die Ingridenzien der aktuellen Krise.

Solange alles gut gegangen ist haben alle weggeschaut, jetzt hat man wenigstens einen schwarzen Peter.

11:04 02.02.2010
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Geschrieben von

mephisto

Zeitgenosse
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